Eizell-Empfängerin: Volles Risiko

Foto: Sebastian Knoth
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Spenderinnen von Eizellen – egal in welchem Land – erfahren nur unzureichend, was da körperlich eigentlich auf sie zukommt. Das gleiche gilt auch für die Empfängerinnen von Eizellen.

Was viele Eizell-Käuferinnen nicht wissen: Schwangerschaften mit einem fremden Ei stehen von vorneherein unter einem schlechten Stern. Das hängt damit zusammen, dass ein Baby für die Mutter sowieso teilweise fremd ist, da der Embryo zur Hälfte die Gene des Vaters trägt. Mit 50 Prozent an körpereigenen genetischen Merkmalen schaffen es die meisten Schwangeren, dass das Kind nicht wie ein fremdes Organ abgestoßen wird. Aber dieses Toleranz-System ist auf Kante genäht. Sind alle Gene fremd – wie bei einer Eizellspende –, reagiert die Abwehr der Mutter regelmäßig deutlich aggressiver.

Die dann stimulierten Entzündungsprozesse durch Abstoßungszellen haben überdurchschnittlich oft zur Konsequenz, dass die Blutgefäße in der Plazenta – das ist der Mutterkuchen, durch den das Ungeborene mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird – regelrecht verkalken und mehr oder weniger „dicht“ machen. Damit muss die Mutter gegen den Druck der im Durchmesser kleineren Gefäße anpumpen. Die Folge ist ein sogenannter Schwangerschaftshochdruck, der sich zu einer Präeklampsie, also zu lebensbedrohlichen Krampfanfällen mit Schwellungen oder Ödemen und Eiweißverlust im Urin weiterentwickeln kann.

Ein Forschungsinstitut in den Niederlanden liefert dazu aktuelle Zahlen. Ein Vergleich von 7.089 Schwangerschaften nach Eizellspende mit 113.9540 natürlich zustande gekommenen und 72.742 Laborzeugungen ohne Eizellspende bestätigt diese Befürchtungen. Milde Präeklampsien waren um den Faktor fünf häufiger, wenn man Eizellspende mit natürlicher Empfängnis verglich. Schwere Präeklampsien kamen sogar fast siebeneinhalbmal häufiger vor!

Auch im Vergleich zu künstlichen Befruchtungen mit der eigenen Eizelle der Schwangeren waren solche Komplikationen etwa um den Faktor drei erhöht. Dies zeigt, dass die Eizellspende als solche eine künstliche Befruchtung noch einmal erheblich verkompliziert, was den Schwangerschaftsverlauf angeht. Alles in allem – so fassen
die Forschenden der Universitätsklinik in Amsterdam die Analyse zusammen – müsse jede sechste Schwangere nach einer Eizellspende mit einer Präeklampsie rechnen. Wurden mehrere Embryonen verpflanzt, war sogar jede dritte betroffen.

Das ist nicht alles. Deutlich häufiger als andere Schwangere müssen jene nach einer Eizellspende mit Verlusten fertig werden, weil sie ihr Ungeborenes verlieren. Aufgrund der Mangelversorgung im Mutterleib kommt es zudem überdurchschnittlich oft zu Frühgeburten. Die Geburten selbst sind ebenfalls eine Herausforderung und in hohem Maße Risikobehaftet: So müssen die Mütter unabhängig davon, wie viele Babys per Eizellspende gezeugt worden sind, öfter als sonst mit höheren Blutverlusten unter der Geburt rechnen. Aus der Analyse von drei Entbindungskliniken in Deutschland – die Schwangerschaften waren per Eizellspende im Ausland initiiert worden, die Patientinnen wurden jedoch anschließend während der Schwangerschaft hier in Deutschland betreut – geht hervor, dass knapp 40 Prozent der Schwangeren mit mehr als einem halben Liter Blutverlust rechnen müssen. 9 – 29 Prozent der Frauen sind zudem durch mehr als 1,5 Liter Blutverlust erheblich gefährdet und brauchen sofort massive Blutstillung bis hin zu Transfusionen.

Eine Eizellspende bedeutet also ein enormes Gesundheitsrisiko – für die Spenderin UND die Empfängerin. Reproduktionskliniken spielen dieses Risiko zu oft herunter, auch das haben Studien bereits ergeben. Hier geht es um einen Markt, nicht um Frauengesundheit.

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