Epstein-Doku: Die Opfer sprechen

Virginia Giuffre bricht ihr Schweigen. Foto: Netflix
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Nach "Surviving R. Kelly" und "Leaving Neverland" sorgt die nächste Dokumentation über sexuelle Übergriffe prominenter Männer für Fassungslosigkeit. In der vierteiligen Netflix-Produktion "Jeffrey Epstein: Stinkreich" (seit 27. Mai) befasst sich die Macherin Lisa Bryant mit dem US-amerikanischen Investmentbanker, dessen Leben, Verbrechen, Beziehungen und nicht zuletzt sein Tod noch immer unzählige Fragen aufwerfen.

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Bryant führt Missbrauchsopfer, PolizistInnen, Angestellte Epsteins ins Feld. Letztere bestätigen unter anderem die diversen Besuche von Bill Clinton und Prinz Andrew auf der "Pädophileninsel". Missbrauchsopfer wie Shawna Rivera oder Virginia Giuffre beschreiben, wie sie als Teenager mit Jeffrey Epstein in Kontakt gerieten und aus dem Sumpf aus Sex und Geld nicht mehr herausfanden.

"Er wurde zu 100 Prozent ermordet!"

Für Amy Robach jedoch,  Journalistin und Anchorwoman des Senders ABC News, dürfte die Serie nicht viel Neues verraten. Schon vor Monaten erklärte sie nach einer Live-Sendung: "Ich weiß seit drei Jahren alles, bin aber zum Schweigen gezwungen worden. Epstein hat seine Kunden erpresst! Mit 100 prozentiger Sicherheit ist er ermordet worden!" Robach sprach nach einer Live-Sendung mit einer anderen Person über den Fall Jeffrey Epstein in dem Glauben, das Mikro sei abgeschaltet. War es aber nicht. Das Band wurde der Internet-Enthüllungsplattform "Project Veritas" zugespielt – und die packten dann aus. Wer aber hat Robach gehindert? Das englische Königshaus und weitere gutplatzierte Kräfte. Warum? Weil das, was Robach weiß, sehr, sehr unangenehm werden könnte für so manchen.

Robach hatte eine Zeugin, Virginia Roberts (heute Guiffre), aufgetan, die zwölf Jahre lang untergetaucht war; eines der von Epstein missbrauchten und verkauften Mädchen. „Sie hatte Bilder, sie hatte alles, zwölf Jahre lang hatte sie sich versteckt. Wir haben sie überzeugt, rauszukommen und mit uns zu reden. Was wir hatten, war unglaublich. Wir hatten Clinton, wir hatten alles… Dann fand das Königshaus heraus, dass wir Anschuldigungen gegen Prinz Andrew hatten, und bedrohte uns auf mannigfaltige Weise.“

"Wir hatten Clinton, wir hatten alles..."

Robach weiter: „Epstein war der schlimmste Pädophile, den Amerika je hatte. Und er hat bei seinem Geschäft, dem Schachern mit Minderjährigen, seine Kunden nicht nur zahlen lassen, sondern sie dann auch damit erpresst. Sein Leben war auf Erpressung aufgebaut.“ Dass sein Tod in der Gefängniszelle ein Mord und kein Selbstmord war, legen mittweile auch die Äußerungen von Spezialisten nahe. Der bekannte Pathologe Michael Baden widersprach dem Ergebnis der offiziellen Obduktion. Der 85-jährige Mediziner, der einst auch an Untersuchungen der Attentate auf Kennedy und Martin Luther King beteiligt war, verwies auf die Knochenbrüche auf beiden Seiten von Epsteins Hals, der typisch für Erwürgen sei. "In den vergangenen 50 Jahren habe ich solche Brüche kein einziges Mal bei einem Suizid gesehen" sagte Baden, der mehr als 20.000 Obduktionen leitete.

Amy Robach spricht auch über Epsteins Freundin Ghislaine Maxwell. „Sie weiß alles“, sagt sie und müsse sich warm anziehen. „Sie ist in Lebensgefahr.“ In den USA sind Robachs Enthüllungen seitdem Breaking News. Das Projekt Veritas machte daraus eine regelrechte Kampagne und forderte seine Zuschauer auf, sich zu melden, wenn sie mehr wüssten: Wer hat verhindert, dass die Informationen von Amy Robach an die Öffentlichkeit kamen? Wer hatte einen Nutzen davon? fragt der Sender. Gute Frage.

Die gilt auch für das bisherige Schweigen in Deutschland, wo bisher nur wenige kleine Blätter berichteten und immer noch von "Selbstmord" die Rede ist. Wer hat ein Interesse daran, dass Robach schweigen musste? Und wer, dass Epstein nicht mehr reden kann?

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Eine mutige Frau enthüllt Epstein!

Journalistin Julie Brown (li) enthüllte den Vertuschungsskandal. Rechts: Jeffrey Epstein. Foto (re): Uma Sangh/Zuma Press/Imago Images
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Der Fall war vor Jahren längst zu den Akten gelegt. Mit einem „Deal“, der Jeffrey Epstein für seinen vielfachen Missbrauch Minderjähriger mit einer lächerlichen Gefängnisstrafe davonkommen ließ.

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Doch Julie Brown, seit 19 Jahren Journalistin beim Miami Herald, wollte sich damit nicht abfinden. Sie wühlte sich durch Berge von Gerichtsakten, flog durch halb Amerika und fand sie: die Opfer des bestens vernetzten Multimillionärs.

Frauen wie Michelle Licata, Virginia Roberts, Jena Lisa Jones oder Courtey Wild (von links oben im Uhrzeigersinn). Sie waren 14 und trugen noch Zahnspangen, als Epstein sie damals in eine seiner Villen bringen ließ. Sie waren Mädchen aus prekären Verhältnissen: Courtneys Mutter war drogenabhängig, Jena lebte in einem Trailerpark, Virginia war vor dem Missbrauch zu Hause geflüchtet und auf der Straße gelandet.

Es liegt nahe, dass Julie Brown dieser Fall auch deshalb so am Herzen liegt, weil sie solche Verhältnisse nur zu gut kennt. Die Tochter einer alleinerziehenden Mutter wurde gemobbt und musste erleben, wie zuhause die Möbel gepfändet wurden, weil die Mutter die Stromrechnung nicht bezahlen konnte. Mit 16 zog Julie aus, schlug sich als Kellnerin durch und finanzierte so ihr Journalismus-Studium.

Julie Brown zeigt, was eine mutige Frau erreichen kann!

Ihre Artikelserie, die schließlich das System Epstein hoch gehen ließ, hat den Titel: „Perversion of Justice“. Darin zeigt Julie, was ein mutiger Mensch, in dem Fall eine mutige Frau, erreichen kann. Ganz wie Ronan Farrow, der Sohn von Woody Allen, der mit seinen Enthüllungen über Weinstein MeToo ins Rollen brachte.

In der aktuellen Ausgabe berichtet EMMAs Amerika-Korrespondentin Christiane Heil über die Abgründe der Affäre Epstein, in die Ex-Präsidenten wie amtierende Präsidenten verwickelt sind - und die hoffentlich eine weltweite Protestbewegung auslöst.

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