Verspottet & unterschätzt

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Wie steht es eigentlich um das Image der Lehrerin? Geht so. Nehmen wir zum Beispiel mal „Fack ju Göhte“. Die weibliche Haupt­figur: eine Lehrerin. Sie heißt Lisi Schnabelstedt und so bescheuert wie dieser Name ist auch sie: verspannt, verdruckst, verzickt. Und natürlich total – jedenfalls soll die Riesenbrille, die Karoline Herfurth in der Rolle trägt, das suggerieren – unattraktiv.

So kriegt sie selbstredend bei ihren respektlosen Asi-Schülern kein Bein auf den Boden. Lehrerin: „Ähm, wie wär’s, wenn du mich siezen würdest? Wär‘ das was für dich?“ Schüler: „Wie wär’s, wenn Sie mir einen blasen würden?“ Das geht so, bis ein supercooler Ex-Knacki kommt, der der total uncoolen Lisi mal so richtig zeigt, wie das geht mit dem Lehren und dem Leben. So viel zum Lehrerinnenbild im ­erfolgreichsten Kinofilm des Jahres 2014.

Weitere Beispiele gefällig? In „Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft“ muss sich die auf Füllergröße verkleinerte Anja Kling alias Frau Dr. Schmitt-Gössenwein (wieder so ein bescheuerter Name, wieder so eine riesige Brille) von Schüler Felix in sein Etui stecken oder in sein Quarkbrot tunken lassen. Ein anderer Film heißt gleich geraderaus: „Frau Müller muss weg!“ 

Lehrerinnen sind
verspannt, verdruckst,
verzickt & un-
attraktiv - oder?

Was fällt uns dagegen zum Lehrer ein? „Der Club der toten Dichter“. Robin Williams fordert als neuer Lehrer an einem ­erzkonservativen Internat seine gedrillten Schüler mit unkonventionellen Methoden zum Selberdenken auf – und fliegt dafür schließlich von der Schule. Oder „Die Kinder des Monsieur Mathieu“. Mit dem Schulchor, den Monsieur Mathieu gründet, gibt er den verstörten Nachkriegskindern Lebensfreude und den Glauben an ihre ­Talente zurück. Die deutsche TV-Variante wäre Robert Atzorn als superengagierter „Lehrer Doktor Specht“ aus den 1990ern. Oder topaktuell „Der Lehrer“ auf RTL. ­Pädagoge Stefan ist ein sexy Dreitagebart-Träger und sein Darsteller Hendrik Duryn findet seinen Protagonisten: „Lustvoll. Reizvoll. Wertvoll.“

Was lernen wir daraus? Der Lehrer: Querdenker, Lotse fürs Leben, Vermittler von Weisheit und Werten. Die Lehrerin: Neurotikerin, Lachnummer, Knallcharge. Und natürlich männerlos, oder, um es im „Fack ju Göhte“-Jargon auszudrücken: schlecht gefickt. 

Lernziel erreicht. Das Klischee von der Lehrerin als altjüngferliche Schreckschraube und dessen sorgsame Pflege ist so alt wie die Lehrerin selbst, nämlich etwa 200 Jahre. Und wenn eine Personengruppe so systematisch lächerlich ­gemacht wird, dann haben die Urheber von Spott und Hohn in der Regel einen guten Grund, die besagte Gruppe kleinmachen zu wollen, nämlich den: Sie ist in Wahrheit groß. Und sie ist gefährlich.

Die Gefahr, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts von jenen Frauen ausging, die sich erdreisteten, Bildung und ihre Vermittlung nicht länger als Privileg des Mannes zu betrachten, war von Anbeginn an enorm. „Die Bedeutung, die Lehrerinnen für das Ringen der Frauen um Gleichberechtigung in Bildung und Politik, in der Erlangung von Qualifikation und Stimmrecht hatten, kann nicht hoch genug gewertet werden.“ Die das schreibt, ist – Lehrerin. Luise Berg-Ehlers war 40 Jahre lang im Schuldienst, 25 davon hat sie ein Gymnasium geleitet und selbst Lehrer und Lehrerinnen ausgebildet. Jetzt hat sie sich auf die Spuren ihrer Vorgängerinnen begeben. Jener Frauen, die erkämpft haben, was noch zwei Jahrhunderte zuvor ein ungeheurer Tabubruch war: ein weiblicher Mensch, der nicht nur lernt, sondern auch noch lehrt.

