In der aktuellen EMMA

Tiere auf Seitensprung

Gibbon im Anmarsch... Foto: Anka Agency/imago images
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Warum fahren manche Männer teure Autos? Warum betrügen sie ihre Partnerinnen? Warum trennen sie sich nach vielen Ehejahren und suchen sich eine jüngere Frau? Die Antwort auf all diese Fragen ist immer dieselbe: Männer wollen ihre Gene verteilen. Das hat die Evolution so eingerichtet. Traurig, aber wahr. Oder?

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Schon 1871 schrieb Charles Darwin: „Die Männchen fast aller Arten haben stärkere Leidenschaften als die Weibchen. Deshalb sind es die Männchen, die miteinander kämpfen und ihre Reize verführerisch vor den Weibchen präsentieren. Die Weibchen auf der anderen Seite sind fast ohne Ausnahme weniger begierig als die Männchen. Sie will umworben werden, sie ist spröde und versucht häufig für lange Zeit, dem Männchen zu entkommen.“

In den 1940er Jahren experimentierte der Biologe Angus Bateman, inspiriert von Darwin, mit Fruchtfliegen. Das Ergebnis: Während manche männlichen Fruchtfliegen gar nicht zum Zuge kamen, waren andere bei vielen weiblichen Fliegen erfolgreich und zeugten besonders viele Nachkommen.

Auch Weibchen sind interessiert an verschiedenen sexuellen Beziehungen

Die weiblichen Fruchtfliegen hingegen wurden fast alle trächtig, egal, mit wie vielen männlichen Fliegen es zum Akt kam. Merke: Ein wildes Sexleben lohnt sich nur für Männchen. Und: Was für die Fruchtfliegen gilt, muss auch für andere Tiere gelten – und für den Menschen, der biologisch gesehen auch nur ein Tier ist.

Ungefähr das muss sich Robert Trivers gedacht haben, als er 1972 seine Theorie des Elternaufwands aus Batemans Beobachtungen ableitete. Sie lautet in etwa so: Männer investieren bei der Fortpflanzung weniger als Frauen, nämlich ein winziges Spermium im Vergleich zu einem viel größeren Ei. Sie können insofern mit wenig Aufwand viele Kinder zeugen. Für Frauen ist selbst der minimal notwendige Aufwand groß: Neben dem Ei umfasst der nämlich auch Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit. Sie können deshalb nur eine begrenzte Anzahl an Kindern bekommen.

Die November/Dezember-EMMA
Die November/Dezember-EMMA

Die Ideen von Darwin, Bateman und Trivers wurden von der Wissenschaft scheinbar immer wieder bestätigt. So sagen in Umfragen mehr Männer als Frauen aus, schon einmal fremdgegangen zu sein, und Männer geben die Zahl ihrer Sexualpartnerinnen höher an als umgekehrt.

Es schien alles zusammenzupassen. Die evolutionäre Erklärung dafür, dass Männer immer nur an Sex denken und Frauen von der Liebe träumen (so der Titel eines Bestsellers), ist schlicht, einleuchtend und elegant.

Sie hilft außerdem, ein System, in dem Frauen sich um Kinder und Haushalt kümmern, die Männer ums Geldverdienen und um ihre Sekretärinnen, als natürlich zu legitimieren. Kein Wunder, dass jahrzehntelang ein wichtiges Detail übersehen wurde: Sie ist Unsinn. Das zeigt ein genauerer Blick ins Tierreich.

Den ganzen Text in der November/Dezember-Ausgabe lesen.

 

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