Ask Alice! Sind Feministinnen männerfeindlich?

 

Liebe Amina,

selbstverständlich sind Feministinnen nicht chauvinistisch! Im Gegenteil: Wir sind für eine wirkliche Gleichheit zwischen Frauen und Männern. Wir glauben nicht, dass Männer von Natur aus böse oder aggressiv sind – und Frauen von Natur aus gut und sanftmütig. Wir denken, dass wir alle miteinander in erster Linie Menschen sind – sein sollten. Wir gehen davon aus, dass erst die unterschiedlichen Rollenzuteilungen und Machtverhältnisse Frauen und Männer – und Menschen überhaupt – zu dem gemacht haben, wie sie heute sind.

Und da ist es in der Tat so, dass gesamtgesellschaftlich gesehen Männer die Macht haben und Frauen oft ohnmächtig sind (In deinem Herkunftsland, das unter den Patriarchen und religiösen Fanatikern ächzt, läuft das ja noch viel härter als hier). Und Herrschaftsverhältnisse erhält man aufrecht durch Gewalt, angedroht oder ausgeübt. Das ist zwischen den Geschlechtern nicht anders als zwischen Völkern.

Zwischen den Geschlechtern ist es die sexuelle Gewalt. Die ist Männersache: Jedes dritte bis vierte Mädchen wird missbraucht (und jeder zehnte Junge), in 75 Prozent der Fälle in der Familie bzw. ihrem Umfeld. Mindestens jede dritte erwachsene Frau hat Erfahrung mit (sexueller) Gewalt. Und in 99 Prozent aller Fälle sind Männer die Täter.

Dass Frauen in Folge dieses Ungleichverhältnisses weniger verdienen als Männer und seltener in Chefetagen sitzen, liest du täglich in der Zeitung. Das heißt, das Verhältnis zwischen den Geschlechtern ist leider, gesamtgesellschaftlich gesehen, immer noch ein Machtverhältnis, auf Kosten der Frauen. Und wenn wir das wirklich ändern wollen, ist der erste Schritt: es benennen; der zweite Schritt ist: es analysieren; der dritte Schritt ist: handeln!

Du sagst, dein Bruder sei grundsätzlich durchaus gesellschaftskritisch, verurteile auch die Islamisten – aber halte nichts von Feministinnen. Das überrascht mich nicht. Denn ein fortschrittlicher Mann sein, das bedeutet (leider) nicht immer auch automatisch, Frauen bzw. ihren kämpferischen Schwestern gegenüber fortschrittlich sein.

Genau darauf haben wir Feministinnen ja in den 1970er Jahren reagiert. Da warst du noch nicht auf der Welt, darum erzähle ich es dir. Damals waren die Feministinnen zunächst Teil der linken Bewegungen, die die Welt verbessern wollten. Doch dann merkten sie in den westlichen Ländern, dass ihre eigenen Genossen zwar noch den letzten bolivianischen Bauern befreien wollten, ihre eigenen Frauen und Freundinnen aber weiter für sich Kaffee kochen und Flugblätter tippen ließen und sie als Sexobjekt behandelten.

Daraus schlossen wir, die Pionierinnen der Neuen Frauenbewegung: Wir müssen uns selber befreien! Und das tun wir seither. Der Feminismus ist die Theorie der Emanzipation von Mädchen und Frauen. Wenn du EMMA liest oder meine Bücher, wirst du kein Wort finden, das nicht in diesem Sinne informiert, aufklärt, ermutigt. Und immer wieder betont: Auch Männer sind Menschen. Es sind die Machtverhältnisse, die uns deformieren.

Kurzum: Dein groĂźer, netter Bruder hat Unrecht. In dem Fall. Aber er kann ja noch dazulernen. Vielleicht sogar von dir.

