Feminist! Feminist? Beyoncé bei den MTV Video Music Awards.
Feminist! Feminist? Beyoncé bei den MTV Video Music Awards.

Debatte: Emanzen oder Schlampen?

Das Foto ging um die Welt: BeyoncĂ© Knowles auf den MTV Video Music Awards vor acht leuchtenden Buchstaben: FEMINIST. Aber meint die Queen of Pop das ernst? Oder ist das nur eine Verkaufsmasche? Ist das Motiv vielleicht egal? Und bringt uns das voran – oder wirft es uns zurĂŒck? Und was ist mit den anderen Popstars, die sich ebenso als Feministinnen outen: Miley Cyrus oder Taylor Swift zum Beispiel.

Diese Frauen wurden auch in der EMMA-Redaktionskonferenz heiß diskutiert. Das Ergebnis könnt ihr in dieser Ausgabe nachlesen: EMMA-Redakteurinnen Chantal Louis (45) und Alexandra Eul (34) haben ein Pro und Contra geschrieben.

Louis findet u.a.: „BeyoncĂ© liefert den perfekten und sexuell verfĂŒgbaren Körper. Und ihre jungen weiblichen Fans tun es dem Role Model nach. Deshalb ist BeyoncĂ© nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.“

Und Eul entgegnet: „BeyoncĂ© tut genau das, was Frauenrechtlerinnen sich wĂŒnschen: Dass einflussreiche Frauen sich vom Feminismus nicht distanzieren, damit sich noch mehr Frauen trauen. Nur ist es jetzt auch wieder nicht recht.“

Beide Kommentare in der November/Dezember EMMA 2014 lesen. Und natĂŒrlich wollen wir wissen: Was sagt ihr denn dazu? 

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Kommentare

es ist einfach egal. Ich bin alles andere als ein Fan von Beyonce und dieses "das eine sagen", aber sich weiterhin massenkompatibel sexualisiert prĂ€sentieren fĂŒr eine Branche, in der MĂ€nner an dir verdienen und dich objektifizeren ist echt mehr als mau. Wenn sie sagt, sie ist Feministin, dann will ich ihr aber auch nich absprechen, dass sie es so empfindet, ich bin nicht die Feminismuspolizei. Mich stört aber die Definition des Feminismusbegriffs, dieses equality-Ding. Feminismus ist fĂŒr mich die Abschaffung des Patriarchats und dazu gehört fĂŒr mich auch der Kapitalismus, der Frauenkörper weltweit in jeder Hinsicht ausbeutet. Deshalb nĂŒtzen ein paar nette equality-Gesetze nach libfem-Manier einfach nix. Genauso wenig wie dieses individualistische "my choice fuck yeah"-Geschreie, egal ob fĂŒr Prostitution, Strippen, Leihmutterschaft whatever.

dass der Feminismusbegriff nun auch mal bei Frauen ankommt, die sonst nix damit am Hut gehabt hĂ€tten. Wir Feministinnen leben grĂ¶ĂŸtenteils in ner ziemlichen Seifenblase, die mit dem Großteil der Frauenwelt (nichtweiß, nichtstudierend, nichtmittelstand) nix zu tun hat und der sich vielleicht eher angesprochen fĂŒhlt von Beyonces "Einstiegs-Lightfeminismus" als von Gender Studies-Femi-Blogs oder Radfem-Zeitschriften oder whatever. Da muss man mal ein bißchen vom hohen Ross steigen und einsehen, dass man sehr viele Zielgruppen NICHT erreicht, die wiederum eher Zugang zur Popkultur haben.

... begrĂŒĂŸe ich es, dass nun endlich auch "feministische" Stars wie Beyonce sich zumindest schon mal der Kleiderordnung des Patriarchats untwerfen und den Blick freigeben, fĂŒr die MĂ€nner. Na also, geht doch ..... warum können nicht auch die anderen Feministinnen den Rock kĂŒrzer machen? (wie das allerdings den Feminismus effektiv voranbringen soll, ist mir ein einziges RĂ€tsel)

Profilfoto von Bombus

...aber ich habe das GefĂŒhl, dass gerade amerikanische KĂŒnstler dieses "schlampige" als Befreiung empfinden, weil in Amerika "sexy UND selbstbewusst" noch als skandalös gilt - nach dem Motto "Oh nein, der weibliche, verfĂŒhrerische Körper, das ist böse! Weibliche SexualitĂ€t ist des Teufels!" Wie gesagt, ist nur mein persönlicher Eindruck. Auch wenn ich zum Thema "sexy PrĂ€sentation" auf mich bezogen eine andere Einstellung habe - ich kann verstehen, dass es Frauen gibt, die es als befreiend empfinden, diese "Scham" abzustreifen und zu zeigen, dass sie sich ihres Körpers bewusst sind, gerne damit kokettieren und beim Thema SexualitĂ€t nicht nur Spaß haben, sondern auch noch aktiv und laut sagen "Ich will, ich begehre, ich verfĂŒhre, ich entscheide!"

