Schweiz: Keine Munition zuhause!

Vater, Mutter, Kinder und das scharfe Sturmgewehr. Foto: Leonoardo AI
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Auch in der Schweiz läuft die Propaganda-Maschinerie für Aufrüstung auf Hochtouren. Die „Bereitschaft der Armee“ und der „allgemeine Wehrwille“ sollen hochgefahren werden. Womit? Mit der scharfen Waffe am Mann. „Die Abgabe von Taschenmunition erhöht die Sicherheit bei einer Mobilmachung, stärkt die Verteidigungsfähigkeit und ist ein Zeichen des Wehrwillens der Schweiz“, sagte Werner Salzmann, Ständerat (wie Bundesrat) von der Schweizerischen Volkspartei (SVP).

Salzmann, selbst Oberst, forderte damit nichts Geringeres als Munition für alle auch zuhause. Jeder dritte Schweizer bewahrt schon heute seine „Ordonnanzwaffe“, sein Sturmgewehr aus Armeezeiten, zuhause auf. Mit der „Taschenmunition“ wäre es dann ein „scharfes“ Sturmgewehr.

Die Taschenmunition wurde 2007 abgeschafft, weil es zu viele Femizide dadurch gab

2007 wurde die „Taschenmunition“ (50 Schuss) abgeschafft, weil es zu viele Femizide und Suizide durch das Sturmgewehr gab. Zum Beispiel wurde die schwangere Skirennfahrerin Corinne Rey-Bellet 2006 durch ihren Ehemann mit der Armeewaffe getötet und ihr Bruder gleich mit. Der Täter beging anschließend Suizid mit dem Sturmgewehr.

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Eine Volksinitiative hatte zuvor erreichen wollen, dass die Armeegewehre grundsätzlich nicht mehr zuhause aufbewahrt werden dürfen, sondern in gesicherten Depots lagern müssen. Aber die Mehrheit sagte Nein. Allerdings: Es dürfen zwar die Gewehre im trauten Heim aufbewahrt werden, aber nicht mit Munition. „Die Munition einzubehalten, das war der entscheidende Kompromiss in der Volksinitiative zum ‚Schutz vor Waffengewalt‘“, erklären die Frauen von Alliance F, dem Dachverband der Schweizer Frauenorganisationen. „Eine Wiedereinführung würde Frauen und Kinder in den eigenen vier Wänden akut in Gefahr bringen. Noch dazu werden Waffen nachweislich indirekt als Drohmittel oder direkt zur Einschüchterung gegen Frauen und Kinder eingesetzt!“, fügt Kathrin Bertschy hinzu, Nationalrätin und Co-Präsidentin von Alliance F.

In Windeseile lancierte Alliance F. darum eine überparteiliche Allianz aus Frauenorganisationen, der Ärzteschaft sowie unter den Schweizerischen Bäuerinnen und dem Landfrauenverband, um gegen den parlamentarischen Vorstoß pro Munition mobil zu machen. Mit Erfolg! Der Ständerat ließ sich von den Frauen aus allen politischen Lagern überzeugen und stimmte am 3. Dezember mit großer Mehrheit mit Nein zu der Munition zuhause. Das Thema ist damit vom Tisch.

Wenn Millionen für Schafe aufgebracht werden können, dann auch für Frauen!

Ein anderes Thema hingegen holten die Frauen – ebenfalls erfolgreich – erneut auf den Tisch. Und zwar mehr Geld für den Frauenschutz.

„Jetzt Frauenleben retten!“ – heißt der Appell, den über 450.000 Schweizerinnen unterschrieben haben. Darin wird die Aufstockung des Budgets zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen gefordert. Rund 2,5 Millionen Franken. Der Nationalrat (wie Bundestag) wollte nur 1,5 Millionen bewilligen. Die Zusatzmillion für Präventionskampagnen sollte unter den Tisch fallen. Das sorgte für einen schweizweiten Aufschrei unter den Frauen. „Wenn das Parlament in der Lage ist, Millionen für den Schutz von Schafen aufzubringen, dann muss es ja wohl möglich sein, mindestens 2,5 Millionen Franken für den Schutz von Frauen aufzubringen!“ empörte sich die SP-Nationalrätin Tamara Funiciello. Die Parlamentarierinnen, aus linken wie konservativen Kreisen, schlossen sich ihr an. Der Widerstand von Volk und Politikerinnen hatte Erfolg. Die Finanzkommission gab Mitte Dezember 2025 grünes Licht für die Aufstockung der Gelder zum Schutz der Frauen.

Wieder einmal haben die Schweizerinnen gezeigt, dass sie – überparteilich und durch alle Lager einen Weg finden.

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