Astronomie: Die Vermesserin des Weltalls

Caroline Herschel und ihr Bruder Wilhelm waren das ber√ľhmteste Sternenforscherpaar ihrer Zeit. Anfangs assistierte sie ihm, sp√§ter forschte sie auf eigene Rechnung.

Caroline Herschel steht Kopf in der EXPO-Stadt Hannover: Zwei Beine sind keck in den Himmel gereckt, Kopf und H√§nde halb versunken in einem Betonsockel am Ufer der Leine. Wie ein vom Himmel gefallener t√ľrkisfarbener Meteroit sieht sie aus. Erschaffen hat diese besondere Caroline, auf deren √ľppigen Rundungen lila-, rot- und rosafarbene Herzen und Bl√ľten prangen, die bekannte K√ľnstlerin Niki de Saint Phalle. Ihre schon 1974 am Cityring gegen√ľber dem Hohen Ufer platzierten drei Nanas taufte sie spontan nach gro√üen T√∂chtern der Leine-Stadt - und eine von ihnen hei√üt Caroline.
Das heitere Denkmal h√§tte Madame Herschel sicher gefallen, denn "nach ihren Erinnerungen zu urtheilen, mu√ü sie humoristisch und am√ľsant gewesen sein", schreibt die Herausgeberin von "Caroline Herschels Memoiren und Briefwechsel". Darin erz√§hlt die 73j√§hrige Astronomin, eine "Gesellschaft gelehrter Damen habe sie in den letzten beiden Monaten aufgenommen... Wenn sie mich nach etwas fragten, sagte ich, ich w√ľ√üte es nicht, h√§tte meinem Bruder nur wie ein gut abgerichtetes H√ľndchen geholfen, d.h., ich h√§tte nur gethan, was er mir befohlen."
Falscher und hohler Bewunderung entzieht sie sich als alte Dame mit feiner Ironie. Und genau die √ľbersah die Wissenschaftsgeschichte zu lange und nahm das "zahme H√ľndchen" zu w√∂rtlich, weil es gut in his story passte. Doch her story ist nicht die Geschichte einer Dressur, sondern die eines neugierigen M√§dchens und einer wissbegierigen Frau, die auf Erden und im Himmel Schranken durchbrach.
Ihre Kindheit und Jugend ist f√ľr Caroline Lucretia, das zweitj√ľngste der sechs Herschelkinder, eine bittere Frauen-Lektion: "Ich hatte immer zuviel zu lernen, um etwas ganz zu lernen." Nach der Heirat der gro√üen Schwester muss sie kochen und bei Tisch alle bedienen. Lesen und schreiben darf Lina noch lernen, aber Franz√∂sisch- und Tanzunterricht verbietet die Mutter, damit sie "ein roher Klotz sein und bleiben sollte, allerdings aber ein n√ľtzlicher". Caroline muss f√ľr Eltern und Br√ľder Unmengen von Str√ľmpfen Brustt√ľchern, Hauben und Decken n√§hen und stricken, s√§umen und besticken.
So schlecht die Ausbildung von Frauen auch war, "die feinen Nadelarbeiten und Stickereien lehren sie, kleine Abst√§nde genau zu messen. Dasselbe Feingef√ľhl von Auge und Griff sind verlangt f√ľr das Anvisieren eines Sterns mit dem Fadenkreuz oder Mousseline mit einer feinen Nadel zu bearbeiten", behauptet hundert Jahre sp√§ter die amerikanische Astronomie-Professorin Maria Mitchell (1818 - 1889). Sie h√§lt Frauen f√ľr die besseren Sternengucker, weil sie "schneller die Gr√∂√üe, Form und Farbe von Objekten wahrnehmen und einen Eindruck schneller verarbeiten." Caroline wird genau das in ihrem sp√§teren Leben beweisen.
Der Vater Isaak Herschel, Oboist in einer Militärkapelle, unterweist das Töchterchen nicht nur heimlich im Geigenspiel. Er erklärt ihr - genau wie seinen Söhnen - das Phänomen der Sonnenfinsternis und in klaren Nächten "einige unserer schönsten Sternbilder, nachdem wir vorher einen Kometen beobachtet hatten." Den zwölf Jahre älteren Friedrich und den Vater beobachtet die kleine Lina "bei Versuchen zum Zwecke naturwissenschaftlicher Studien", und während sie nachts ihren astronomischen Disputen lauscht, keimt in ihr der Wunsch, selbst mehr zu lernen und wissen.
