Sonya Kraus mit ihrem J√ľngsten.
Sonya Kraus mit ihrem J√ľngsten.

Sonya Kraus: Sauer auf den Vater meiner Kinder!

Es ist 2:30 Uhr, und ich liege im Bett ‚Äď immerhin in meinem! Verbringe ich doch seit der Geburt meines ersten Kindes mindestens die H√§lfte der N√§chte auf dem Fu√üboden neben dem Gitterbett liegend, notd√ľrftig gebettet auf einer Kindermatratze. Gerade wurde ich wieder im Kommando-Ton zum ‚ÄěMann‚Äú meiner schlaflosen N√§chte zitiert, da ihn nach Gesellschaft gel√ľstete. Es wird nicht der letzte Besuch f√ľr heute Nacht im Kinderzimmer gewesen sein.

Gut, einem knapp Dreijährigen verzeiht man eben so einiges, dem großen, selig schnarchendem Typen auf der anderen Bettseite allerdings nicht.

Auch morgen fr√ľh wird ‚Äěder Mann an meiner Seite‚Äú wieder gut ausgeschlafen behaupten: ‚ÄěAber heute Nacht hat er doch nicht geschrieen ‚Ķ‚Äú Und ich werde nur mit einem m√ľden ver√§chtlichen Blick reagieren. Zu mehr fehlt mir die Kraft, obwohl ich am liebsten ‚Äď ohne viele Worte ‚Äď mein spitzes Knie in seine empfindlichsten K√∂rperpartien rammen w√ľrde. Tja, Schlafentzug macht reizbar und wird auch als Foltermethode eingesetzt, nur k√∂nnen Mamas sich nicht an Amnesty International wenden.

Ist es genetisch bedingt, dass mein Kerl komat√∂s den Tiefschlaf genie√üt, schreie, wer da wolle? Wie kommt es, dass es selbstverst√§ndlich ist, dass ich die Nachtschicht √ľbernehme? Und den Gro√üteil der Tagschicht nat√ľrlich ebenfalls! Mama kauft ein, Mama besorgt neue Klamotten, Mama erledigt die Arztbesuche, Mama spielt, r√§umt hinterher, w√§scht W√§scheberge und macht nebenher noch auf Hausmeisterin Krause.

Tja, wie war ich doch stolz auf mein handwerkliches Know-How, das mir immer ein Gef√ľhl der Selbstst√§ndigkeit gegeben hatte. Nach dem Motto: ‚ÄěDanke, ich brauche keine m√§nnliche Hilfe. Ich kann das selbst!‚Äú Mein Heimwerker-Hobby fliegt mir jetzt wie ein Bumerang um die Ohren, denn ich darf mich neben den traditionellen Frauenaufgaben auch noch um die typischen M√§nnerdom√§nen k√ľmmern: M√∂bel aufbauen, Bilder montieren, Lampen aufh√§ngen, Autos warten und Handwerker koordinieren ‚Äď einfach alles bleibt an mir h√§nge.

Selbst im letzten Punkt habe ich, alte K√ľchendienst-Verweigererin, klein beigegeben: Seit der Nachwuchs da ist, zaubert Muddi um Punkt sieben das Abendessen auf den Tisch. Habe ich schon erw√§hnt, dass ich Kochen hasse? Als Heimchen am Herd f√ľhle ich mich so gl√ľcklich wie ein Tiger im K√§fig, aber die Zeiten von Fast Food, Restaurantbesuchen und entspannendem Homeservice sind nun mal vorbei mit Kids.

Ach, ich verga√ü! Da ist ja noch dieser kleine Nebenjob, dem ich in meinem fr√ľheren Leben all meine Energie gewidmet hatte ‚Ķ Ohne die Hilfe von Omas und AuPair-M√§dchen k√∂nnte ich den als Mama glatt an den Nagel h√§ngen. Wenn ich heute arbeiten gehe, f√ľhlt es sich wie Urlaub an!

Meine ganze Ehrfurcht gilt alleinerziehenden Frauen, die ohne jegliche Unterst√ľtzung Job und Kinder wuppen und dabei zwangsl√§ufig selbstlos v√∂llig zur√ľckstecken. Ich verneige mich vor ihnen, denn nur wer tats√§chlich den Wahnsinn mit kleinen Kindern selbst erlebt hat, kann nachvollziehen, was an dieser Front geleistet wird. Diese Ladys haben leider keine Lobby.