„Der Kampf für Bildung und für das Recht der Frauen, Lehrerin zu werden und damit die Mädchenbildung und die weibliche Unabhängigkeit zu befördern, war das Konstituens der Frauenbewegung im vorletzten Jahrhundert“, schreibt Berg-Ehlers. „Und deshalb ist es kein Zufall, dass die prägenden Persönlichkeiten dieser Bewegung Lehrerinnen waren.“

Stimmt. Auguste Schmidt (1833-1902), die 1965 gemeinsam mit Louise Otto-Peters den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF) gründete und damit den Startschuss für die organisierte Frauenbewegung gab: Lehrerin. Minna Cauer (1841-1922), Gründerin des Vereins „Frauenwohl“, der zur Keimzelle der „Radikalen“, also antibiologistischen Strömung wurde: Lehrerin. Hedwig Dohm (1831-1919), die so geistreiche und scharfzüngige Vordenkerin der Radikalen: Absolventin eines Lehrerinnenseminars, das der Wissbegierigen die Unzulänglichkeiten der weiblichen Ausbildung vor Augen führte. Haushaltsführung und Handarbeit? Dohm wollte Griechisch und Physik!

Den Bespöttelungen der Lehrerin und ihrer angeblichen Unfähigkeit zur Wissenschaft wegen zu großer Emotionalität begegnete Hedwig Dohm mit ihrer schärfsten Waffe: ihrem beißenden Sarkasmus. So witzelte sie 1874 in ihrem Essay „Die wissenschaftliche Emancipation der Frau“ über das Lehrerinnen-Klischee: „Frau B. hat eine Professur der Geschichte inne. Sie soll von den Gräueltaten der römischen Kaiserzeit berichten. Da erstickt der Schmerz um die Ermordeten ihre Stimme, der Abscheu raubt ihr den Atem, sie verliert den Faden der Gedanken und muss ohnmächtig hinausgetragen werden.“

Knapp 100 Jahre vor diesem Aufsatz hatten sich die ersten Lehrerinnen auf den Weg gemacht. Beziehungsweise ihre Vorläuferinnen, die Gouvernanten. Denn zunächst durften Frauen nur als Hauslehrerinnen arbeiten, so dass ihr Ausbruch aus der Frauenrolle sich wenigstens nicht in der Öffentlichkeit eines Klassenzimmers vollzog, sondern verborgen innerhalb der vier Wände der jeweiligen Herrschaft. Ende des 18. Jahrhunderts stieg aufgrund des Aufstiegs des Bürgertums die Nachfrage nach Gouvernanten. Nun wollten die aufstrebenden Kaufleute, Bankiers und Fabrikanten ihren Töchtern eine dem Adel vergleichbare Erziehung auch ihren Töchtern angedeihen lassen. Zwar ging es dabei meist vor allem darum, die Mädchen zu einigermaßen vorzeigbaren Gesprächspartnerinnen für potenzielle Heiratskandidaten zu machen.

Aber immerhin gab es Mitte des 19. Jahrhunderts in England mindestens 25.000 Hauslehrerinnen. „Es gab also mindestens 25.000 Frauen, die ihren Geschlechtsgenossinnen wie auch der Gesellschaft eine mögliche neue Rolle für ein erfülltes weibliches Leben zeigten“, schreibt Luise Berg-Ehlers. „Um aber diese Entwicklung zu verstärken und zu befördern, brauchte es nicht nur die tägliche Arbeit für die Kinder in der relativen Verborgenheit eines Haushaltes. Vielmehr war ein öffentliches Auftreten, ein eventuell auch polemisches Eintreten für die Rechte der Frau notwendig, und das galt vor allem für das Recht auf Bildung und Beruf.“ Denn die Hauslehrerinnen hatten, im Gegensatz zu den Hauslehrern, keine richtige Ausbildung genossen. Sie galten als „Amateur-Pädagoginnen“, die nur weitergeben konnten, was sie selbst dank verständnisvoller Eltern als Mädchen zu Hause gelernt hatten.

