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Julia Steels: Echte Seefahrerin

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Wir entdeckten sie auf unserer letzten LeserInnenbriefseite. Da lobte EMMA-Leserin Julia Steels unseren Text über historische Seefahrerinnen. Aber: „Ich fände auch Frauen in der Seefahrt heute ein tolles Thema, als Role Model. Noch viel zu wenige Frauen arbeiten aktuell an Bord.“ EMMA ließ sich nicht lange bitten. Hier ist eine Frau in der Seefahrt heute: 

„Frauen haben im Maschinenraum nichts verloren!“, blaffte der Leiter der Maschinenanlage sie in den 2000ern an. Denkbar schlecht, wenn ein Mensch eine Ausbildung in Nautik und Schiffsmaschinentechnik startet. Grund: Der Mensch hatte das falsche Geschlecht. Julia Steels konnte ihren Ausbilder dann doch überzeugen, erhielt Zutritt zum Maschinenraum und wurde eine der ersten Frauen an der Maschine unter Deck – in leitender Position. Zur Krönung ihrer Ausbildung sorgte sie in New Orleans für eine sichere Fahrt über den Mississippi.

Der „leitende technische Ingenieur“ steht im Rang direkt unter dem Kapitän. Deswegen ist diese Position auch die Schnittstelle von der Crew zum Kapitän, wenn es Ärger gibt. Dann begegnen sich zwei auf Augenhöhe.

Julia Steels ist hauptsächlich dafür zuständig, dass das Schiff fährt, die Hauptmaschine rund läuft. Sie überwacht alle technischen Systeme des Schiffes. Fällt die Maschine aus, besteht Lebensgefahr. Besonders auf Gastankern mit brenzligem Gefahrengut. Die gigantischen Gastanker waren zehn Jahre lang das Zuhause von Julia. Sie hat mit ihnen sämtliche Seewege durch Asien, Südamerika und die USA befahren. 

Nach der Zeit auf den Weltmeeren, in denen sie meist drei bis sechs Monate am Stück unterwegs war, wechselte sie in die Binnenschifffahrt, der Liebe wegen. Die ist passé, aber die Binnenschifffahrt ist geblieben. Doch auch dort gilt: Julia ist und bleibt die einzige Frau an der Maschine. Sie ist auf Schiffen des Gewässerschutzes in ganz Deutschland unterwegs, kontrolliert zum Beispiel Schiffe mit Gefahrengütern.

„Kapitäninnen sind schon äußerst selten, aber weibliche Ingenieure sind noch seltener“, sagt die 47-Jährige. „Es wäre toll, wenn die Seefahrt endlich weiblicher würde!“ 

Die Einzige zu sein, das kennt Julia gut. Bevor sie sich für den „Seeweg“ entschied, studierte sie Hüttentechnik (Metallurgie) in Duisburg. Sie stand drei Jahre lang in der Kupferhütte am Hochofen. Auch dort war sie im ganzen Betrieb die einzige Frau.

1979 wurde Julia in Geldern am Niederrhein geboren. Dass sie „was im Handwerk werden will“, weiß sie schon früh. Ihre Mutter ist zwar Kindergärtnerin, kommt aber aus einer Schreinerfamilie, der Vater ist Spediteur, nimmt die Tochter oft mit in die Werkstatt. „Metall, Schrauben, Schweißen, all das hat mich fasziniert“, erzählt Julia, die schon als Kind am liebsten im Overall herumläuft.

Nach und nach werden die Maschinen größer. 2006 werden es Schiffsmaschinen. Sie setzt noch ein Studium des „Schiffsbetriebs mit Schwerpunkt Technik“ an der FH Flensburg drauf. Im gesamten Studiengang ist sie mal wieder: die einzige Frau. 

Als sie 2020 die Bilder von ertrinkenden Flüchtlingen sieht, will Julia helfen. Sie wird in ihrer Freizeit Maschinistin auf Rettungsschiffen wie „Sea Watch“ und „Sea Punk“. „Anfangs war das toll. In der alternativen Seenotrettung sind viele Frauen unterwegs. Es war schön, nicht immer diese strengen Hierarchien zu haben“, sagt Julia. Drei Jahre lang fährt sie auf Einsätzen mit. Dann reicht es ihr. 

„Alles wurde im Plenum beschlossen. Das dauert nicht nur ewig, das kann auf See auch gefährlich werden“, erklärt Julia und weiß die starren Hierarchien auf See nun sehr zu schätzen. Sie ist zunehmend genervt von der „Wir-sind-ja-die-Guten-Attitüde“ im Links-Aktivismus, die scheinbar alles erlaubt. Als es dann noch „Pronomen-Runden“ vor Einsätzen gibt, schließt sie mit dem Aktivismus-Kapitel ab. „Ich finde den extremer werdenden Queer-Feminismus in den NGO-Bubbles zunehmend fragwürdig“, resümiert Julia. 

Sie arbeitet nun daran, sich mit anderen Frauen in der Seefahrt zu vernetzen. Und weil es ihr auf dem Wasser noch immer so gut gefällt, lebt sie heute auf einem Hausboot. Mal steht das in Duisburg, mal in Hannover. Die Maschine läuft. 

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