Amy Schumer übers Muttersein

Amy Schumer mit Sohn Gene, geboren einen Abend nach Royal-Baby Archie.
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„Neues Kind, wer ist das?“, schreibt US-Comedy Star Amy Schumer zu ihrem ersten Instagram-Baby-Foto. Die 37-Jährige postete am 5. Mai mitten in der Nacht ein Selfie, das eine ziemlich müde dreinschauende Schumer zeigt. Über eine Million Likes! „MILF-Alarm auf ein Uhr“, schreibt sie zu einem zweiten. Da sitzt sie breitbeinig, im Krankenhauskittel mit zerzausten Haaren und zerknirschtem Gesicht auf dem Klo.

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Amy ist auf dem Foto so ziemlich das Gegenteil einer „Mother I'd like to fuck“ (Mutter, mit der ich gern Sex hätte). Kein hedonistisches Köpfchen-Geküsse, kein stolzes „Wir-sind-Eltern“-Geschwafel. Amy und ihr Mann Chris sind nicht „ganz bei sich“, sie sind „ganz schön durch“.  

Die bekennende Feministin Schumer mag es bekanntlich unverblümt und teilt lebensechte Schnappschüsse aus ihrem Familienalltag mit ihrem „Royal Baby“. Schon während der Schwangerschaft war es ein Running Gag, dass Amy und Meghan quasi zeitgleich ihr erstes Kind erwarteten. Nachdem das britische Königshaus die Geburt von Archie bekanntgegeben hatte, zog Schumer einen Tag später mit der Geburt ihres Sohnes Gene nach.

Schon während der Schwangerschaft hatte die werdende Mutter keinen Hehl aus ihren Strapazen gemacht. Amy musste sich ständig übergeben und verbrachte das erste Trimester vorwiegend liegend. Auf ihrem „Pregnagram“ teilte sie ihre Stimmungslage mit und machte sich über alle lustig, die Schwangersein als spirituelle Selbsterfahrung preisen. Schumer zeigte sich rund und runder werdend. Und eine Woche vor der Geburt mit voll gespanntem Ballonbauch. Auch das ein Gefühl, das bei werdenden Müttern einen empfindlichen Nerv tritt. Dieser gigantische Bauch und das Wissen darum, dass das, was da drin ist, raus muss. Durch eine sehr, sehr kleine Öffnung. Schumers Gesicht auf dem Foto sagt alles.

Viele von Schumers Schwangerschafts-Erlebnissen flossen bereits in ihr Kabarettprogramm „Growing“ ein (auf Netflix).

Nun ist Baby Gene also da – und das Leben ist nicht gerade rosig. Mutter Amy nimmt die Herausforderungen mit ihrem Humor. Mitleidende posten spontane Lachanfälle oder schreiben „Genauso ist es!“ Eines der Fotos zeigt sie mit einer angebundenen Milchpumpe an jeder Brust. Es bekommt 1,2 Millionen Likes.

Schumers Instagram-Profil und ihre Art Humor sind für viele Frauen ein Geschenk. Weil Schumer keine Druck aufbauende Illusion, sondern echtes Frauenleben zeigt. Die 37-jährige Stand-Up-Komödiantin und Schauspielerin galt lange Zeit als Paradesingle und machte sich darüber nicht nur in ihren Filmen („Dating Queen“) und Kabarettprogrammen lustig, sondern eben auch in den sozialen Netzwerken. Eines Tages fand sie einen Mann, den sie Anfang 2018 auch noch heiratete; und prompt wurde sie schwanger. Wie es wohl weitergeht?

Auf Instagram hat Amy 8,7 Millionen Follower, so viele Menschen wie Österreich EinwohnerInnen hat.

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Bibi & Bonnie im Baby-Paradies

So präsentieren sich Bonnie (links) und Bibi auf Instagram.
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Da liegt sie, die junge Mutter, in rosafarbenen Tüll und Satin gehüllt, ihr wenige Tage altes Baby trinkt an ihrer Brust. Die Mutter legt die Hand sanft auf die Wange des Kindes, auch, um sein Gesicht vor der Instagram-Öffentlichkeit zu verbergen. Das Bild zeigt das Model Bonnie Strange. Es ist Beweis für die Geburt der kleinen Tochter.

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Schon zuvor hatte sie die Schwangerschaft bildhaft auf Instagram inszeniert. Strange schaut mit großen blauen Kulleraugen und adrettem Pony in die Kamera, sie gibt die Lolita. Allenfalls die Traurigkeit im Blick mag verraten, dass das Leben der jungen Mutter kein Ponyhof ist. Bonnie Strange, so entnehme ich es einem Magazin, wurde noch in der Schwangerschaft von ihrem Lebensgefährten betrogen. Zur Strafe durfte er der Geburt der Tochter nicht beiwohnen.

Bilder einer neuen Form
von Mutter-
propaganda

Die Bildunterschrift lautet: „meanwhile in our little castle“. Wir sehen also, was sich gerade in Bonnies kleinem Schloss abspielt. Größer kann die Differenz zwischen Wunschtraum und Realität kaum sein. Aber so verhält es sich ja allenthalben mit den Bildern von Mutterschaft.

Natürlich sind weichgezeichnete Werbebilder vom Muttersein nichts Neues. Auf Instagram, Facebook und Co. tritt aber eine ganze Armada junger Mütter an – unter ihnen nicht wenige Influencerinnen, die ihr Geld mit aufwendiger Inszenierung und Produktplatzierung verdienen – um ihr Bild von Mutterschaft zu propagieren. Die Bilder grenzen dabei an eine neue Form von Mutterpropaganda, in deren Sound Themen wie Abtreibung absolut undenkbar sind. Denn das Baby verspricht ultimatives Glück und Erfüllung.

Die Propaganda verfängt umso mehr, da sie von den Müttern selbst stammt und nicht etwa von grauhaarigen Männern und selbsternannten Experten verkündet wird. Auch da, wo Instagram angeblich die Schattenseiten der Mutterschaft ins Bild setzt, wird die Mutterschaft als Schicksal nie in Frage gestellt sondern glorifiziert. Die Mutter ist Kämpferin oder Tigerin (wegen der Schwangerschaftsstreifen). Die Botschaft der Bilder lautet: Es ist hart, aber das ist es wert. Die subtile, aber umso wirksamere Botschaft dahinter: ­Muttersein ist unsere Bestimmung. Wie prägend solche Bilder für Millionen von Follower sind, zeigen auch andere Beispiele.

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