Der geliebte Vater stirbt, als die Tochter 17 Jahre alt ist. Die Br√ľder arbeiten inzwischen fast alle als Musiker in England, damals so etwas wie das Mutterland Hannovers, dessen Kurf√ľrst zugleich englischer K√∂nig war.
Caroline jedoch taugt wegen ihrer mangelnden Ausbildung nicht einmal f√ľr eine Gouvernantenstelle: "Ich vermochte den Gedanken, dass ich ein Abigail (Aschenputtel) oder Hausmagd werden sollte nicht zu ertragen." Wie verzweifelt, aber auch wie lernbegierig die Schwester ist, begreift allein Lieblingsbruder Wilhelm, der als Organist und Komponist im englischen Kurort Bath lebt. Der Bruder verspricht der Mutter so viel Geld, dass sie "an meiner Stelle eine H√ľlfe" halten kann, erinnert sich Caroline. In Bath will er die Schwester zur S√§ngerin ausbilden.
Frau Herschel z√∂gert, und die Tochter "blieb in der qu√§lendsten Ungewi√üheit, ob ich gehen d√ľrfte oder nicht, und beschlo√ü endlich, mich, soweit es in meinen Kr√§ften stand, f√ľr beide F√§lle vorzubereiten. F√ľr den ersten Fall benutzte ich jede Gelegenheit, wenn die anderen ausgegangen waren, um mit Knebeln zwischen den Z√§hnen die Solopartien aus Konzerten mit Trillern und allen Cadenzen, so wie ich sie auf der Violine hatte spielen h√∂ren, nachzusingen, und so hatte ich bereits eine ziemliche Kehlfertigkeit erworben, ehe ich noch das geringste von Singen verstand. Dann begann ich zun√§chst ein paar Pulsw√§rmer zu stricken, welche, im Falle ich daheim bliebe, mein Bruder Wilhelm haben sollte... F√ľr meine Mutter und Bruder Dietrich strickte ich so viele baumwollene Str√ľmpfe, dass sie wenigstens zwei Jahre damit ausreichten."
Schließlich sperrt sich Mutter Herschel nicht länger. Und so reist am 16. August 1772 eine mutige junge Frau mit Postkutsche und Schiff in eine ungewisse Zukunft. Doch Caroline ist "voll des regsten Eifers zu lernen und zu arbeiten", ein Eifer, "der nicht erkaltete". Und aus den geplanten zwei Probejahren werden 50 Jahre in der Fremde werden.
Zun√§chst lernt sie Englisch und Haushaltsf√ľhrung. Sie verwaltet das ganze Geld und tr√§umt "von nichts als dem Bankrott". Aus dem Hausm√§dchen wird langsam die Dame des Hauses, die organisiert und Dienstboten befehligt. Sie bildet sich als S√§ngerin weiter und tritt erfolgreich in Oratorien auf. Es ist ein Geben und Nehmen zwischen ihr und Wilhelm, der sie das griechische Alphabet lehrt und in Arithmetik und in Geometrie unterrichtet, in dem er sie zum Beispiel die Winkel eines Puddingst√ľckes abfragt.
Wilhelms Hobby, die Astronomie wird zunehmend auch ihre Passion. Sie reden sich die K√∂pfe hei√ü √ľber Sterne, Planeten und Teleskope. Der Bruder entwirft Ger√§te mit damals sensationeller 2.000-bis 6.000facher Vergr√∂√üerung, durch die Caroline zum ersten Mal Mondkrater sieht. Immer mehr Handwerker bev√∂lkern das Herschelhaus, dessen R√§ume zu Werkst√§tten werden. Dort werden Teleskope gebaut und montiert. Die aus Metall gegossenen Spiegel m√ľssen zuvor stundenlang poliert werden. W√§hrenddessen schiebt Caroline ihrem Bruder "die Speisen bissenweise in den Mund, um ihn am Leben zu erhalten. Auch bei den Mahlzeiten war er fast immer besch√§ftigt. Gew√∂hnlich mu√üte ich ihm vorlesen, w√§hrend er an der Drehbank sa√ü oder Spiegel polierte, z. B. den Don Quichote... und ihm den Thee und das Abendbrot servieren, ohne dass er die Arbeit, mit der er gerade besch√§ftigt war, unterbrach."
