Ich klage an!

Ich bin im Sommer 1973 nach Berlin gekommen. Meine Eltern hatten sich ein paar Jahre davor scheiden lassen. Auch ich kam mit meiner Mutter nicht mehr klar. Und da mein Vater mir anbot, zu ihm nach Berlin zu kommen, willigte ich ein. Meine Mutter war damit einverstanden. So zog ich im Sommer 73 nach Berlin. Mein Vater hatte zu der Zeit 'ne Freundin. Die hatte auch noch 'ne Tochter, die war aber noch im Heim. Die erste Zeit lief alles ganz gut. Erst nachdem sich mein Vater von meiner Stiefmutter hatte scheiden lassen, fing es allm├Ąhlich an.

Wir beide wohnten zusammen. Ich schlief immer bei ihm im gro├čen Ehebett, weil ich ja an nischt Schlimmes dachte. Auf jeden Fall lagen wir abends im Bett. Er kraulte mir so'n bisschen den R├╝cken. Ich machte das bei ihm auch immer, is ja auch nischt Schlimmes, oder?

Dann wollte er mir den Bauch kraulen. Als er mir dann aber ├╝ber meine Brust strich (ich war damals elf und meine Brust fing langsam an zu wachsen) wurde es mir ein bisschen zu kriminell. Er sagte auch noch, ick solle meine Unterhose ausziehen, was ich aber nich tat. Als er dann aber noch sagte, ich soll ihm am Schwanz kraulen, war es ja ganz aus. Ick fing an zu heulen und sagte, ich sei sehr entt├Ąuscht von ihm. Er lie├č mich dann in Ruhe.

Etliche Monate sp├Ąter zog er dann wieder mit seiner Geschiedenen, also meiner Stiefmutter, zusammen. Mir war das erst gar nicht recht, aber ich fand mich dann doch mit dem Gedanken ab und kam dann sogar ganz gut mit ihr aus. Er fing dann an zu saufen. Das Richtige fing 1976 an. Er war, kann man sagen, jeden Tag besoffen oder zumindest angesoffen.

Eine Nacht kam er zu mir ins Zimmer und war stockbesoffen. Es gab zwei Schl├╝ssel f├╝r mein Zimmer. Den einen hatte ich und den anderen entweder meine Stiefmutter oder er hing in der K├╝che am Schl├╝sselbrett. Au├čerdem war mein Zimmer auf der anderen Seite vom Flur. Auf jeden Fall kam er voll wie ne Haubitze in mein Zimmer. Ich wurde wach und fragte ihn, was er in meinem Zimmer wolle. Er sagte, er will mit mir quatschen. Wir rauchten erst eine Zigarette und dann meinte er, er will bei mir schlafen.

Meine Stiefschwester und ich hatten ein Etagenbett. Meine Stiefschwester schlief oben und ich schlief unten. Er legte sich dann neben mich ins Bett und tat so, als ob er schl├Ąft. Ich schlief dann auch bald ein.

Als ich eingeschlafen war merkte ich pl├Âtzlich, dass er anfing mich anzutatschen. Zuerst oben an der Brust. Ich wurde wach und fragte ihn, was das soll, doch er sagte nur ich soll mein Maul halten. Und er machte weiter. Das war ein ganz sch├Âner Schock f├╝r mich. Dann wollte er mir in die Hose und versuchte, mich mit dem Finger zu entjungfern. Ich presste aber meine Beine so zusammen, dass er nich rankam. Ich bat ihn aufzuh├Âren aber das scherte ihn nicht.

Ich fing an zu heulen. Er schlug mich ein paar Mal hintereinander mit der flachen Hand ins Gesicht. Da bekam ich Angst. Als er merkte, dass er mich soweit hatte, ging es los. Er ging mir zwar nicht mehr in die Hose, aber er sagte, ich solle ihm einen wichsen. Ich sagte zu ihm, ich mache das nicht. Er drohte mir an, wenn ich das nich mache, dann krieg ich noch mehr Dresche. Also machte ich es. Dann verlangte er auch noch, ich solle seinen Penis in den Mund nehmen. Ich weigerte mich erst, als er mir aber wieder drohte, tat ich es doch. Ich empfand es als sehr ekelhaft.

Das alles fing so ungef├Ąhr 1976 im Oktober an. Und es ging bis zum Sommer 77. Es passierte immer, wenn meine Stiefmutter nich da war.
Ein anderes Mal zum Beispiel kam er sternhagelblau nach Hause. Meine Stiefmutter war noch auf Arbeit. Er verlangte von mir ich sollte ihm wie ├╝blich einen blasen und ihm einen wichsen und all diese Sachen. Pl├Âtzlich sagte er, ich soll mich ausziehen, er will ein paar Nacktfotos von mir machen. Ich zog mich also aus und er verlangte, ich soll mir 'ne Rose oder so was zwischen de Beine klemmen. Gut, ich hab es gemacht und er hat geknipst. Dann sagte er, er will mich knipsen, gerade wo ich ihm einen blase.

Das alles war mir ganz sch├Ân peinlich und ich sagte ihm ich h├Ątte Angst, dass meine Stiefmutter die Bilder in die H├Ąnde kriegt. Obwohl ich mir damals einerseits gew├╝nscht hab, sie kriegt die Fotos in die Finger, damit das alles ein Ende hat. Ich hab mich aber ooch nie getraut irgendjemand davon zu erz├Ąhlen, weil er mir gedroht hat, wenn ich irgendjemandem davon erz├Ąhle, schl├Ągt er mich tot.