Liebe Bambi,
sehe ich genauso! Jedoch gefĂ€llt mir die Überschrift nicht. Diese erinnert mich an die patriarchalen Dichotomien "Heilige" und "Hure". Und wer oder was ist bitte eine "Schlampe"??

Profilfoto von Bombus

Diesen Aspekt, dass man Feminismus durch Stars wie BeyoncĂ© oder Emma Watson in die Mitte der Gesellschaft bringt und es aus der gefĂŒhlten Kellerecke der "haarigen HippiebrĂ€uten ohne Mann" herausholt, finde ich gar nicht mal so unwichtig. Feminismus hat ja selbst unter vielen Akademikern, die sich bewusst nie damit beschĂ€ftigt haben, immer noch den Beigeschmack von "Spaßverderbern und MĂ€nnerhassern". Ich kenne so viele Frauen, die sagen "Ich bin ja keine Feministin, aber....[fĂŒge hier feministische Sichtweise deiner Wahl ein]." Insofern genieße ich es in meinem stillen, diabolischen KĂ€mmerlein ein wenig, wie die normalen Leute vollkommen verwirrt vor der Glotze sitzen, diese selbstbewusste, schöne Frau da sehen, dieses beĂ€ngstigende, böse F-Wort lesen und nicht wissen, was sie nun zu denken haben. Vielleicht bringt es ja den einen oder die anderen zum diskutieren oder nachdenken oder nimmt Feminismus so das Stigma des Schreckens.

die Überschrift hab ich komplett vergessen einzubeziehen. Ja, find ich absolut unmöglich. Die Bezeichnung "Schlampe" kann ich nicht mehr hören!! Der Begriff muss aussterben!

generell find ich ja, dass Feministinnen keine Bringschuld gegenĂŒber Arschlöchern haben, zu zeigen, dass sie "sexy" sein können. Es ist ja eher das Problem anderer Leute, wenn die denken, Feministinnen seien denktechnisch und optisch alle komplett homogen. Was ich aber gut finde, ist, dass so vielleicht andere Frauen sehen, es gibt nicht DEN feministischen Einheitslook und ich muss nicht so und so aussehen, um mich Feministin nennen zu dĂŒrfen. Auf einem anderen Blatt steht, dass man das System kritisieren kann, dass Frauen alle rasiert, geschminkt, zurechtgemacht sein mĂŒssen. Das richtet sich aber nicht persönlich gegen Individuen. Die Rasurdiskussion (greife ich als Bsp heraus) find ich extrem gut, wenn sie in die Richtung geht "Es gibt Riesendruck, und wir wachsen so auf, dass wir haarlos bis zum Äußersten sein mĂŒssen", mĂŒllig find ich, plakative Begriffe wie "Kindermumus" zu verwenden oder Fans glattrasierter Vulven latente PĂ€dophilie zu unterstellen.

lasst uns Systemkritik draus machen und nicht auf einzelnen Frauen rumhacken, egal ob Promis oder in unserer Umgebung, die ihr Leben lang damit beduselt wurden, dass sich ihr Wert danach richtet, wieviele MĂ€nner auf sie masturbieren können. Ich bin mehr als herzlich gerne damit einverstanden, dass wir drĂŒber reden, wieso sich Frauen die NĂ€gel lackieren, tiefe Ausschnitte tragen, mit ihren Reizen kokettieren und sooo sooo vieles mehr. Ich bin nicht damit einverstanden, dass wer auf mich zukommt und mir Feminismus abspricht, weil ich alle genannten Dinge tue. Deshalb stört mich, wenn feministische Diskussionen sich zu sehr an Individuen aufhĂ€ngen. Beyonce ist nicht das Problem, Miley auch nicht, sie sind Symptome einer mĂ€nnergeifernden Gesellschaft, die wir dekonstruieren mĂŒssen.

Ich habe nur eine kurze Frage: warum ist eigentlich ein Problem ein "Spaßverderber und MĂ€nnerhasser" zu sein? Es wird immer gerne als Beleidigung verwendet, aber ich persönlich sehe nicht ein, warum das ein Problem sein soll.

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