Deshalb stand nun bald die Forderung nach einer systematischen Ausbildung auch für weibliche Hauslehrer im Raum. Und damit war auch die Vision, diese ausgebildeten Lehrerinnen könnten nun auch an öffentlichen Schulen unterrichten, nicht mehr weit. Bald gründeten rührige Vorreiterinnen die ersten Lehrerinnen-Seminare. Das erste staatliche Lehrerinnenseminar in deutschen Landen war 1814 in Bayern gegründet worden. Aber die Mühlen mahlten langsam. Westfalen folgte erst 1832 mit Frauen-Seminaren in Münster und Paderborn. Noch 1914, also 100 (!) Jahre nach der bayerischen Pioniertat, waren von 204 Ausbildungsstätten für Lehrkräfte nur 16 für Lehrerinnen vorgesehen.

Dennoch: Mit der Frauenbewegung war Schwung in die Sache gekommen. Den Frauen war klar, dass Bildung der Schlüssel zur Emanzipation war, und mit der Zahl der Mädchenschulen wuchs auch die Zahl der Lehrerinnen. Immer öfter schloss man Lehrerinnen-Seminare an die Höheren Mädchenschulen an, so dass die Absolventinnen ihre Ausbildung zur Lehrkraft gleich anschließen konnten. Eine akademische Ausbildung als Lehrerin blieb den Frauen allerdings weiterhin versagt, denn die Hörsäle durften sie allenfalls als Gasthörerinnen betreten.

Und überhaupt. Wenn schon so gelahrt, dann aber bitte nicht die eigene Frau. Im Jahr 1880 wird per Ministerialerlass im Deutschen Reich das „Lehrerinnenzölibat“ eingeführt. Das bedeutet: Verheiratete Frauen dürfen nicht Lehrerin sein bzw. Lehrerinnen dürfen nicht heiraten. Tun sie es doch, werden sie automatisch entlassen und verlieren ihre Pensionsansprüche. Die Lehrerin als alte Jungfer wird geboren. 

Die offizielle Begründung für das Lehrerinnen-Zölibat lautet, man wolle die Frau vor einer „Überbürdung“ schützen. für die "Überbürdung" der Fabrikarbeiterinnen allerdings interessiert sich kein Mensch. Geschützt werden soll wohl vor allem der Mann vor einer zu schlauen Frau, die manches womöglich besser weiß als er, und die noch dazu berufstätig ist und finanziell unabhängig. Und, oh graus, die mit ihrer Tätigkeit zudem stets noch mehr solcher besserwisserischen Frauen produziert. Das Lehrerinnenzölibat wird übrigens sowohl die Weimarer Republik als auch, selbstverständlich, den Nationalsozialismus überdauern.

In der Bundesrepublik wird das Gesetz, das auch für Frauen anderer Berufsgruppen gilt, schließlich 1951 abgeschafft: Eine „Lernpflegerin“ klagt gegen die Zölibatsklausel, die ihr eine nordrhein-westfälische Landesheilanstalt in ihrem Ausbildungsvertrag aufnötigen will. Das Bundesarbeitsgericht gibt der Klägerin Recht: „Die Würde des Menschen erfordert es, dass er selbst darüber entscheiden kann, wie er sein Leben gestaltet, insbesondere also, ob er heiratet.“ 

Bis dahin ist es am Ende des 19. Jahrhunderts noch ein weiter Weg. Es ist an der Zeit, sich zusammenzuschließen, um für mehr Rechte und Befugnisse für Lehrerinnen zu kämpfen und das Schulwesen weiter in Richtung Mädchen- und Frauenbildung voranzutreiben. 1890 gründet die Lehrerin Helene Lange (1848-1930) zusammen mit Gleichgesinnten den „Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein“.