Auch wenn ich gelegentlich bereue, damals nicht bei Google ‚Äěanonymer Samenspender‚Äú eingegeben zu haben, bin ich ¬≠dennoch froh √ľber die immerhin psychologische Unterst√ľtzung meines Mannes. Und um fair zu bleiben: Er zahlt zumindest unsere Putzfrau! Ihn umerziehen? Ich hab‚Äôs versucht, eine Million mal. Der m√§nnliche Erziehungsberechtigte widersetzt sich stoisch den drastischsten Erziehungsma√ünahmen. Mittlerweile fehlt mir die Kraft f√ľr den Kriegsschauplatz Haushalt.

Wer ist schuld? Mein Show-Macho? Wohl ein bisschen auch seine Mutter. Aber durchaus auch ich, denn ich hab ihn mir ja ausgesucht!

Genug gejammert. Ich wei√ü, ich bin mit zwei gesunden Kindern ein Gl√ľckspilz und absolut privilegiert, aber trotzdem oft am Verzweifeln. Wenn der Mann an meiner Seite sich beschwingt ins B√ľro verabschiedet, das zahnende Baby sich schreiend an mich klammert ‚Äď w√§hrend meine ‚ÄěU have to do‚Äú-Liste die L√§nge einer Klopapierrolle erreicht ‚Äď, dann frage ich mich trotzdem: Wo ist sie eigentlich geblieben, die Gleichberechtigung? Sie muss ¬≠irgend¬≠wo mit dem Inhalt des Windeleimers im Restm√ľll gelandet sein.

Das Erschreckende, egal, welche taffe Power-Mutti ich frage: Den emanzipierten Mann, der allt√§gliche Pflichten und M√ľhen mit seiner Partnerin fair teilt, den gibt es anscheinend so h√§ufig wie mono¬≠game Menschenaffen. Traurig, aber wahr! Und, abseits von Kindergeld und Herdpr√§mie, vermutlich der wahre Grund, warum viele Frauen sich gegen Kinder entscheiden.

Die Autorin ist TV-Moderatorin und ¬≠Buchautorin. Zuletzt ver√∂ffentlichte sie: Baustelle Baby (L√ľbbe).¬†

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Kommentare

Na, da hat sich ja in den letzten 25 Jahren wenig geändert ;o)

Merkw√ľrdiges Beziehungsverst√§ndnis, erstens die Schilderung des Artikels und zweitens die Tatsache so einen Artikel √ľber den eigenen Partner zu schreiben ! Ich hoffe f√ľr die Autorin die Darstellung entspringt der k√ľnstlerischen Freiheit.
Das klingt √ľberhaupt nicht nach Partnerschaft und Teamwork und auch nicht nach gutem Willen f√ľr den anderen.
Sicher ist man einmal sauer, aber das ist ja nur negativ !

Profilfoto von susabella

...liebe Sonya Kraus,
schon mal was von Familienbett geh√∂rt? dann verbringt man keine N√§chte neben dem Gitterbett aka Kinderknast. Und zu der Verneigung f√ľr die alleinerziehenden M√ľtter: schenken Sie sich's! wir k√∂nnen uns nichts daf√ľr kaufen...

Warum holt sich Frau Krause nicht einfach eine Haushälterin in die Wohnung? Finanziell könnte dies bei den Berufen von ihr und ihrem Freund doch durchaus möglich sein. Die kann dann ja einkaufen gehen etc.

Ansonsten ist dem Artikel leider nicht zu entnehmen, was ihr Freund dazu sagt, da er in dem Artikel nicht zu Wort kommt.

"Aber durchaus auch ich, denn ich hab ihn mir ja ausgesucht!" so sehe ich das auch. Wie wurde denn die Aufzucht der Brut verhandelt oder wurde gar nicht (vor der Schwangerschaft) verhandelt? Momentan leben wir ja in einer Situation, wo nur wenige M√§nner die Aufzucht der Brut mit√ľbernehmen und wenn ich eine Frau w√§re, dann w√§re diese Eigenschaft gaaanz weit oben auf meiner Priorit√§tenliste bei der M√§nnerwahl.

das stimmt nat√ľrlich, was Sie da schreiben:
"Merkw√ľrdiges Beziehungsverst√§ndnis...
Das klingt √ľberhaupt nicht nach Partnerschaft und Teamwork und auch nicht nach gutem Willen f√ľr den anderen."
Es ist aber genau das Beziehungsverständnis, das viele Männer im Hinblick auf "ihre" Frau(en) und Kinder haben.
Ich finde den Artikel ehrlich und gut.
Das einzige, was mir aufstößt, ist der Seitenhieb auf "die Mutter":
"Wer ist schuld? Mein Show-Macho? Wohl ein bisschen auch seine Mutter. Aber durchaus auch ich, denn ich hab ihn mir ja ausgesucht!"
Wieso nicht auch sein Vater?!