Nachts assistiert sie bei seinen Himmelsbeobachtungen und lernt mit der Zeit selbst, Doppelsterne, Fixterne und Nebel, diese aus Gas- und Staubwolken geformten gl√ľhenden Wolken, zu unterscheiden. Wilhelm, der am Teleskop sitzt, ruft ihr die Koordinaten der Himmelsk√∂rper zu, sie rennt "wie ein Blitz", um alles schnell niederzuschreiben, die Reinschrift fertigt sie am n√§chsten Tag. Caroline entwirft auch die n√§chtlichen Beobachtungspl√§ne und bringt am Ende alle Daten, f√ľr die sie zus√§tzliche Berechnungen anstellt, in eine systematische Ordnung.
Das Ausloten des Weltalls, damals Schwerpunkt der Astronomie, ist eine Flei√üarbeit, und es begeistert Caroline, in diese ferne Welten vorzudringen. Die gemeinsame, systematische Durchmusterung des Himmels lohnt sich. Am 13. M√§rz 1781 gelingt Friedrich Wilhelm Herschel die sensationelle Entdeckung eines neuen Planeten, der auf einen Schlag die zu jener Zeit bekannten Ausma√üe unseres Sonnensystems um das Achtfache erweitert! Der Uranus macht Wilhelm weltber√ľhmt, fortan widmet er sich nur noch der Astronomie. Auch Caroline verzichtet endg√ľltig auf eine Gesangskarriere und wird hauptberuflich Sternenguckerin.
In ihren Memoiren kein Wort dar√ľber, ob sie je von der Entscheidung Ehe oder Beruf, Kinder oder Karriere gestanden hat. Der "Liebesdienst am Bruder" ist in dieser Zeit verlockender als eine intellektuell beschr√§nkende Ehe, die f√ľr eine Frau nicht selten zehn bis f√ľnfzehn Schwangerschaften bedeutete, und an deren Ende oft die totale Ersch√∂pfung oder gar der Tod im Kindbett stand. Diesen (Todes-)Fallen entgeht Caroline durch Ehelosigkeit. Das macht sie verf√ľgbar f√ľr den Bruder, aber auch selbstst√§ndiger und ges√ľnder, als sie es als Ehefrau je h√§tte sein k√∂nnen. Sie genie√üt dieses t√§tige Leben.
Von 1782 bis 1786 arbeiten Bruder und Schwester in Datchet, dann ziehen sie um nach Slough. Hier richtet sich die Forscherin Herschel auf dem Flachdach ihres Hauses eine eigene Beobachtungsstation ein. Besonders wenn der Bruder verreist ist, durchstreift sie mit ihrem Teleskop nachts das funkelnde Himmelsgefilde. Eine Kometenj√§gerin muss die Position undeutlich erkennbarer Himmelsk√∂rper wie entfernte Galaxien oder Nebelflecken genau kennen, um einen Neuank√∂mmling auszumachen. Am 2. August 1786 kann sie nach einem Tag der Zweifel triumphierend in ihr Journal notieren: "l Uhr: Das Object ist ein Komet!" Am Tag darauf meldet sie in Briefen der Fachwelt ihre Entdeckung. Zum ersten Mal tr√§gt ein Himmelsgestirn nun die Initiale C f√ľr Caroline.
Mit 37 Jahren dann erf√ľllt sich ihr gr√∂√üer Traum, vergeht ihre gr√∂√üte Angst: Als anerkannte Mitarbeiterin des zum k√∂niglichen Astronomen aufgestiegenen Bruders wird ihr "ein Gehalt von j√§hrlich f√ľnfzig Pfund" zugesprochen. Es ist "das erste Geld, das ich in meinem ganzen Leben f√ľr mich besa√ü und nach meinem Belieben verwenden konnte. Damit wurde mir ein sehr unbehagliches Gef√ľhl von der Seele genommen." Aus der Abigail ist tats√§chlich eine anerkannte Astronomin geworden! Und die √ľberarbeitet nun den ersten gro√üen und damals modernsten Sternekatalog der Neuzeit, die "Historia coelestis Britannica" von John Flamsteed. Au√üerdem herrscht in Slough schon ab dem Jahr 1786 "√§u√üerste Th√§tigkeit". Es gilt, das ber√ľhmte vierzigfu√üige Teleskop zu vollenden, f√ľr das Caroline wiederum alle Arbeiten koordiniert.