Lange gehört dem gemäßigten Flügel der Frauenbewegung an, ist aber im Kampf um die qualifizierte Lehrerinnenausbildung äußerst rührig und, gemeinsam mit Arbeits- und Lebensgefährtin Gertrud Bäumer (1873-1954), eine Schlüsselfigur der Emanzipation der Lehrerinnen. Nach ihrem Examen, das sie 1872 an der „Königlichen Augusta-Schule“ in Berlin ablegt, hatte Lange viele Jahre an „Höheren Töchterschulen“ unterrichtet. Sie leidet darunter, dass sie diese höheren Töchter lediglich zu konversationsfesten „Damen der Gesellschaft“ ausbilden soll. Und sie hadert damit, dass sie selbst nicht studieren darf und ihr damit eine akademische Lehrerinnenausbildung verwehrt ist. Mit Petitionen an das Preußische Unterrichtsministerium kämpft sie dafür, dass „von Staatswegen Anstalten zur Ausbildung Wissenschaftlicher Lehrerinnen (…) mögen errichtet werden“.

Und der nächste Kampf steht schon bevor. Natürlich lag es nahe, dass erfahrene Lehrerinnen eines Tages auch die Leitung ihrer Schule übernehmen würden. Diese Vorstellung aber war den männlichen Kollegen erheblich zu kühn. „Der Verband akademisch gebildeter Lehrer an höheren Mädchenschulen hat vor einigen Tagen in der Presse einen Aufruf gegen das weibliche Direktorat lanziert“, berichtet Helene Lange 1907. „Anknüpfend an die Absicht der Regierung, zur Leitung höherer Mädchenschulen künftig in vermehrtem Maße Frauen heranzuziehen, beteuert der Verband, dass keinem charaktervollen Mann zugemutet werden könne, seine Lebensarbeit in Abhängigkeit von einer Frau zu vollbringen.“ Das aber will Lange den Herren nicht durchgehen lassen. „Wir verstehen vollkommen, dass sich gegen diese letzte Konsequenz aus dem Gedanken der Gleichwertigkeit der Frau das aus der Tradition genährte spezifisch männliche Selbstgefühl am heftigsten auflehnen wird“, schreibt sie. „Aber so sehr wir das begreifen, so wenig dürfen wir den Kampf um unsere prinzipielle Berechtigung zu Leitung aufgeben.“

Lange und ihre Gefährtinnen kämpfen weiter – und tragen einen Teilsieg davon. Als 1908 die „Reform für die Höheren Lehranstalten für die weibliche Jugend“ in Kraft tritt, ist der weibliche Schuldirektor offiziell vorgesehen. Allerdings können Frauen weiterhin lediglich „nichtakademische Oberlehrerin“ werden. Natürlich haben deshalb ihre männlichen Kollegen nicht nur die bessere Reputation, sondern auch das bessere Gehalt. 3000 Mark mehr verdienen sie pro Jahr.

Der Kampf um die eigenen Rechte hält so manche Pädagogin jedoch nicht davon ab, gleichzeitig für die Rechte der Kinder einzutreten - und gegen die Rohrstock-Pädagogik der damaligen Zeit. Allen voran Maria Montessori (1870-1952), die militaristischem Gehorsam und Gleichmacherei die Förderung der Individualität des Kindes entgegensetzt. Ihr Leitsatz: „Hilf mir, es selbst zu tun!“ Neben der Italienerin prägt auch das Werk der Schwedin Ellen Key (1849-1926) in Deutschland die Pädagogik. Ihr Buch „Das Jahrhundert des Kindes“, das 1902 erscheint, erzielt riesige Auflagen. Key, die übrigens wie Astrid Lindgren in Smaland aufgewachsen ist - lehnt körperliche Züchtigung strikt ab und fordert die Lehrkräfte auf, sich stattdessen ihrer eigenen Sorgen, Ängste und Träume zu erinnern. „Selbst wie das Kind zu werden, ist die erste Voraussetzung, um Kinder zu erziehen“, postuliert sie.

