In der aktuellen EMMA

Ein Titelfoto mit Geschichte

Der erste EMMA-Titel von 1977 - und der vorletzte EMMA-Titel. Beide Fotos wurden auf der Hohe Straße gemacht.
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Liebe Leserin, lieber Leser,

wie hier zu sehen ist, haben wir uns den Spaß erlaubt, 50 Jahre nach dem Titel der ersten EMMA, den aktuellen exakt nachzustellen. Mit dem heutigen Team, versteht sich. An der selben Stelle, in der Kölner Hohe Straße. Das Titelfoto der ersten Ausgabe wurde im November 1976 gemacht, das dieser vorletzten Ausgabe im Oktober 2026 (es folgt noch am 8. Dezember die allerletzte Ausgabe, die Sonderausgabe).

Das Foto hat Bettina Flitner (Foto oben re) gemacht. Die Fotografin prägt seit 35 Jahren das Gesicht von EMMA. Ihre erste große Reportage erschien 1991 in dem Sonderband „Krieg“. Bettina war für EMMA nach Algerien gereist, am Vorabend des blutigen Bürgerkrieges, den Islamisten im Kampf um die Macht angezettelt hatten und der in zehn Jahren über 200.000 Menschenleben kostete.

Die EMMAs nach dem Titel-Shooting auf der Hohe Straße. Rechts Fotografin Bettina Flitner.
Die EMMAs nach dem Titel-Shooting auf der Hohe Straße. Rechts Fotografin Bettina Flitner.

Bettina hat Dutzende EMMA-Titel fotografiert, oft unter improvisierten, abenteuerlichen Umständen. Diesmal lief es harmlos. Treffen am 3. Oktober um 9.30 Uhr im Café Reichard, einen raschen Cappuccino, Aussuchen und Tauschen der Jacken und Mäntel und ab auf die Hohe Straße. Noch vor elf Uhr war der Titel im Kasten. In dieser Ausgabe ist eine dramatische Geschichte von Bettina über die Hexenjagd in Papua-Neuguinea und eine unglaublich tapfere Frau. Und in der letzten Ausgabe waren ihre so erschütternden wie anrührenden Fotos über den Reiterhof für Systemsprengerinnen (mit denen gerade Bettina besonders gut kann). Vor vier Jahren hat Bettina Flitner sich noch einen zweiten Beruf zugelegt: den der Schriftstellerin. 2022 erschien ihr autofiktionaler Roman „Meine Schwester“, 2025 folgte „Meine Mutter“. Bettina ist entschlossen, weiter zu schreiben – und weiter zu fotografieren. Sie ist gerade auf den Philippinen.

Cartoonistin Franziska Becker im Jahr 1995 mit einer ihrer klassischen Figuren.
Cartoonistin Franziska Becker im Jahr 1995 mit einer ihrer klassischen Figuren.

Franziska Becker war 41 Jahre die Haus-Cartoonistin von EMMA. Sie ist darüber hinaus die Chronistin des Feminismus und des alternativen Zeitgeistes geworden. Seit neun Jahren lebt sie halb in Amerika, wo auch ihr Ehemann lebt. Bis dahin war ihr monatlicher Zwei-Seiten-Cartoon in EMMA einfach unentbehrlich.

In den fünf Jahrzehnten ist EMMA von vielen und sehr unterschiedlichen Grafikerinnen gemacht worden. Und nach sehr verschiedenen Methoden. In den ersten 25 Jahren noch als Papierlayout, mit aufgeklebten Satzstreifen und eingezeichneten Fotos. Dann kam das Computerlayout. Himmlisch, wie einfach das war. Aber irgendwie nicht so sinnlich und lustig.

EMMA-Grafikerin Silvia Kretschmer aus Düsseldorf.
EMMA-Grafikerin Silvia Kretschmer aus Düsseldorf.

Seit zwei Jahrzehnten gibt es eine Kontinuität im Layout. Das ist Silvia Kretschmer und Irina Rasimus zu verdanken. Und dank Computer ging die Gestaltung des Heftes auch immer schneller.

Silvia reist für die Layouttage aus Düsseldorf an. Dort hat sie an der Fachhochschule ihr Handwerk, die „visuelle Kommunikation“, gelernt. Als Twen hat sie in Bands gespielt, Gesang und Gitarre. Ästhetisch blieb Silvia (ganz wie Alice) immer dem coolen Layout von Twen verbunden und Gestaltern wie Fleckhaus. Silvia gestaltet auch Bücher.

Irina hat es ganz nah. Sie wohnt bei EMMA um die Ecke, in der Kölner Südstadt. Als Irina zu EMMA kam, war ihr Sohn Levi noch nicht da. Sie ist die zweite Grafikerin, die bei EMMA ein Kind bekommen hat (für die erste haben wir eine Durchreiche in eine Wand geschlagen, damit die Mutter das Baby besser hören konnte; aber das ist eine längere Geschichte).

EMMA-Grafikerin Irina Rasimus wohnt um die Ecke in Köln.
EMMA-Grafikerin Irina Rasimus wohnt um die Ecke.

Leider brachte Irina Levi nur selten mit. Der malte dann in der Redaktion und war immer ein besonders liebenswürdiger Junge. Das ist er geblieben, aber inzwischen einen Kopf größer als seine Mutter. Irina hat ihr Aktionsspektrum erweitert und arbeitet heute neben ihrer Tätigkeit als Grafikerin als Beraterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Und Irina hat 2022 ein Buch über Essstörungen veröffentlicht.

Die erste Grafikerin von EMMA war 1977 Sonja Hopf. Die Malerin (und Grafikerin von Hara-Kiri, heute Charlie Hebdo) reiste aus Paris an und dachte sich das eigenwillige Gesicht von EMMA aus, das dann sehr im Gespräch war. Man konnte bei EMMA an den Rand schreiben. Und diese Sonja Hopf, die auf Sylt geboren ist, ist die Nichte der Malerin, die wir auf Seite 80 porträtieren. So klein kann die Welt sein. Und so nah die Geschichte.

BLEIBT MUTIG! EURE EMMAS

 

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