Sexualgewalt: zum Beispiel Lyhanna
Der Täter, der 41-jährige Jerome B., ist selbst Vater zweier Kinder, seine Tochter war mit dem Opfer befreundet. Er ist in dem kleinen Ort Puycasquier in mindestens sieben Justizverfahren wegen sexueller Gewalt verwickelt. Die Ermittlungen gegen ihn wegen Vergewaltigung einer Siebenjährigen wurden 2022 eingestellt. Die wegen Missbrauchs einer heute Zwölfjährigen liefen seit 2015 ergebnislos. Als die Mutter des Mädchens mehrfach bei der Polizei nachhakte, drohten ihr die Beamten auf dem Kommissariat mit Anzeige, falls sie „nicht endlich Ruhe“ gäbe.
Die elfjährige Lyhanna war dem Täter in dem Städtchen in den Pyrenäen also schutzlos ausgeliefert. Man fand sie sechs Tage nach ihrem Verschwinden tot in einem Getreidesilo. Der Täter sitzt seither in Untersuchungshaft. Inzwischen wurden auch zwei Anzeigen gegen den Vater von Jerome B. von dessen Enkelinnen wegen Vergewaltigung, die niedergeschlagen worden waren, wieder aufgenommen.
Das ist keine Ausnahme in Frankreich. Aktuell liegen 70.000 Anzeigen wegen sexueller Gewalt von Kindern und jungen Frauen in den Schubladen. Unter dem Schock der landesweiten Proteste forderte Präsident Macron, dass diese Anzeigen bis zum 14. Juli wieder aufgenommen werden. Gesamt wird die Zahl der Kinder, die Opfer sexueller Gewalt werden, auf 160.000 geschätzt - im Schnitt drei pro Schulklasse. Wenig Grund zu feiern am 14. Juli.
Jetzt ist wieder von der „Vergewaltigungskultur“ in Frankreich die Rede, dieses Ohlala-Gerede von dem „Mann, der die Frauen liebt“ (wie nach den Affären Dominique Strauss-Kahn oder Adèle Haenel). Auch ist eine gewisse Pädophilenfreundlichkeit vor allem in der progressiven Kulturszene unübersehbar (wie im Fall Duhamel). Skandale in diesem Bereich ploppen immer wieder auf. Doch sie blieben bisher folgenlos.
Und dann vor wenigen Monaten der Schock wegen der sexuellen Übergriffe in den Vorschulen und Krippen (!) in Paris. 132 angestellte Erzieher wurden suspendiert. Und eine unabhängige Kommission hatte schon zuvor festgestellt, dass bei Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern über sechs von zehn Fällen das Verfahren eingestellt wird. Und nur drei von hundert Tätern werden beim sexuellen Missbrauch auch verurteilt.
Präsident Macron räumte „gravierende Missstände im Justizsystem“ ein. Ein schon geplantes Kinderschutzgesetz soll ergänzt werden, härtere Strafen sind vorgesehen. Bei Missbrauchsverdacht soll in Zukunft innerhalb von drei Monaten ermittelt werden.
Es ist kein Zufall, dass man Kindern so wenig glaubt. Seit der Benennung des Ausmaßes der sexuellen Gewalt durch Feministinnen ab der Mitte der 70er Jahre, hielten vor allem libertäre Kreise dagegen und bezichtigten die Kinder der Lüge und die ihnen beistehenden Therapeutinnen der Manipulation, des „Missbrauchs des Missbrauchs“. Das ändert sich allmählich. Den Kindern wird mehr und mehr geglaubt – aber noch lange nicht genug.
Wer kennt eigentlich die deutschen Zahlen der Opfer dieser mörderischen Ignoranz?
A.S.

