Meine Geschichte

Islamismus-Kritik trotz Gegenwind

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Liebe Emmas! Gerade musste ich (als Gleichstellungsbeauftragte tätig) persönlich die Erfahrung machen, dass feministische, islam-kritische Stimmen im Kontext der Flüchtlingssituation und besonders der Frauen „mundtot“ gemacht werden. Ich empfinde das als sehr bedenklich!  

Auch fundierte Kritik wird schnell unterdrückt

Etwas Gutes aber hat die ganze Diskussion über Islam, Islamismus und die AfD: Es wird wieder ansatzweise reflektiert, welche Errungenschaften die Arbeit für Gleichstellung und Gleichberechtigung in den letzten 100 Jahren für uns Frauen in den westlichen Ländern – und hier fokussiert Deutschland – gebracht hat!

Es sprechen auf einmal Menschen darüber, die mit dem Thema Frauenrechte zuvor überhaupt nichts am Hut hatten oder es sogar vehement abgelehnt haben. Nun, ­anlassbedingt durch die Übergriffe Silvester und die daraus resultierende Erkenntnis, dass sich das Frauenbild der vielen neu ins Land gekommenen muslimischen Männer doch komplett von dem unsrigen unterscheidet, wird viel darüber gesprochen. Wir sehen, dass im Islam, so wie er von sehr vielen Menschen im Alltag gelebt wird, Mädchen und Frauen von den Freiheiten, die für uns mittlerweile selbstverständlich sind, weit entfernt sind. Und dass diese große Diskrepanz viel Konfliktpotential birgt. 

Frauen (und Männer), die sich für Gleichberechtigung und Gleichstellung einsetzen, wissen um den steinigen Weg und die vielen negativen Reaktionen auf ihre Arbeit. Ich selbst bin seit über 30 Jahren aktiv und habe die unterschiedlichsten Reaktionen auf frauenrechtliche Themen erleben können.

Gerade in der Woche rund um den Frauentag gab es prägnante Erlebnisse, die mir gezeigt haben, dass wir sehr aufpassen müssen, Erreichtes nicht zu zerstören, da sonst parallele Realitäten für Frauen entstehen.

Die Frauen in den Flüchtlings-
heimen sind sprachlos

Ich war in einer Winsener Facebook-Gruppe aktiv, die sich explizit die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Themen auf die Fahne geschrieben hatte. Dort ging es natürlich auch um die Situation und den Umgang mit den vielen, aus unterschiedlichen Gründen zu uns geflohenen, Menschen, die aufgrund ihrer anderen Kultur, Religion, Sozialisation und Erziehung das beschriebene divergente Frauenbild haben, und zum Teil hier entsprechend auftreten. Darüber entspann sich auch die Diskussion um die Rolle der Frau im Islam. 

Wie viele andere auch habe ich auf die ­Zusammenhänge zwischen dem im Islam vermittelten Frauenbild und den auch schon aus dem Arabischen Frühling bei den Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz ­bekannten sexuellen Übergriffen auf Frauen als bewusste, konzertierte Gewalt gegen Frauen in der Öffentlichkeit verwiesen. Und zwar weit vor der Silvesternacht. 

Besonders ein muslimischer junger Mann in dieser Gruppe fühlte sich „in seiner Ehre“ gekränkt, und sah „seine Religion, den Islam, schlecht dargestellt“. Seine Religion sei „beschmutzt worden“, schrieb er auf Facebook, dabei sei die doch „die wahre Religion“; wir hier „würden schon sehen, zwei Jahrzehnte weiter hätten sie, die Muslime, in Deutschland die Oberhand, sie würden sich schon ausbreiten, alle anderen wären dann in der Minderheit“ usw. Und auch „er habe einen deutschen Pass, ihm könne nichts passieren“ oder „Wir würden uns vor Allah rechtfertigen müssen“. 

Sehr bedenklich ist, dass fundierte Kritik am Islam, die sich auf das Verständnis von Frauenrechten, Freiheit und Demokratie bezieht, sofort massiv bekämpft und unterdrückt wird. Der junge Muslim war auch nicht der einzige. Ich habe schon zuvor mehrmals erleben müssen, dass ich als „genauso ätzend wie Alice Schwarzer“, „Scheiß-Frauenrechtlerin“ u.ä. beschimpft wurde.

Wir dürfen Erreichtes nicht zerstören

Viele der Auseinandersetzungen Alice Schwarzers in den unterschiedlichen Bereichen habe ich mit Respekt verfolgt und mich immer gefragt, wie sie sich als Mensch, als Frau bei den vielen Angriffen gegen sie fühlen muss. Ansatzweise kann ich es nachempfinden. Es ist nicht schön. Umso wichtiger ist daher die weitere, ­unermüdliche Aufklärung auf vielen ­verschiedenen Ebenen, um erreichte Erfolge zu stabilisieren und weitere Ziele ­umzusetzen. 

Geflüchtete Frauen erfahren auf der Flucht und hier in den Unterbringungen keinen angemessenen Schutz; zudem ist es ihnen qua Erziehung meist verwehrt, über Erfahrenes zu sprechen. Hinzu kommen Sprachprobleme, zu wenige und zumeist männliche Dolmetscher. Eine Frau wird einem fremden Mann nicht ihre Gewalterfahrungen mitteilen, zumal wenn er aus dem eigenen Kulturkreis kommt und sie somit auch noch „Nestbeschmutzerin“ ist. Es passiert auch, dass Frauen ihre Vergewaltiger in den Unterkünften wieder treffen. 

Es ist noch ein langer Weg, doch er ist machbar! Ich mache weiter!

Astrid Manthey

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