Als der f√ľnfzigj√§hrige Wilhelm Herschel 1788 eine verm√∂gende Witwe heiratet, gibt die erschreckte Schwester "meinen Posten als Haush√§lterin" auf und zieht in eine Mietwohnung. Die Geschwister entfremden sich dennoch nicht, sie bleibt seine Assistentin, Bibliothekarin und Kopistin. Nach der Geburt des Neffen John 1792 wird auch das Verh√§ltnis zur Schw√§gerin herzlicher. Wenn Familie Wilhelm Herschel verreist, f√ľhrt Caroline das G√§stebuch, betreut Sternenliebhaber, die aus der ganzen Welt anreisen, um das gro√üe Fernrohr mit seinem 13 Meter langen Tubus und einem Durchmesser von 1,5 Metern zu bestaunen, das manche das "achte Weltwunder" nennen.
Die Heirat des Bruders befreit Caroline von vielen Alltagspflichten, l√§sst mehr Zeit f√ľr eigene Beobachtungen. Mit "bewaffneten Augen" sucht sie in klaren N√§chten den Himmel ab und entdeckt in den folgenden zehn Jahren noch sieben weitere Kometen - eine unglaubliche Ausbeute! Im September 1798 wird dann ihre Bearbeitung des Flamsteed'schen Kataloges - eine gewaltige Rechenleistung ver√∂ffentlicht.
"Dass Sie es des Druckes werth halten, schmeichelt meiner Eitelkeit nicht wenig", schreibt sie an den k√∂niglichen Hofastronomen. "Sie sehen, ich gestehe zu, dass ich eitel bin, denn ich w√ľnsche durchaus keine Ausnahme von der Regel zu sein, und was w√§re eine Frau ohne Eitelkeit? Ja, was w√§re ein Mann ohne diese? Der Unterschied ist nur der, dass man sie bei den M√§nnern gew√∂hnlich Ehrgeiz nennt." Ihr Ehrgeiz erlahmt nie. Caroline Herschel lebt in den folgenden Jahren ein erf√ľlltes Leben unter und mit den Sternen, selbstbewu√üt aber auch in kluger Zur√ľckhaltung: "Ich wei√ü zu gut, wie gef√§hrlich es f√ľr eine Frau ist, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen."
Als Wilhelm Herschel nach langer Krankheit am 25. August 1822 stirbt, hinterl√§sst er seiner Schwester eine Jahresrente von 100 Pfund und sichert sie f√ľr alle Zeiten ab. Dennoch verl√§sst die verwaiste Schwester √ľberst√ľrzt England. Caroline zieht zu ihrem j√ľngsten Bruder Dietrich und dessen Familie, die in Hannover wohnen. Die Kinder in der Verwandtschaft sind "entt√§uscht, eine so kleine alte Frau in mir zu finden, was daher kommt, dass man ihnen von der Ankunft der gro√üen Tante Caroline aus England erz√§hlt hatte."
In ihrer Geburtsstadt erregt die Astronomin als "gelehrte Frau" Aufsehen. Sie erh√§lt viele Einladungen, besucht das Theater, geh√∂rt zur Gesellschaft und wird dennoch nie richtig heimisch. Neben der Freundin Beckedorff, einer treuen Haush√§lterin und der Nichte Anna Knipping bleibt der "theure Neffe" in England, inzwischen selbst ein anerkannter Astronom, ihr wichtigster Bezugspunkt. Der Briefwechsel mit John Herschel zeigt, wie sehr er die "liebe Tante" als eigenst√§ndige Forscherin sch√§tzt. Sie ist zudem eine Kollegin, die nicht m√ľde wird zu arbeiten. In ihrer klaren Handschrift verfasst sie f√ľr den Neffen einen "Nebelkatalog". Als Caroline Herschel 1828 die goldene Medaille der K√∂niglichen Astronomischen Gesellschaft in London f√ľr ihr Lebenswerk erh√§lt, lobt das "Conzilium" diese "schwierigen Reduktionen der Oerter der 2500 Nebel auf den 1. Januar 1800. So gab sie in einem √úberblick die Resultate aller Beobachtungen Sir Wilhelm Herschels √ľber diese Gegenst√§nde und brachte die astronomische Arbeit eines halben Jahrhunderts zum Abschlu√ü."
