Ruhm den Königinnen!

Die vier Schachköniginnen in den 70ern. Foto: Film delights
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Das Drei-Millionen-Einwohner-Land Georgien im Südkaukasus hat nicht in Politikern, Dichtern oder Kriegsherren seine Volkshelden gefunden, sondern in vier schachspielenden Frauen: Nona Gaprindaschwili, Nana Alexandria, Maia Tschiburdanidse und Nana Iosseliani. Sie waren nicht nur Großmeisterinnen, sie waren Königinnen des Schachs.

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Unglaubliche dreißig Jahre in Folge brachten die vier den Weltmeistertitel in ihre Heimat. Nona Gaprindaschwili errang als erste Frau überhaupt den prestigeträchtigen Titel eines Großmeisters und verteidigte ihren Weltmeistertitel 15 Jahre lang. Ihre Karriere begann 1952 durch Zufall. Weil ihr ebenfalls im Schach erfolgreicher großer Bruder kurz vor einem Turnier krank wurde, durfte die kleine elfjährige Schwester Nona einspringen – ein Star war geboren.

Nana und Nona warenso populär, dass Parfüms nach ihnen benannt wurden

Gaprandaschwili und Alexandria wurden in den 1970er Jahren in Georgien so populär, dass nach ihnen Parfümsorten mit „Nana“ und „Nona“ benannt wurden, die in Flacons in der Form von Schachfiguren vertrieben wurden. Die vier Ausnahme-Frauen wurden in Georgien nebenbei zu Vorreiterinnen der Emanzipation. Sie haben ihrem Land gezeigt, dass ein messerscharfer Verstand, Strategiedenken und Siegeswillen nicht an ein Geschlecht gebunden sind. Auf einmal wollten alle georgischen Mädchen und Frauen Schach spielen. Vereine schossen wie Pilze aus dem Boden.

Die vier sind bis heute eng befreundet. Nona Gaprindaschwili spielt noch immer erfolgreich Turnierschach, im Mai ist sie 80 Jahre alt geworden.

Die Regisseurin blickte als Kind selbst zu den vier Frauen auf: Das waren Kriegerinnen!

Der 2020 erschienene Film „Glory to the Queen“ setzt ihnen ein verdientes Denkmal. Die Regisseurin Tatia Skhirtladze, eine bildende Künstlerin aus Tiflis, blickte als Kind selbst zu den vier Schachspielerinnen auf. „Das waren meine Heldinnen. Starke, selbstbewusste und hochintelligente Frauen!“, sagt sie, „Die vier haben unsere Frauenbewegung stark beeinflusst. Georgien war eines der ersten Länder weltweit, in dem Frauen wählen durften. Und: Frauen haben zur Hochzeit ein Schachbrett geschenkt bekommen.“

In ihrem Dokumentarfilm begleitet Tatia Skhirtladze die - zum Teil vor Witz sprühenden - Frauen in ihrem Alltag, gräbt Erinnerungen an ihre wichtigsten Erfolge aus und folgt ihren Spuren im weiblichen Selbstverständnis der modernen georgischen Gesellschaft. Und: Mit viel Humor dekonstruiert sie historische Propagandafilme über die Weltmeisterinnen als sorgende Ehefrauen und Blumenmädchen. Tatia Skhirtladze: "Das waren keine Blumenmädchen, das waren Kriegerinnen!"

Ab sofort im Stream!

www.frauenfilmfest.com

Noch immer eng befreundet: Die vier Frauen heute.

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