Und dann ist da noch Eugenie Schwarzwald (1872-1940), die „aktivste, umtriebigste, prominenteste, einflussreichste, am meisten bewunderte und nicht selten kritisierte Pädagogin in Wien zwischen 1900 und 1938“. Schwarzwald hatte, wie viele ihrer bildungshungrigen Geschlechtsgenossinnen, in der Schweiz studiert, die das Frauenstudium bereits in den 1860er Jahren zugelassen hatte. Nach ihrer Rückkehr übernahm die Pädagogin 1901 ein Wiener Lyzeum und entwickelte eigene pädagogische Konzepte. „Die Atmosphäre in der Schule muss mit Heiterkeit erfüllt sein“, schrieb sie in einem Aufsatz über „Die fröhliche Schule“. Die Pädagogin will, dass Kinder „nicht mehr mechanisch denken, sprechen, fühlen dürfen, was ihnen andere eingeben; dass sie sich nicht mehr auf die Krücke des blinden Gehorsams stützen dürfen, dass sie unter eigener Verantwortung handeln müssen“.

Wie viele ihrer Kolleginnen muss auch die als Jüdin verfolgte Schwarzwald nach dem „Anschluss“ Österreichs an Nazideutschland  1938 das Land verlassen. 

Mit dem Nationalsozialismus beginnt eine besonders dunkle Zeit für Lehrerinnen. Zwar erteilt der Männerstaat Lehrerinnen kein Berufsverbot wie den Juristinnen und Architektinnen. Aber die Nazis, die weibliche Berufstätigkeit generell als der Frau „wesensfremd“ betrachteten, verschärfen das Lehrerinnenzölibat, so dass jede sechste Lehrerin aus dem Dienst ausscheiden muss.

Auch im Nachkriegsdeutschland sah man, nachdem die Trümmer weggeräumt waren, die berufstätige Frau und damit auch die Lehrerin nicht gern. Aber viele LehrerInnen, die in der Nazizeit unterrichtet hatten, galten nun als „verwendungsunfähig“, hinzu kam der kriegsbedingte Männermangel. Also hatten junge Pädagoginnen eine Chance.

Heute ist die Lehrerin längst eine Selbstverständlichkeit, mehr noch: Sie ist in der Mehrheit. Zwei von drei LehrerInnen sind weiblich – wenn auch in den meisten Bundesländern nur jede dritte Schulleiterin. An den Grundschulen unterrichten 85 Prozent Frauen, auch an den Gymnasien ist inzwischen immerhin jeder zweite Lehrer weiblich (aber nur jede vierte Schulleiterin).

Seit einigen Jahren jedoch steht die Lehrerin wieder im Kreuzfeuer. Seit die Mädchen die Jungen leistungsmäßig überholt haben und die besseren Schulabschlüsse machen, gelten die Pädagoginnen als Jungsverderberinnen. Warum? Sie benachteiligten die Jungen und bevorzugten die Mädchen, lautet der Vorwurf. Dass der durch nichts belegt werden kann, tut dem rituellen Lehrerinnen-Bashing in den Medien keinen Abbruch. „Wie die Schulen unsere Jungs verdummen“ lauten die Schlagzeilen oder noch martialischer: „Krieg gegen die Jungen!“

Könnte die Metastudie von Marcel Helbig etwas am Klischee ändern? Der Bildungsforscher vom Berliner Wissenschaftszentrum hat 42 Studien mit 2,4 Millionen SchülerInnen untersucht. Resultat: Das Geschlecht des bzw. der Lehrerenden hat keinen Einfluss auf die Noten. „Mädchen hatten schon Anfang des 20. Jahrhunderts die besseren Noten“, weiß Helbig. Grund: Ihre „höhere Leistungsbereitschaft“. Jungen hingegen fänden Bildung rollenbedingt „uncool“.    

Das Zicken-Klischee der Lehrerin hat sich dennoch beständig gehalten. Nur eine Pädagogin hat es als Respektperson in die Kinderzimmer und auf die Leinwände dieser Welt geschafft: die imposante Minerva McGonagall, ihres Zeichens Lehrerin für das Fach „Verwandlung“ am Zauberinternat Hogwarts. Die stellvertretende Schulleiterin, in den Harry-Potter-Filmen gespielt von der hinreißenden Maggie Smith, wird nach der Schlacht um Hogwarts sogar zur Schulleiterin ernannt. Wundern muss uns das nicht. Denn McGonagalls Erfinderin Joanne K. Rowling war, bevor sie mit ihren Büchern reich und berühmt wurde… ja genau: Lehrerin.

Luise Berg-Ehlers: Unbeugsame Lehrerinnen (Elisabeth Sandmann, 24.95 €)

 

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