Das versteht man vielleicht nur mit Insiderwissen. Denkbar ist, dass die Mutter ihres Mannes f√ľr diesen Haushaltstechnisch immer alles gemacht hat, auch schon im hohen alter. Ich hatte w√§ren meines Studiums damals einen Kommilitonen der noch seine Brote von seiner Mutter geschmiert bekommen hat ^^.

"Es ist aber genau das Beziehungsverständnis, das viele Männer im Hinblick auf "ihre" Frauen und Kinder haben".
Irrtum ! Es ist das Beziehungsverst√§ndnis dieser Paare und wer damit gl√ľcklich ist, soll es sein! Ein absolut passives Selbstbildnis innerhalb der eigenen Beziehung kaschiert auch sehr gut die eigene Bequemlichkeit. Der Zustand der Beziehung wird zu 100% auf den Partner abgew√§lzt. Man selbst ist f√ľr nichts verantwortlich und kann immer mit dem Finger auf den anderen zeigen.
Frau Kraus erw√§hnt mit keinem Wort auch nur den Versuch mit ihrem Mann das Problem zu besprechen, stattdessen lamentiert sie in √ľber SEINE Fehler. Ehrlich gesagt klingt das ganze nach "Hausfrauenstammtischgepl√§nkel".
Ein (Neben)Job macht aus einem Mäuschen noch lange keine taffe Power-Mutti. Wenn es denn einmal so einfach wäre :)

Er zahlt zumindest unsere Putzfrau."
Das ist ja wohl selbstverst√§ndlich, zumal sich G√∂ttergatte nicht zu benehmen und einzubringen wei√ü. Sicher sollte man in einer Beziehung einander dankbar sein f√ľr die Leistung des anderen, aber nach der Beschreibung hier einen Kniefall machen ???
Es ist genauso sein Heim wie das ihre. Irgendwas muss man eben daf√ľr tun. Wer selbst nicht will, muss sich eben Personal leisten, auch als Single. Das ist doch keine noble Geste, sondern das absolute Minimum und geh√∂rt f√ľr einen Erwachsenen nun einmal selbstredend zum Leben dazu.
Göttergatte ist doch kein Kind, warum ihn so behandeln. "Ihn umerziehen?...Der männliche Erziehungsberechtigte widersetzt sich stoisch den drastischen Erziehungsmaßnahmen." Was soll in einer erwachsenen Beziehung diese kindische Ebene. Das kann doch nicht funktionieren.
Wer eine Beziehung so f√ľhrt, der will es so und der will auch Jammern. Aber dazu geh√∂ren wirklich 2: der ewige Junge und √úbermutti.

Ist in der Konstellation allerdings auch erst 16 und lamentiert, weil sie keine √úbermutti hat, die ihr alles abnimmt!
Sich dann auf Mann und Frau sein rauszureden, passt irgendwie.
Ich denke mal, das ganze, ist nicht allzu ernst gemeint und nicht allzu realistisch. Ich finde es einfach nur schrecklich negativ. In 30 Jahren schreiben Frau Kraus Schwiegertöchter dann ähnliche Beiträge :)
Nachtrag: ich finde Hausfrau sein √ľbrigens enorm wichtig und einem Beruf v√∂llig gleich, schade dass es heute nicht gesch√§tzt wird.

"Nachtrag: ich finde Hausfrau sein √ľbrigens enorm wichtig und einem Beruf v√∂llig gleich, schade dass es heute nicht gesch√§tzt wird."

Das Problem ist, dass die Frau sich als Hausfrau vom Mann abh√§ngig macht. Sollte es zur Scheidung kommen, steht die Frau ohne Job da und bekommt wahrscheinlich auch keinen guten mehr, wenn sie mehr als 1-2 Jahre weg vom Arbeitsmarkt war. Unterhalt gibt es nur noch f√ľr die Kinder. Und was ist wenn die Kinder √§lter sind? Nat√ľrlich kann man seine Zeit auch damit verbringen seinen (fast) erwachsenen Kindern hinter her zu putzen, aber was dabei rauskommt sieht man ja :-p.

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