Mit 83 Jahren beginnt Caroline Herschel "eine kleine Geschichte meines Lebens" niederzuschreiben. Ohne diese Erinnerungsarbeit "w√ľrde ich mich noch mehr als das f√ľhlen, was ich bin, als ein Wesen, das zu nichts in der Welt mehr taugt". Sie kann immer schlechter sehen, am Ende ihres Lebens kaum noch "kritzeln". Etwas von der Tristesse des Greisinnenalters vermittelt das ber√ľhmte Holzschnittportr√§t Carolines aus dem Jahre 1847. "Das feine alte Gesicht" sei nicht gl√ľcklich wiedergegeben, bem√§ngelt Freundin Beckedorff, "obgleich Z√ľge, Ausdruck und Haltung sehr √§hnlich sind. Die Augen haben den m√ľden Ausdruck nur beim Sitzen zu dem Bilde angenommen, w√§hrend dieselben, wenn sie wie gew√∂hnlich in ihrem Sopha lehnt, oft in der alten Lebhaftigkeit gl√§nzen." Dann richte sie sich mit ihrem geistigen Auge noch ganze Sonnensysteme in einer Zimmerecke ein.
Nur ein Jahr sp√§ter, am 9. Januar 1848, stirbt Caroline Herschel mit fast 98 Jahren, ohne zu leiden, und fast ohne Todeskampf. Sie hat darum gebeten, "ihr eine Haarlocke von ihrem geliebten Bruder, sowie einen alten abgegriffenen Almanach, den ihr Vater benutzte, mit in den Sarg zu geben." Sie ist ihnen dankbar, aber nicht minder stolz auf die eigene Lebensleistung, die sie noch selbst f√ľr ihre Grabinschrift in folgende Worte gefasst hat: "Der Blick der Verkl√§rten war hienieden dem gestirnten Himmel zugewandt, die eigenen Kometenentdeckungen und die Theilnahme an den unsterblichen Arbeiten ihres Bruders Wilhelm Herschel zeugen davon bis in die sp√§te Nachwelt. Die K√∂niglich Irl√§ndische Akademie zu Dublin und die K√∂nigliche Astronomische Gesellschaft in London z√§hlten sie zu ihren Mitgliedern."
Der Gartenfriedhof in Hannover ist ein stiller Ort in der lauten EXPO-Stadt. Auf Grab Nummer 21 liegt eine schwere Steinplatte, die eingemei√üelten Buchstaben, bemoost und rund gewaschen von der Zeit, sind unter den hohen B√§umen schwer zu entziffern. Das Grabmal der Astronomin Herschel ragt wider Erwarten nicht hoch in den Himmel, ihr Nana-Denkmal dagegen schon. Doch Besucherinnen, die in Hannover Carolines Spuren suchen, finden am Sockel der etwa drei Meter hohen imposanten Skulptur kein Namensschild, keinen Lebenslauf. Auch die grell bunten Nachbarinnen - die schwere, runde Nana Charlotte Buff und die auf einem Bein h√ľpfende Nana Kurfurstin Sophie von Hannover ‚ÄĒ bleiben anonym, selbst in den EXPO-Kunstf√ľhrern.
Nur Insider w√ľssten ihre Namen, erkl√§rt Michael Gehrke, der 1974 inoffizieller Taufpate der drei Nanas war. Weil die √ľppigen Frauen damals als Skandal galten und als "Schweinkram" angefeindet wurden, h√§tten solche ehrw√ľrdigen Namen, laut ausgesprochen, nur noch mehr Gegner mobilisiert. F√ľnfundzwanzig Jahre sp√§ter verspricht Gehrke, der inzwischen als st√§dtischer Kommunikationsreferent arbeitet, sich der Sache erneut anzunehmen. Ein Argument leuchtet ihm besonders ein: Eine EXPO-Stadt, die eine Frauenuniversit√§t beherbergt, sollte sich heute √∂ffentlich freuen √ľber die Nanas mit den drei gro√üen Frauen-Namen und drei Frauen-Geschichten.
Also her mit den Schildern. Vielleicht steht Caroline dann vor Freude Kopf!

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Dossier Forscherinnen: Es gibt sie, die Pionierinnen! (5/08)

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