Herzlich
Deine Alice Schwarzer

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Kommentare

Ich habe noch keine Feministin erlebt, welche männerfeindlich gewesen wäre. Das ist kompletter Bullshit. Wirklich ein reines Vorurteil. Erst einmal zu Frau Schwarzers Sichtweise. Gerade "echte Männer" (im Sinne des alten Männerbildes) haben Risikoberufe und wissen, was ein Trauma ist. Deshalb schätzen gerade solche Männer es, wenn Frau Schwarzer diese Welt "enttraumatsisiert" und "entprostituiert". Abgesehen davon kennen gerade diese "echten Männer" (im Sinne des alten Männerbildes) die Nachteile, die das alte Männerbild mit sich bringt und freuen sich eher, wenn sie Hilfe bekommen, indem sie mehr Gefühle zeigen dürfen. Solche Anschuldigungen kommen eher von traurigen Männergestalten, die es zu nix gebracht haben und meinen Frauen (bzw. Feminstinnen) wären an ihrem Versagen schuld. Und dann gibt es noch die Männer, die Vorteile (z.B. als Zuhälter oder Freier) durch den Feminismus verlieren, auf welche sie natürlich nicht verzichten möchten. Da sag ich nix zu. Selbsterklärend.

Ja, man möchte ein echter Kerl sein. Man möchte den Attributen der Männlichkeit entsprechen. Stärke, Härte, eiserner Wille, man hat Eier in der Hose !!! Das fühlt sich gut an, weil es selbstbestimmt ist. Und dann... dann stellt man fest, man hat manchmal eine scheiß-Angst vor diesem Leben und seinen Herausforderungen und es wäre wirklich gut, wenn man diese "Schwäche" auch zeigen könnte. Nun gehöre ich Gott sei Dank einer Generation an, die dies auch Männern möglich macht. Aber lasst es Euch Frauen gesagt sein, der größte Macho, der auf seine dicken Eier hinweist und die schrecklichsten Sprüche absondert, ist der größte Angsthase bzgl. der Lebensumstände, die man nicht beinflussen kann.

Nach all den menschenverachtenden Missständen,zum überwiegenden Anteil verübt von männlichen Wesen,die emma tagtäglich kommuniziert,kann ich mich doch als Frau nicht hinstellen und sagen:Nee,ich hab nichts gegen Männer. Natürlich denke ich bei jedem Mann:Ob der wohl ins Puff geht? Ob der wohl hard core-Pornos guckt? Ob der wohl übergriffig wird im ach so trauten Heim? Ob der wohl auch die uralte Spaltung von Frauen in Heilige/Huren vornimmt?
Frauen scheinen tatsächlich die einzige gesellschaftliche Gruppe zu sein,die ihre Diskriminierer nicht beim Namen nennt oder sich das nicht traut. Das finde ich feige und verlogen. Und Männer: Fangt mal an,Euch im großen Stil die Sympathie und freundschaftliche Gefühle von Frauen Euch gegenüber wirklich zu verdienen!

Und woraus kann ich jetzt erkennen, dass Du FEINDLICH bist. Du möchtest einen Mann, der keine Hardcore-Pronos schaut und nicht in den Puff geht. Das ist doch dein gutes Recht. Aber wo bist Du denn feinlich dem männlichen Geschlecht gegenüber eingestellt?

Profilfoto von Éowyn

In jeder Gruppierung gibt es komische Leute mit komischen Meinungen. So gibt es sicherlich auch Frauen, die sich als Feministinnen bezeichnen und männerfeindlich sind. Diese sind aber - meiner Erfahrung nach - die absolute Ausnahme.
Der Feminismus, wie ich ihn sehe und erlebe, hat das Ziel, echte Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen zu schaffen, schädliche Rollenbilder gegen beide abzubauen und alle Menschen in erster Linie als Menschen zu sehen! Mit Männerfeindlichkeit hat er nichts zu tun!
Ich glaube übrigens nicht, dass dein Bruder Antifeminist ist. Ein Antifeminist ist für mich jemand, der weiß was Feminismus bedeutet und ihn gerade deshalb ablehnt - der also gegen die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen ist. Dein Bruder scheint eher jemand zu sein, der sich über Feminismus nicht informiert hat und deshalb das glaubt, was allgemein behauptet wird, um Feminismus abzuwerten. Aber das kann man ja ändern - durch Aufklärung! :)

Profilfoto von UsaD.

