Wie darf's denn sein?
Kernig, burschikos, ungeschminkt
Was macht Frauenfußball attraktiv? Das hat die Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Daniela Schaaf von der Deutschen Sporthochschule Köln Sponsoren und SportjournalistInnen gefragt.

- Kommunikationswissenschaftlerin Schaaf: Was macht Frauenfußball attraktiv?
Was erwarten Sponsoren von den Fußballerinnen?
Ich habe sowohl mit Unternehmen gesprochen, die den Frauenfußball sponsern, aber auch mit solchen, die es nicht tun. Und letztere sagen, der Frauenfußball müsse „weiblicher“ werden. Aufgrund des harten Trainings haben die Spielerinnen ja durchaus eine muskulöse und stämmige Figur, was im Sinne der Sportart ist, aber nicht im Sinne unseres westlichen Schönheitsideals.
Einige Spielerinnen verkörpern das ja durchaus. Und es ist auffällig, dass der DFB gerade die wie Models präsentiert.
Ja, da hat es einen Generationenwechsel gegeben. Da sind einerseits die etablierten Spielerinnen wie Birgit Prinz, die diesem „alten“ Typus entspricht: kernig, burschikos, ungeschminkt. Und obwohl sie eine Top-Leistung bringt, sagen einige Sponsoren: „Wir finden sie ja sympathisch, aber das reicht uns nicht.“ Und dann gibt es da jetzt die sogenannten „jungen Wilden“ wie Fatmire Bajramaj, die geschminkt, gestylt und frisiert auf den Platz geht. Auch Spielerinnen wie Kim Kulig, Célia Okoyino da Mbabi oder Alexandra Popp in der U20 bringen „typisch weibliche“ Attribute mit, zum Beispiel lange Haare. Im Januar wurden die offiziellen Fernsehspots mit den Sponsoren gedreht, und da wurden genau diese Spielerinnen in die Frontlinie gestellt. Auch die Medien suchen sich, wenn sie über einzelne Protagonistinnen berichten, gern diejenigen aus, die dem klassischen Schönheitsideal entsprechen. Hier machen eben Männer Berichterstattung für Männer.
Ist es für die Sponsoren auch ein Problem, dass dem Frauenfußball das Image der Homosexualität anhaftet?
Für einige schon. Und das formulieren sie auch deutlich. Allerdings wollte sich die Mehrheit der Unternehmen, die nicht im Frauenfußball-Sponsoring aktiv sind, zu dieser Thematik nicht äußern.
Und die Journalisten?
Die sagen: Wir möchten die Person hinter der Spielerin vorstellen. Das können wir aber nur, wenn sie ein bisschen was über ihr Privatleben erzählt. Genau da machen aber die homosexuellen Spielerinnen zu. Das heißt, die Journalisten bevorzugen die eindeutig heterosexuellen Spielerinnen, weil sie mit denen ihre Homestories machen können. Und aufgrund dieser Medienpräsenz sind sie auch für Sponsoren wieder ein Stück attraktiver.
Über die zwei Coming Outs von Nationaltorfrau Nadine Angerer und ihrer Stellvertreterin Uschi Holl wurde allerdings sehr wohlwollend berichtet. Bild hat sogar eine ganze herzzerreißende Seite über Holls Hochzeit gebracht.
Es gibt durchaus auch Sponsoren, die sich als fortschrittlich präsentieren möchten, und für die ist der Frauenfußball dazu eine gute Möglichkeit. Argument: Sie seien weltoffen und tolerant, die sexuelle Orientierung spiele für sie keine Rolle. Dafür müssen sich solche Sponsoren in der Branche aber durchaus rechtfertigen. Auf Events, wo sie andere Unternehmensvertreter treffen, werden sie nach dem dritten Bier schon mal gefragt: „Warum um Himmels Willen macht ihr denn Frauenfußball? Die Lesben will doch keiner sehen!“
Aber die Zuschauerzahlen steigen doch rasant. Das WM-Endspiel Deutschland gegen Brasilien haben allein in Deutschland elf Millionen ZuschauerInnen gesehen.
Richtig, aber das Klischee scheint stärker zu sein. Hinzu kommt, dass hinter den Kulissen auch die Sportredaktionen nicht restlos begeistert vom Frauenfußball sind. In den Sportressorts wird der Frauenfußball oftmals dem jüngsten oder neuesten Kollegen zugeschoben. Die wurden mir dann als Ansprechpartner und Frauenfußball-Experten genannt, erklärten mir aber: „Ich interessiere mich eigentlich gar nicht für Frauenfußball.“ Die etablierten Sportjournalisten machen Männerfußball, also „richtigen“ Fußball. Ich habe eine große deutsche Zeitschrift um ein Interview zum Frauenfußball gebeten. Die Antwort war: „Ach, lassen Sie uns doch lieber über Spielerfrauen sprechen, das ist doch viel interessanter!“
Thema im Forum diskutieren
Die Berichterstattung über den Frauenfußball ist ja auch durchaus noch verbesserungswürdig.
Da hat sich durchaus einiges gebessert. Die WM-Endrunden-Spiele werden diesmal alle abends laufen. Und was die Bundesliga anbelangt: Seit etwa einem halben Jahr nimmt die Sportschau jetzt schon mal einen kleinen Spielbericht vom Wochenende rein. Das tut sie sicher auch mit Blick auf die WM im eigenen Land. Wir werden sehen, ob das nach dem WM-Hype wieder aufhört. Deshalb haben viele Sponsoren ihr Engagement jetzt zunächst mal auf die WM beschränkt und wollen danach noch mal entscheiden, ob sie weiter beim Frauenfußball bleiben.
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