Die „Sisters of Comedy“ - hahaha

Drei "Sisters of Comedy" (von li): Carmela de Feo; Patrizia Moresco, Dagmar Schönleber
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Treffen sich ein paar Kabarettistinnen in einer geschlossenen Facebook-Gruppe. Nach dem Start der MeToo-Debatte fragt eine: „Was habt ihr denn so für Erfahrungen mit Sexismus?“

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Und da kam einiges zusammen, erzählt die Kölner Kabarettistin Dagmar Schönleber (Foto re). Vom Spruch des Kollegen („Bevor du gleich auf die Bühne gehst, ziehst du dir aber noch was Schönes an, oder?“) über unangenehme Anmache („Du machst doch auf der Bühne immer einen auf locker, da kannst du doch dann hinterher auch mit mir aufs Hotelzimmer kommen.“) bis zur Ablehnung des Veranstalters („Wir nehmen nicht mehr als eine Frau pro Show.“). Plus natürlich die auch im Jahr 2018 immer noch unverwüstliche Behauptung: „Es gibt keine lustigen Frauen!“

Eine große Show gegen Sexismus und für Frauenrechte

Und so kam es, dass die Kabarettistinnen Ende 2017, beflügelt von Women’s March und MeToo, beschlossen: „Wir wollen mit einer Show ein Zeichen gegen Sexismus setzen!“ Da kam das 100. Jubiläum des Frauenwahlrechts gerade recht. „Wir dachten uns: Ein gemeinsamer Auftritt am Jahrestag – das wär doch was!“ Das Orgateam um Carmela de Feo, Patrizia Moresco und Dagmar Schönleber (Foto) schritt zur Tat.

Am 12. November um 20 Uhr ist es nun so weit: 360 (!) lustige Frauen von Jilet Ayse bis Anka Zink treten in 23 Städten auf. Titel: „Sisters of Comedy – Nachgelacht“. Genau ein Vierteljahrhundert, nachdem die Kölner Kabarettistin Rosa K. Wirtz 1995 die „FrontFrauen" ins Leben rief, gibt es in Deutschland nun wieder ein Kabarettistinnen-Netzwerk.

Und das klingt so: „Vor 100 Jahren durften Frauen zum ersten Mal wählen. Und heute? Wählen sie immer noch: Ob sie Kinder kriegen oder Karriere machen, Ob sie ein Dirndl oder einen Antrag auf Hartz IV ausfüllen, Ob sie sich damit abfinden, dass Männer immer noch mehr verdienen, Oder ob sie Krawallschachteln werden, die sich wehren.“

Bei den Komikerinnen stehen die Zeichen auf Krawall!

Die „Sisters of Comedy“ haben gewählt: Krawall! „Denn in Zeiten, in denen man wieder über Frauenrechte und Meinungsfreiheiten diskutieren muss, der Wind von rechts weltweit schärfer bläst und auch in westlichen Kulturen wieder ein sehr konservatives Frauenbild propagiert wird, gehen die Komikerinnen in die Offensive!“

Und nicht nur das: In jeder der 23 Städte wird ein Teil des Erlöses an ein örtliches Frauenprojekt gespendet, das sich außerdem im Laufe des Abends vorstellen darf. Wie könnte frau den großen Frauenrechts-Festtag besser feiern?

Hier alle Spielorte im Überblick.
Hier geht es zum EMMA-Dossier Frauen & Humor

 

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17. November 1918. Die Frankfurter Paulskirche platzt aus allen Nähten. So viele enthusiastische Frauen strömen in das geschichtsträchtige Gebäude, dass es Schlagzeilen in der Weltpresse macht. Allen voran meldet Jus Suffragii die Sensation: „The German Revolution in the first days of its glorious victory has announced equal citizen and economic rights for both sexes, and thereby given the women the vote for all corporate bodies“, schreibt die in London erscheinende Zeitschrift des „Weltbundes für Frauenstimmrecht“.

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Nur einen Tag nach Kriegsende erhielten die deutschen Frauen das Stimmrecht. Und diesen ­Triumph, so Jus Suffragii, feierten sie mit einer „überwältigenden Massendemonstration“. Es ist ein Triumph, für den sie ein halbes Jahrhundert lang gekämpft hatten – und bis zur letzten Minute.

Ihr könnt mitwählen! Bereitet euch würdig darauf vor!

Fünf Tage zuvor, am 12. November, hatte die provisorisch eingesetzte Regierung in ihrem „Aufruf des Rates der Volksbeauftragten an das deutsche Volk“ die Anerkennung der Frauen als vollwertige Bürgerinnen verkündet. Bis dato hatten Frauen in Sachen Bürgerrechte mit Minderjährigen und geistig Behinderten auf einer Stufe gestanden. Ab nun galt: „Alle Wahlen zu öffent­lichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht aufgrund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“

„Eine Wandlung hat sich im Weltall vollzogen wie nie zuvor: Frauen Deutschlands, Ihr werdet als gleichberechtigte Bürgerin dieses Staates gelten!“ jubelt die Frauenrechtlerin Minna Cauer in ihrer Zeitschrift Die Frauenbewegung und appelliert „An die Frauen Deutschlands“: „Eine konstituierende Nationalversammlung ist in Vorbereitung. Ihr könnt mitwählen! Bereitet euch würdig dafür vor. Frauen Deutschlands, Ihr werdet alle gerufen! Seid Mitarbeiterinnen, Helferinnen, Kämpferinnen für eine neue Zeit!“

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