Pascha des Monats
ROLAND NEF, Ex-Armeechef

Was ist schon groß dabei, wenn man die Ex-Freundin 18 Monate lang mit E-Mails und SMS drangsaliert? Was macht es schon, wenn man ihre Adresse und Telefonnummer in über fünfzig Sexanzeigen öffentlich macht und ihr so wildfremde Männer auf den Hals hetzt? Worüber sich die gesamte Schweiz bis hin zum Bundesrat wochenlang echauffierte, das fand der Schweizer Armeechef Roland Nef, der laut Polizeiprotokoll all dies tat, erstens seine "Privatsache" und zweitens "eine Bagatelle". Der Rest der Schweiz sieht das anders. Das Mannebüro Züri sprach von "Wahrnehmungsverzerrungen", die Therapeutin Julia Onken von "Unzurechnungsfähigkeit", und die Medien von einer "Männerphantasie aus dem 19. Jahrhundert". Also Rücktritt? "Keine Veranlassung", erklärte der 49-jährige Chef des helvetischen Männerbundes im Range eines Korpskommandanten. Erst auf Druck des Militär-Bundesrates Schmid bat der Stalker "enttäuscht" um Auflösung des Arbeitsverhältnisses. P.S.: Ein Gutes hat die Affäre: Die SchweizerInnen diskutieren nun erstmals, ob Nefs Nachfolger nicht eine Frau sein sollte.
Magazin
Nachfolgend eine kleine Auswahl aus den zwei Magazin-Seiten der aktuellen EMMA.
Sommer-Uni über Shoa

Traditionell werfen die Ehemaligen des KZs Ravensbrück, wo über 100.000 Frauen ermordet wurden, Blumen in den idyllischen See, der zwischen dem Lager und dem Ort liegt. Seit ein paar Jahren hat sich eine neue Tradition etabliert: die Sommeruniversität in Ravensbrück. Auch in diesem Jahr werden Antisemitismus- und Holocaust-Forscherinnen aus der ganzen Welt zu der Gedenkstätte kommen. Vom 15. bis zum 19.9.2008 geht es um die Erinnerung, und das, was sie im 21. Jahrhundert für Opfer, Kinder und Kindeskinder bedeutet. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung bis 29.8. www.ravensbrueck.de
Del & Phyllis

Sie haben ein halbes Jahrhundert auf diesen Augenblick gewartet. Kein Wunder, dass Del Martin, 87, und Phyllis Lyon, 84, die ersten auf dem Standesamt von San Francisco waren, um sich vor Bürgermeister Gavin Newsom das Jawort zu geben. Del & Phyllis gehören zu den sieben Frauen, die 1955 die erste Lesbenorganisation der USA ("Daughters of Bilities") gründeten. 53 Jahre später heirateten sie gemeinsam mit Hunderten anderen Frauen- und Männerpaaren aus ganz Amerika. Schon 2004 hatte Bürgermeister Newsom mit den Worten "Warum sollen homosexuelle Paare nicht die gleichen Rechte haben wie ich und meine Frau Kimberley?" seine Standesbeamten pünktlich zum Valentinstag angewiesen, von nun an auch Homo-Paare zu trauen. Gouverneur Schwarzenegger legte Beschwerde ein, was die Gerichtshöfe mal bestätigten, mal ablehnten. Nun hat das Oberste Gericht des Bundesstaats die Ehe für Del & Phyllis und die rund 100.000 kalifornischen Heiratswilligen geöffnet. Schon aber planen christliche Fundamentalisten eine Volksabstimmung, um die Verfassung des Bundesstaats zu ändern. Und ein Präsident Obama wäre vermutlich an ihrer Seite. Er sei zwar für die "Civil Union", also eine Art Eingetragene Partnerschaft, aber gegen die Homo-Ehe. Begründung: "Mein Glaube sagt mir, dass die Ehe etwas Heiliges zwischen Mann und Frau ist."
Jeanne Mammen in Bremen

Jeanne Mammen (1890–1976), Malerin der legendären 20er Jahre, richtet das Modersohn-Becker-Museum eine umfassende Retrospektive aus. Von der Französin in Berlin, die die Nazis in die innere Emigration trieben, werden nicht nur die bekannten Werke, sondern auch frühe Arbeiten aus ihrer Pariser Zeit und bisher unbekannte Skizzenbücher gezeigt. Die Ausstellung ist eine logische Fortsetzung der spektakulären Modersohn-Becker-Ausstellung im Frühling: Als Paula ihre Studien an der Pariser Academie Julian abschloss, nahm Jeanne ihr Studium dort auf. Jeanne Mammen läuft vom 7.9. bis zum 23.11.
www.pmbm.de oder T 0421/3365077.
In EMMA über Jeanne Mammen 6/1997
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Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben. Aktualisierte Neuausgabe der Biografie. (KiWi, 8.95 €)








