In der aktuellen EMMA

Marie Frank: Starke Schwester

Marie-Christine Frank: "Frauen haben oft Angst, zu laut zu sein." - FOTO: Hannah Witte
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"Drei Brüder!" So lautet die Antwort von Marie-Christine Frank auf viele Fragen. Etwa auf: Warum kommst du so gut allein unter Männern klar? Woher hast du dieses Verantwortungsbewusstsein? 

Als die Kölnerin sich 2017 fragte, wie sie ihre Agentur für strategische Kommunikation nennen könnte, da hatte sie die Antwort eigentlich schon parat: „Drei Brueder“. Allerdings arbeiten bei „Drei Brueder“ nur Frauen, fünf an der Zahl. Sie beraten vor allem UnternehmerInnen, VorständInnen, PolitikerInnen, Frauen in Führungspositionen. „Es sind zu 70 Prozent Frauen und zu 30 Prozent Männer, die wir beraten“, sagt Marie Frank im Gespräch mit EMMA. 

Die Sache der Frauen liegt ihr am Herzen, nicht nur, weil sie einen Doktor in Gender Studies hat und auf einem katholischen Mädchengymnasium war. „Ich erlebe in meinem Job so viele hochkompetente Frauen, denen es nicht an Selbstbewusstsein für den nächsten Karriereschritt fehlt, sondern an Sichtbarkeit und einem Netzwerk. Frauen haben oft Angst, zu laut zu sein. Sichtbarkeit ist eine Gratwanderung“, erklärt Frank. 

Und die schafft Marie Frank ziemlich gut. So manche Wirtschaftsgröße zählt zu ihren KundInnen. Eine echte Erfolgsgeschichte ist auch ihre Arbeit für den Frauenfußballverein „FC Viktoria Berlin“, der es in nur drei Jahren aus der Regionalliga in die zweite Bundesliga der Frauen geschafft hat – auch dank kluger Öffentlichkeitsarbeit. Eine Öffentlichkeit hat Frank auch mit dem „Macherinnen Award“ der Stadt Köln 2025 geschaffen und die Leistungsträgerinnen der Stadt sichtbar gemacht. 

Franks Agentur sitzt zwar in der Rheinmetropole, agiert aber bundesweit. 2019, wenige Jahre nach der Gründung, suchte die Gründerin in Köln nach einem Frauennetzwerk – und fand keins, das zu ihr passte. Also gründete sie ihr eigenes: „Macherinnen“, heute Kölns größtes Frauen-Business-Netzwerk. 

Das Netzwerken ist Marie Franks zweite große Stärke. „3 Brueder“ arbeitet eng mit „Generation CEO“, dem exklusivsten Netzwerk für weibliche Führungskräfte zusammen. „Die Frauen in der Wirtschaft sind alarmiert“, sagt Frank, der Gender Backlash sei deutlich zu spüren, Gleichstellungsziele würden zunehmend hinterfragt. Waren es früher oft „gläserne Decken“, die Frauen-Karrieren verhinderten, sind es heute „gläserne Klippen“. Frank: „Frauen werden oft erst geholt, wenn das Unternehmen schon brennt.“ 

Ungerechtigkeiten kann sie schlecht akzeptieren. „Ich komme aus einer Familie mit starkem Wertekompass“, sagt sie. 

Aufgewachsen ist Marie Frank in Vettweiß, einer Gemeinde im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen. Bekannt ist der Ort durch seine Karnevals-Mädchensitzungen, die „Hölle von Vettweiß“. Marie war die Art Mädchen, das Fußball gespielt und Buden gebaut hat. Wie das so ist mit drei Brüdern. Daniel, Lucas und Simon heißen sie, Marie ist die zweitälteste. 

Der älteste Bruder Daniel ist körperbehindert und sitzt im Rollstuhl. Maries Thema Sichtbarkeit hat viel mit Daniel zu tun. „Wir wurden als Familie immer beäugt, wenn wir mit Daniel unterwegs waren.“ 

Es war Vater Lothar Frank, der der Familie beigebracht hat, mit dieser Sichtbarkeit umzugehen. Er war Chef der Caritas. „Wir hatten immer ein offenes Haus, in dem viele verschiedene Menschen ein und aus gingen. Für meine Eltern war klar: Verstecken gilt nicht“, erzählt Marie. Mutter und Vater haben früh vermittelt, Verantwortung zu übernehmen und Nächstenliebe zu leben. 

„Sichtbarkeit war bei uns nie etwas, das man sich aussucht“, sagt Marie. „Sie war einfach da – und die Frage war immer: Wofür nutzt du sie?“ Diese Frage stellt sie sich bis heute, auf jeder Bühne, die sie betritt oder für andere baut. 

Vor über 20 Jahren verunglückte Lucas, Maries kleinster Bruder, tödlich bei einem Verkehrsunfall während seines Zivildienstes bei der Caritas. Auch das hat die Familie zusammengeschweißt, sie halten engen Kontakt. Verheiratet ist Marie Frank mit dem Teammanager des Eishockey Vereins „Kölner Haie“. Sie ist mittlerweile selbst großer Eishockey- Fan und mag die Männerwelt auf dem Eis. Warum auch nicht, bei drei Brüdern … 

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