Ich finde diese Gedankengänge: "Die Männer! Die Moslems! Die Schwulen! Die Juden!", absolut unmöglich! Das ist für mich faschistische Denkweise, die IMMER am Ziel vorbeigeht!
Nein, ich will Dich nicht angreifen, denn der Prozentsatz spricht eine zu deutliche Sprache zugunsten Deiner Argumentation, aber: Ich werde mich, zur Not mit meinem Leben, vor jeden unschuldigen (Mann) stellen!
Wir mĂĽssen von diesen dummen Pauschalisierungen wegkommen, die nur aus der Ignoranz und der Faulheit unserer eigenen Denkweise herrĂĽhren!
Wir mĂĽssen endlich lernen, genauer zu zielen, auch wenn das anstrengender ist als eine bestimmte Gruppe zu verteufeln und zu verfolgen.
Zielen wir endlich auf die wahren TäterInnen: DIE SCHULDIGEN!!! Egal, welcher Religion sie sind, welcher Nationalität sie sind und welchem Geschlecht sie angehören! Sie sind schuldig ob ihrer Taten, sie sind selbst verantwortlich, sie haben keine Ausreden!
Ihnen sollte unsere gesamte Aufmerksamkeit gelten! Und Verfolgung!
Usa D. !

Nein, wenn man gleiche Rechte für Männer und Frauen einfordert, ist man nicht männerfeindlich. Auch wenn alte Chauvinisten das gerne immer wieder so gedreht hätten. Das ist ein bisschen, wie wenn du deinem Kind die Schokolade an der Kasse nicht kaufst und dich "kinderfeindlich" oder "schokophob" nennt. Das ist schon eine sehr kindliche Perspektive.

"Das ist für mich faschistische Denkweise, die IMMER am Ziel vorbeigeht." Wieso faschistisch? IMMER am Ziel vorbei? Das ist mir nicht so klar. Gruppen oder Merkmalstypizitäten müssen benannt werden. Die meisten Begriffe sind ein paar Jahrunderte vor den Nazis (und vor allem vor der Theorie der "Rassenhygiene") erfunden und geprägt worden (einige davon zugegebener Maßen nicht besonders sinnvoll, aber so ist Sprache nun einmal). Auf derartigen Stereotypen sowie der In-Group wie Out-Group-Denkweise beruht unser Gehirn (und assoziative Prozesse sind nun einmal nicht alle bewusst). Es ist nicht möglich dies abzuschaffen, denn so funktioniert unser Gehirn. Es ist möglich die positiven Ideen des Judentums oder des Islam hervorzuheben, um die negative Konnotation der Begriffe umzuprägen (die ja tatsächlich auch nicht berechtigt ist). Aber prinzipiell ist gegen solche Begriffe meiner Meinung nach nicht viel einzuwenden.

Profilfoto von UsaD.

Die Menschen sind nach unserem jetzigen Wissensstand die einzige Spezies, die sich selbst definieren kann. Wenn wir immer sagen: "Das ist eben so!", dann bräuchten wir, als nahegelegenstes Beispiel genannt, auch die EMMA nicht, denn ändern könnte sich nur etwas durch äußere Einflüsse, nicht durch uns selbst!
Aber wir sind Menschen und darum habe ich eine klare Erwartungshaltung uns gegenüber, z.B. erwarte ich, dass gedacht wird! Menschen können fast alles, wenn sie es wollen, sogar fliegen mit einem flugunfähigen Körper, Wir wachsen also über uns selbst hinaus. Stagnation, auch in dummen, überholten Denkmustern, ist darum eine menschliche Totsünde.
Denken! Handeln! Ăśberdenken! ...
Wir sehen doch die Schuldigen, warum also nicht mit dem Finger direkt darauf zeigen statt mit erhobener Faust ALLE (auch die anderen) gleichermaĂźen zu verfluchen..?!
Ist es jetzt klarer, was ich ausdrĂĽcken will?
LG, Usa D. !

Profilfoto von CIm

http://weiberplage.de/index.php?id=12906 ein Mensch dritter Klasse! Dem sollte man ... vor allem den Internetzugang sperren. Dass solch Gedankengut 2015 feiert, ist leider kein Witz.
Seit dem Internet kann mann ja alles sagen ... nur Männerfeindlichkeit ist strengst verpönt im Sozialnetz. Warum? in diesem Fall auch?

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