Väter? Spitze!

Von links: Johannes Knubbe, Karl Reinhard Kolmsee, Volker Frink
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Johannes Knubben ist so einer. Er hat eine Tochter und einen Sohn, zusammen mit seiner Frau Gabriela Knubben-Schweizer. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Und: Er hält seiner Frau den Rücken frei. Die ist nämlich die Lehrstuhlinhaberin für „Innere Medizin und Chirurgie der Wiederkäuer“ an der gleichen Universität. Vater Johannes hingegen „erzieht und betreut mit großer Leidenschaft zu einem großen Teil die gemeinsamen Kinder“, so begründet die Großbäckerei und Stiftung Mestemacher die Vergabe des Doppel-Preises, der jeweils mit 5.000 Euro dotiert ist (plus ein Sonderpreis über 2.500 Euro für den Unternehmer Karl Reinhard Kolmsee).

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Knubben und seine Frau sind in zweierlei Hinsicht ungewöhnlich: Erstens sind Lehrstuhlinhaberinnen im deutschen Wissenschaftsbetrieb rar. Das belegte jüngst erneut der „Gender-Report“ zur „Geschlechter(un)Gerechtigkeit an nordrhein-westfälischen Hochschulen“, der an diesem Freitag Thema eines Kongresses an der Uni Duisburg-Essen ist. Ergebnis des Reports: Heute sind zwar mehr als die Hälfte der Studierenden weiblich. Trotzdem sind nur 20 Prozent aller Professuren mit Frauen besetzt. Gabriela Knubben-Schweizer ist also eine Ausnahme. Das kann sie auch deshalb sein, weil ihr Mann eine ist. Denn zweitens: Väter wie Johannes gibt es ebenso selten wie Professorinnen.

Normalerweise sieht es in Deutschland so aus: Über 80 Prozent der Männer gehen nach der Geburt ihrer Kinder weiterhin ihrem Vollzeitjob nach. Die Familienarbeit übernimmt in Deutschland, dem Land der Übermütter, selbstverständlich immer noch die Frau. Besonders dann, wenn es Probleme gibt. Pflegebedürftige Kinder oder Angehörige - auch die sind immer noch Angelegenheit der Frauen.

Anders sieht es bei den Frinks aus. Volker Frink ist der zweite Spitzenvater, der ausgezeichnet wurde. Der Zentralheizungs– und Lüftungsbauer übernimmt nicht nur die Familienarbeit, sondern auch die Pflege der Mutter von Ehefrau Sabine. Und die des behinderten Pflegekindes Joshua, das die Frinks vor neun Jahren aufnahmen. Auch Sohn Alper ist adoptiert. Sabine Frink ist Führungskraft in einer Bank – und damit die Hauptverdienerin der Familie.

Gestern wurde übrigens in Berlin außerdem der „AOK-Familienreport“ vorgestellt. Ergebnis: gestresste Eltern machen gestresste Kinder. Familienfreundliche Arbeitsbedingungen und gute Betreuungsangebote lindern diesen Stress.

Ergänzung: Spitzenväter auch.

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