Who you gonna call?
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Ghostbusters: Sind diese Frauen nicht witzig?

Selbst wenn das Ghostbusters-Remake so schlecht wäre, wie einige Kritiker behaupten, es hätte sich trotzdem schon jetzt gelohnt! In Amerika ist der Film angelaufen, in Deutschland startet er jetzt – und die Reaktionen, die sind ganz großes (Männer)Kino. Dank Ghostbusters haben wir mal wieder besser verstanden, wie es so steht um die Gleichberechtigung.

Die Feminazis haben meine Kindheits-
erinnerung ruiniert!

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Es gibt ein Remake der Ghostbusters-Kultfilme aus den 1980ern. Das Setting: Vier geisterjagende Vollnerds retten die Welt vor einer massenhaften Invasion von übersinnlichem Allerlei, meist sehr bunt, sehr übellaunig und sehr schleimig. Nur eine Kleinigkeit, die ist im Jahr 2016 anders. Peter Venkman, Raymond Stantz, Egon Spengler und Winston Zeddemore heißen jetzt: Abby Yates, Erin Gilbert, Jillian Holtzmann und Patty Tolan. Who you gonna call? Die Geisterjägerinnen!

Alleine die Bekanntgabe der weiblichen Hauptdarstellerinnen reichte in Amerika aus, um selbsternannte „Ghostbusters-Puristen“ zum Ausflippen zu bringen. Und zwar auf die Art und Weise, wie dreijährige Jungs ausflippen, wenn ihnen im Sandkasten ein Mädchen das Schippchen klaut. WÄHHHHHHHHHHHHH!!!!

„Der Film stinkt nach Feminismus!“ – „Das werde ich mir niemals ansehen!“ – „Frauen sind nicht witzig, warum spielen sie in Komödien mit?“ – „Furchtbar... Einfach nur furchtbar!“ – „Die Feminazis haben meine Kindheitserinnerung ruiniert!“. So oder so ähnlich klingen die Kommentare unter dem Trailer auf YouTube.

Innerhalb kurzer Zeit katapultierten die wütenden Amerikaner die Filmvorschau unter die am schlechtesten bewerteten Trailer aller Zeiten. Eine Million Mal Daumen runter. Bevor der Film überhaupt angelaufen war, fluteten sie zudem die Online-Filmportale mit Negativbewertungen. Das Statistik-Portal „FiveThirtyEight“ hat sich kürzlich die Mühe gemacht, sich diese Vorbewertungen auf der „Internet Movie Database“ mal anzusehen. 7.500 Männer gaben dem Film nur drei, 1.500 Frauen sieben Punkte.

Wen wundert dieser Geschlechter-Gap? Klar, auch Frauen sind Fans der Kultfilme von einst. Und auch Frauen sind mit der dazugehörigen Zeichentrickserie groß geworden (wie die Autorin dieses Textes). Und trotzdem könnte es ja rein theoretisch sein, dass Frauen es nett finden, wenn sie in einem solchen Kultfilm nicht immer nur die Nebenrolle spielen müssen - in diesem Fall als nervige Sekretärin oder geisterbesessene Liebhaberin.

Aber das ist, und das hat die Neuverfilmung von „Ghostbusters“ uns sehr anschaulich vor Augen geführt, auch im Jahr 2016 scheinbar noch zu viel verlangt. Denn seit der Film in Amerika angelaufen ist, eskaliert der Hass gegen die Hauptdarstellerinnen erst recht – vor allem gegen die schwarze Leslie Jones. Sie wird auf Twitter als „King-Kong“, „Affe“ und „Orang-Utan“ beschimpft.

Die Jungs hocken also seit Jahrzehnten mit ihrem roten, ihrem grünen, ihrem gelben und ihrem blauen Schippchen im Sandkasten, sprich: sie haben viel mehr Schippchen, als sie benutzen können – und geben den Mädchen trotzdem keins ab. Und sollte ein Mädchen Anspruch erheben, schlagen sie mit ihrer Schippe einfach zu.

Der Film stinkt nach Feminis-
mus! Werde ich 
mir nie ansehen!

Dass es überhaupt zu einer weiblichen Besetzung des Films kam, haben wir übrigens einem Mann zu verdanken: Regisseur Paul Feig. Als Sony wegen des Films an ihn herantrat, hatte er nur eine Bedingung: Er wollte den Film mit „den lustigsten Frauen besetzen, die ich kenne!“ Feig, der unter anderem Klamauk-Blockbuster wie „Brautalarm“ und „Spy – Susan Cooper Undercover“ gedreht hat, hatte dafür auch eine Erklärung: "Ich kann mich mehr mit Frauen identifizieren, weil ich mit so vielen Typen aufgewachsen bin, die mich gehänselt haben. Als meine Karriere dann ihren Lauf nahm, ist mir aufgefallen, dass Frauen nicht lustig sein dürfen."

Feig kritisiert darüber hinaus, dass die Filmindustrie lange Zeit nur männliche Konsumenten vor Auge gehabt hätte. Jungs, die, so formuliert es der Regisseur, „ihre Mütter hassen und Mädchen zwar mögen, aber nicht mit ihnen rumhängen wollen.“ Genau das will Feig ändern.

Ob dem Regisseur das im Fall von „Ghostbusters“ gelungen ist, können wir jetzt im Kino sehen. Reingehen, Mädels!

Alexandra Eul

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