Islamismus: Wacht der Westen jetzt auf?

Als EMMA begann, vor den islamischen Fundamentalisten zu warnen, haben fast alle abgewunken - und so manche bezichtigten EMMA gar des "Rassismus". Das war 1979, als Alice Schwarzer wenige Wochen nach der Machtergreifung von Khomeini in Teheran war. Als sie zur├╝ckkam, berichtete sie voller Entsetzen dar├╝ber, dass die neuen Herren des Iran einen "Gottesstaat" errichteten, in dem Dieben die Hand abgehackt und (angeblich) untreue Ehefrauen gesteinigt w├╝rden. Und: Dass die verschleierten K├Ąmpferinnen Khomeinis wohl kaum Macht in dem neuen Staat bekommen, sondern um diese betrogen w├╝rden. So kam es. Und noch viel schlimmer.

Ideologisch befeuert von Iran und finanziert von Saudi-Arabien

Seither traten die "Gotteskrieger" des Islam ihren Siegeszug durch die Welt an, ideologisch befeuert von Iran und finanziert von Saudi-Arabien. In den 90er Jahren waren sie angekommen in den Metropolen Westeuropas.

1993 titelte EMMA zum "Fundamentalismus" und warnte eindringlich vor den mitten unter uns agitierenden Islamisten. Reaktion: Wohlmeinende Islam-FreundInnen verw├╝steten in der EMMA-Redaktion die Computer.

Inzwischen galt Deutschland Kennern als europ├Ąische "Drehscheibe des islamischen Terrorismus". Jeder dritte junge Muslim sympathisierte mit der Einf├╝hrung der Scharia. Und Vertreter der mit den Islamisten sympathisierenden Verb├Ąnde sa├čen in jeder Talkshow. Unwidersprochen.

2002 ver├Âffentlichte Alice Schwarzer den KiWi-Band "Die Gotteskrieger und die falsche Toleranz". Darin analysierten ExpertInnen nicht nur die Lage in Deutschland inklusive Kopftuchdebatte (gesteuert von Islamverb├Ąnden!), sondern auch die alarmierende Entwicklung im Ausland: die "Talibanisierung Asiens", das "Einfallstor Balkan", die "Islamisierung Tschetscheniens" (wo 1994 die Scharia eingef├╝hrt wurde!) und das Grauen in Algerien. Da hatten die so genannten "Afghanen", S├Âldner, die vom Krieg in Afghanistan gegen die sowjetischen Besatzer zur├╝ck gekehrt waren, in Algerien einen B├╝rgerkrieg angezettelt, der in den 1990er Jahren 200.000 Tote kostete. Und die Welt sah weg.

Diese "Afghanen" hatten dieselben Methoden wie heute der "Islamische Staat" (IS). Sie mordeten blindw├╝tig "Ungl├Ąubige" und entf├╝hrten M├Ądchen und Frauen, um sie zu Sexsklavinnen zu machen. Einmal schwanger, wurden die Frauen als unbrauchbar ermordet.

Genau so w├╝ten heute die "Gotteskrieger" im Norden von Syrien und Irak. Der Sturz bzw. die Schw├Ąchung weltlicher Herrscher - wie einst Saddam Hussein im Irak und heute Baschar al-Assad in Syrien - schaffte ein Machtvakuum, in das die islamistischen Terroristen stie├čen. Und pl├Âtzlich wacht die westliche Welt auf. Denn jetzt geht es auch um die Ermordung von Menschen aus dem Westen. Und um die Ersch├╝tterung, ja den drohenden Fall des ganzen Nahen Osten.

Endlich eine kritische Debatte in Deutschland

Auch in Deutschland scheint endlich eine ernsthaft kritische Debatte ├╝ber den Missbrauch des Islam als politische Machtstrategie zu beginnen. Die Unterscheidung zwischen dem Islam (als Glauben) und dem Islamismus (als politische Strategie) ist auch hierzulande ├╝berf├Ąllig. Denn in Wahrheit sympathisiert die Mehrheit der MuslimInnen in Deutschland (und ebenso in der Schweiz und in ├ľsterreich) bis heute nicht mit den Islamisten, sondern wird sogar von ihnen bedroht. Nicht immer offen. Hierzulande kommen diese W├Âlfe gerne im Schafspelz daher. Und die Medien haben lange zu diesem gef├Ąhrlichen Amalgam von Islam und Islamismus beigetragen.

Doch die Realit├Ąt ist: 7 von 10 Musliminnen in Deutschland haben noch nie ein Kopftuch getragen (laut Studie des Innenministeriums)! Ihnen vor allem, den kritischen, demokratischen Musliminnen, gab Alice Schwarzer in dem 2010 von ihr herausgegebenen Buch "Die gro├če Verschleierung" eine Stimme. Ihnen geh├Ârt unsere Solidarit├Ąt!

Mehr zum Thema
Alice Schwarzer bei Maischberger: "Angst vor Gotteskriegern: Bedroht dieser Islam auch uns?" - In der ARD-Mediathek und am 30.8., 23.35 Uhr auf 3sat (Wdh. vom 26.8.)

Werbung