Filmstart: Fräulein Julie

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In der Nacht der nördlichen Mittsommerwende, in der einmal im Jahr jenseits von Klassengrenzen zügellos gefeiert wird, entwickelt sich zwischen der Adligen Julie und dem Kammerdiener John ein todernstes Spiel aus Verführung, Aggression, Dominanz, Verachtung und Sehnsucht, das in einer Katastrophe endet. Das liebesbedürftige Schlossfräulein und der nach höherem strebende Diener nähern sich in der Nacht bis zum Liebesakt an und sind doch danach durch Klassen- und Geschlechtsunterschiede getrennter denn je. 

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Johns Verlobte, die Köchin Kathleen (Samantha Morton), die sich mit ihrem Schicksal als Untergebene abgefunden hat, verkörpert die moralische Instanz. Die drei grandiosen SchauspielerInnen agieren mit einer unglaublichen Wucht, die vom verhaltenen Anfang bis zum rasenden Ende eine stete Spannungssteigerung herstellt. Vor allem gelingt es Ullmann, den sonst als eher groben Machotyp angelegten Kammerdiener als facettenreiche, auch anrührende und dadurch viel interessantere Figur auszuleuchten.

Das große Thema: Un- verständnis zwischen den Geschlechtern

Auch die ruhige Kameraführung, die Detailaufnahmen und das Licht als Stimmungsakteure mit einbaut, trägt dazu bei, dass sich in diesen geschlossenen Räumen die ganze Welt der in sich gefangenen Personen entfaltet. Die immer mal wieder unterlegte klassische Musik ist da eher störend, denn die Präsenz der Stimmen und die Körpersprache der Personen sind intensiv und überzeugend für sich. Für meinen Geschmack ist der Film etwas zu lang, doch im Interview erklärt die Regisseurin, dass ihr das Zeigen des Endes wichtig war.

In ihrem vierten Film seit den 90er Jahren hat sich die Regisseurin Liv Ullmann, die durch ihre Hauptrollen in Bergmann Filmen berühmt wurde, August Strindbergs seit 1888 oft gespieltes, mehrfach verfilmtes Skandalstück vorgenommen. Und wieder geht es um das große Thema des Unverständnisses zwischen den Geschlechtern. Der Film wurde nach Irland verlegt, der Sprache der Schauspieler wegen, und im Schloss und angrenzendem Park als einziger Location gedreht. Nach Ullmanns Aussagen wurde wohl weitgehend chronologisch gefilmt, um die Steigerung der Emotionen, die die meist frei agierenden SchauspielerInnen aufgebaut haben, bis zum bitteren Ende zu nutzen.

Franziska Becker

Ab jetzt im Kino: Fräulein Julie. Zum Trailer

 

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Filmemacherinnen: Action!

Die französische Kamerafrau Sophie Maintigneux.
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„Wie haben Sie das gemacht?“ Diese Frage richtete einst der französische Regisseur Francois Truffaut an sein Vorbild Alfred Hitchcock. Und jetzt richten deutsche Filmemacherinnen sie an sich selbst: Wie haben wir das gemacht?

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Es antworten Regisseurinnen und Produzentinnen, Schauspielerinnen und Kamerafrauen; von der Aufbruch-Generation einer Margarete von Trotta oder Helke Sander bis hin zu den inzwischen schon zwei Folgegenerationen. Unter den Schauspielerinnen fallen vor allem die noch in der DDR Geborenen wie Fritzi Haberlandt durch selbstbewusstes Frauenbewusstsein auf.

Fakten und Zahlen nennt die in Köln lehrende französische Kamerafrau Sophie Maintigneux (Foto): 25 % aller Filme werden heute von einer Frau gemacht, aber nur 20 % der Filmförderungen gehen an Frauen. Filmemacherinnen sind leider spezialisiert auf Low-Budget-Produktionen, und das nicht freiwillig.

Darum forderten jetzt 230 Regisseurinnen eine ProQuoteRegie. Bei Filmproduktionen, die mit öffentlichen Mitteln gefördert werden, sollen bis 2017 (statt 15 Prozent wie heute) 30 Prozent aller Regieaufträge an Frauen gehen, und bis 2014 50 Prozent.

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ProQuote Regie
Frauen machen Filme
"Wie haben Sie das gemacht? - Aufzeichnungen zu Frauen und Filmen“, hrsg. von Claudia Lenssen und Bettina Schoeller-Boujo, 498 Seiten (Schüren-Verlag, 29.90 €), sowie 2 DVDS (absolut Medien, je 13.99 €).

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