FUSSBALL
Ursula Lohn
Sie schoss für ihre Nationalelf die beiden entscheidenden Tore und legte damit die Grundsteine zum Jubel-Sieg über die norwegischen Titelverteidigerinnen. Ursula Lohn, die treffsichere Linksaußen aus Köln, hat ihre Kickerleidenschaft schon früh entdeckt.
Horst-Peter saß über einer Handarbeit und Ursula war draußen mit den Jungs beim Fußballspielen - Familienleben im Hause Lohn. "Ich habe alle meine Kinder ihr eigenes Leben führen lassen", sagt Mutter Hannelore, die in diesen Tagen nicht ohne Stolz auf das Ergebnis ihrer Erziehung blickt. Ihre Jüngste, die Ursula, genannt Uschi, schoss die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft im Finale zum Titel.
Mit zwei Toren, die ganz der Art der rheinländischen Stürmerin entsprechen: Erst umkurvte sie in Sololäufen alle, die sich ihr in den Weg stellten, dann zog sie entschlossen und mit kraftvollen Schüssen ab. "So war sie immer", weiß die Mutter, "wenn Uschi sich etwas in den Kopf gesetzt hat, münzt sie es auch in die Tat um. Dann setzt sie sich durch."
Auf der Straße hat Uschi Lohn das Kicken gelernt, mit den Brüdern ging es nachmittags in Köln auf die Bolzplätze: "Statt mit Puppen habe ich halt mit Bällen gespielt, seit ich laufen kann schon", sagt sie. Weil ihr Traum vom Tennisspielen für die Großfamilie zu kostspielig war, fing Uschi bei Fortuna Köln in der Frauenfußballmannschaft an.
"Ich war eher dagegen, hatte vor allem Angst vor Verletzungen", versuchte die Mutter der Tochter die Sache auszureden. "Ehrlich gesagt, ich fand das auch ein bisschen unästhetisch. Vor zehn Jahren dachte ich eben noch so."
Danach ging alles Schlag auf Schlag. Vom Verbandsligisten Fortuna Köln wechselte Uschi ins zehn Kilometer entfernte Brauweiler in die höchste Spielklasse, die Regionalliga. Ihren Jobais Fleischereifachverkäuferin gab sie auf, um unter für den Sport günstigeren Bedingungen (Freistellung bei Auswahllehrgängen) bei Mercedes Benz als Lageristin anzufangen.
Alles lief wie am Schnürchen - bis zu ihrer Verletzung: Mit einem doppelten Bänderriss schwor Uschi im Krankenhaus unter Tränen dem Fußballspielen ab. Und ausgerechnet die Mutter, die ehemalige Fußball-Gegnerin, stimmte sie um: "Kind, wird' erst mal gesund. Und wenn es dich glücklich macht, dann spiel Fußball ..."
Und Uschi hat trainiert, trainiert, trainiert. "Sie hat sehr hart an sich gearbeitet, "sagt Deutschlands Co-Nationaltrainerin Tina Theune-Meyer, "drei Mal pro Woche war sie beim Vereinstraining und zwei Mal trainierte sie zusätzlich für sich Sprint und Ballbehandlung." Nicht umsonst: vor einem halben Jahr wurde sie in die Nationalmannschaft berufen und gilt seit ihrem spielentscheidenden Tor im EM-Qualifikationsspiel gegen Dänemark als Senkrechtstarterin. Ihre Bilanz bisher: Vier Länderspiele, drei Tore.
Schon rechnet man mit Angeboten aus dem Lire-Paradies Italien, wo Frauenfußball professionell gespielt und nicht schlecht bezahlt wird. "Aber ich glaube kaum, dass Uschi in Brauweiler einfach so alles stehen und liegen ließe, dafür ist sie bei Grün-Weiß auch im Jugendbereich zu engagiert", meint Tina Theune-Meyer.
Uschi bleibt also vermutlich den heimischen Fans und Faninnen erhalten.
Beate Fechtig, EMMA 8/1989
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