Sind Frauenkörper nur "Material"?
Jörg Bischoff: "Sehr geehrte Damen, ich bin ein Mann und nunmehr über 70. Leser der EMMA bin ich nur gelegentlich. Und ich bekenne freimütig, dass ich nur allzu gern eine schöne Frau ansehen mag. Das ganze hat aber auch seine Grenzen! Die auf diesem Werbeplakat nach meiner Auffassung erheblich überschritten sind. Sind Frauenkörper auch nur 'Material'?
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Kommentare
Spruch ok, Sex sells ka
Ich finde nicht, dass dieser Spruch degradierend ist, eher wird einem ins Gedächtnis gerufen, dass die Haut ja auch nur irgendwie ein Material ist. Es wird also die Haut der Frau als Material bezeichnet und nicht die Frau an sich. Ich glaube kaum, dass hier vermittelt werden soll, dass man Frauen wie Material behandeln kann (sie schreiben ja auch noch dazu, dass sie auf FAST allen Materialien drucken) Dadurch, dass auf dem Bild die Frau den Pulli hochzieht und man den Brustansatz sieht, wird es halt sexy. Also eine typische Sex-Sells-Werbung, aber meiner Ansicht nach eher von der harmloseren Sorte.
Sexistisch
.... Frauen mit Material zu assoziieren, ohne Worte...
@ccmdl:
Es ist allerdings nicht unüblich Menschen als Material zu bezeichnen. Wie kann es da sexistisch sein? Beispielsweise wurde das Wort "Menschenmaterial" zum Unwort des Jahres gewählt und damit wurden vor allem männliche Soldaten bezeichnet. https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenmaterial
Allgemein: Ich habe oft das Gefühl, dass herabwürdigende Darstellungen von Menschen hier im Forum oft als sexistisch bezeichnet werden, wobei eben gerade die Herabwürdigung des Geschlechtes fehlt. Hier wird ein Mensch abgebildet, der eine Frau ist. Aber die Bezeichnung Material lässt sich eben für beide Geschlechter verwenden. Die Bezeichnung: "Verrückte Henne" z.B. ist eindeutig sexistisch.
Sexistisch
Dass es das hirnlose "Sex Sells"-Prinzip ist, ist klar. Aber genau das ist doch eines der Kriterien, nach denen Werbung als sexistisch eingeordnet wird: Sexualisierte Frau wird als Blickfang für ein Produkt, das mit der Frau keineswegs in Zusammenhang steht, genutzt (Sie glauben doch nicht, die drucken wirklich auf Menschenhaut?). Nacktheit ist auch nicht für das Produkt wichtig (Wenn für einen BH geworben wird, ist es hingegen sinnvoll, den am Körper zu zeigen). Trotzdem zeigt die Frau ihre Brüste und hat die Hose offen - für das Produkt sinnlos. Die Frau wird zudem entpersonalisiert gezeigt (kein Gesicht, nur Torso von Brust bis Intimbereich). Und dann noch der Spruch dazu. Das ist insgesamt schon objektifizierend.
II
Anders wäre es, würde man eine (nicht unnötig spärlich bekleidete, nicht sexualisierte!) meinetwegen junge und schöne Frau sehen, wie sie irgendetwas Ungewöhnliches bedruckt (um dem Slogan gerecht zu werden). Da wäre die Frau vielleicht auch ein Blickfang, aber ihre Darstellung wäre m.E. nicht sexistisch. Aber für so ein Motiv hätte man ja seine Gehirnzellen anstrengen und kreativ werden müssen!
Stimmt schon
Die spärliche Bekleidung mag schon einen sexistischen Touch haben, allerdings bin ich der Ansicht, dass durch den QR-Code, der ja ein Tatto sein könnte, was von mir zumindest so interpretiert worden ist. Daher würde ich schon einen Zusammenhang zwischen Spruch und Darstellung sehen. Die offene Hose finde ich auch nicht so problematisch, da die geschlossene Hose das "Tattoo" überdecken würde. Wenn ich mir das T-Shirt hochziehe sieht das auch genau so aus. Bei Frauen sieht man dann halt wohl etwas Brustansatz ... ohoho schlimm.
@ Creedinger
Wäre es um das "Tattoo" gegangen (was übrigens sehr starr auf der Haut abgebildet ist und sich trotz Körperhaltung nicht zieht - keine sonderlich gelungene Photoshop-Arbeit), hätte man es auch auf dem Arm, dem Bein oder meinetwegen auch auf der Wange der Frau zeigen können. Aber natürlich platziert man es so, dass es das Öffnen der Hose und das Entblößen des Brustansatzes nötig macht. Klar.
an die wundervollen EMMAs
Liebes Emma-Team, aufrichtigen Dank, dass Ihr Euch mit bedenklichen Werbeplakaten beschäftigt und darüber schreibt. Wörter und Bilder haben bewusst und unbewusst Einfluss auf Denken und Handeln von Menschen. Daher sollten wir alle verantwortungsvoll mit medialen Veröffentlichungen umgehen, was leider immer wieder nicht alle Unternehmen in Deutschland tun. Abwertende Bilder, die stetig über dieselbe Menschengruppe veröffentlicht werden, haben Auswirkungen auf Sichtweise und Wertschätzung zu dieser Menschengruppe und fördern Respektlosigkeit.
an Emma
Abwertende Bilder über die jüdische, homosexuelle, dunkelhäutige oder sonstige Menschengruppe werden spürbar deutlich weniger akzeptiert oder als lustig empfunden. Es ist rücksichtslos und nicht verständlich warum diese öffentliche Degradierung und Demütigung über weibliche Menschen dann so oft als ‘witzig und harmlos‘ bezeichnet wird. Unsere Gefühle, Gedanken, Zukunft, Arbeitsleistung, Unversehrtheit und unsere Menschenwürde werden kaum als relevant oder wertvoll erachtet.
an Emma
Schwere und tödliche Verkehrsunfälle im deutschen Straßenverkehr werden in den allermeisten Fällen von männlichen Fahrern verursacht, doch bis heute erzählen Medien davon auf welche dumme Weise weibliche Menschen Auto fahren würden. Frauen haben durchschnittlich die besseren Universitätsabschlüsse und erhalten bei gleicher Arbeitsleistung weniger Gehalt im Vergleich zu Männern. In mehr als 90% der Vergewaltigungsfälle ist das Opfer weiblich und dieses Strafdelikt hat deutschlandweit die niedrigste Verurteilungsquote. Weibliche Menschen begehen erheblich weniger Finanz- und Gewaltverbrechen und erhalten dafür vom deutschen Staat kaum Solidarität, Sicherheit oder Gerechtigkeit.
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