Auf jeden Fall rief dann meine Stiefmutter an, ich solle an der Bushaltestelle etwas abholen, weil sie noch einkaufen wollte. Ich wollte gehen, aber mein Vater sagte, ich soll ihm noch einen wichsen. Er war an diesem Tag so schlimm, ich dachte schon der kriegt ├╝berhaupt nich mehr genug.

Ich war gerade am Anziehen, als ich h├Ârte, dass die Wohnungst├╝r aufgeschlossen wird. Mein Vater h├╝pfte schnell ins Schlafzimmerbett, das genau neben dem Wohnzimmer war. Pl├Âtzlich stand meine Stiefmutter im Wohnzimmer und fragte, was hier los sei. Ich sagte ihr in meiner Angst, ich h├Ątte gebadet. Das glaubte sie mir nat├╝rlich nicht. Ich habe heute das Gef├╝hl sie dachte, ich h├Ątte mit meinem Vater geschlafen. Sie ging dann ins Schlafzimmer, wo mein Vater so tat, als ob er schl├Ąft. Sie dachte sich nat├╝rlich, dass er nicht schl├Ąft und sagte, er soll nicht so tun, sie wisse, dass er nich schl├Ąft. Dann stand er auf und tat so, als ob er von nichts wei├č.

Meine Stiefmutter ging dann einkaufen und ich sollte meine beiden Stiefgeschwister abholen. Ich ging los und als ich auf dem R├╝ckweg war, begegnete ich wieder meiner Stiefmutter, die gerade einkaufen gehen wollte. Sie fragte mich noch mal, was nun wirklich losgewesen sei. Ich sagte ihr, ich h├Ątte nich mit ihm geschlafen und es sei alles nich meine Schuld. Sie sagte dann, wir quatschen am Abend noch mal in aller Ruhe dar├╝ber.

Als ich mit den beiden Kleinen nach Hause kam, war mein Vater nich da. Meine Stiefschwester ging raus spielen und ich gab meinem kleinen Bruder die Flasche und legte ihn trocken. In diesem Moment kam mein Vater wieder, er war in der Kneipe gewesen. Er sagte ich soll r├╝ber in mein Zimmer gehen und soll meinen Bruder mitnehmen, er k├Ąme auch gleich. Also ging ich r├╝ber auf mein Zimmer und nahm meinen kleinen Bruder mit. Ich spielte erst mit ihm und da kam auch schon mein Vater. Er legte sich auf mein Bett und sagte ich soll meinen Bruder auf dem Boden krabbeln lassen und soll ihm wieder "einen wichsen". Ich legte mich neben ihn und tat es. Dann wollte er mir wieder in die Hose gehen. Ich wehrte mich dagegen und er wurde unheimlich sauer.

Ich fing auch an zu heulen und sagte er soll es bitte nicht tun. Daraufhin schlug er mich nur. Ich war so verzweifelt und hatte Angst. Ich suchte krampfhaft nach einer Ausrede, das ich r├╝ber in die Wohnung gehen kann. Da fing mein Bruder an zu heulen und mein Vater sagte, ich soll ihn r├╝ber ins Bett legen. Ich soll mich aber ja beeilen. So brachte ich meinen Bruder r├╝ber. Ich schmiss ihn ins Bett und hechtete zum Telefon, denn meine Stiefmutter war schon so lange weg, dass ich mir dachte, sie ist vielleicht bei ihrer Schwester auf der Arbeit. Ich rief dort an und meine Tante sagte mir, meine Stiefmutter sei schon auf dem Wege nach Hause.

Als ich aufgelegt hatte und gerade wieder r├╝ber in mein Zimmer gehen wollte, kam sie. Mein Vater kam aus meinem Zimmer und ging gleich wieder in die Kneipe. Als er abends nach Hause kam, war er wieder so besoffen, dass er sich gleich hinlegte und einschlief.

Meine Stiefmutter und ich, wir setzten uns dann in die K├╝che und ich erz├Ąhlte ihr alles. Sie war zutiefst ersch├╝ttert und w├╝tend auf meinen Vater. Sie hatte nie was geahnt. Wir machten erst aus, ich soll zu meiner Mutter nach Westdeutschland. Oder ich soll mit ihr irgendwo in eine Wohnung ziehen.Ein paar Tage sp├Ąter rief ich meine Mutter in Westdeutschland an. Sie sagte aber, sie k├Ânne mich noch nicht nehmen, weil sie gerade am Umziehen sei. Eine Woche sp├Ąter zogen meine Stiefmutter, mein Stiefbruder und ich in das Berliner Frauenhaus. Das ist ein Haus f├╝r misshandelte Frauen.

Als ich meinen Vater auf der Stra├če mal zuf├Ąllig traf, w├Ąhrend ich schon im Frauenhaus wohnte, drohte er, wenn ich was sage, schl├Ągt er mich krankenhausreif. Ich wollte erst keine Anzeige machen, aber die Betreuerinnen aus dem Frauenhaus meinten, es ist besser wenn ich eine mache. Am 24. Februar 1978 fand dann der Prozess statt. Mein Vater bekam zwei Jahre ohne Bew├Ąhrung.

Petra, 14 Jahre

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