EMMA-REDAKTEURIN CONTRA BORDELL-MANAGER
Viel Spaß beim Prostituieren
Am Montagabend war es mal wieder so weit. Eine EMMA-Redakteurin, diesmal Chantal Louis, hatte das zweifelhafte Vergnügen, im Fernsehen über Prostitution diskutieren zu dürfen. Neben Sabine Constabel, seit 20 Jahren Streetworkerin für Prostituierte in Stuttgart. Ihr gegenüber Michael Beretin, seines Zeichens „Marketing-Manager“ im Stuttgarter Laufhaus „Paradise“. Sowie Isabell Rozier, die es, wie sie berichtete, früher privat „für Pommes und ne Cola“ gemacht hat und daraus zwei Schlüsse zog: 1. Jetzt mach ich’s für Geld. 2. Noch besser, andere Frauen machen’s – und ich kassiere ab. Die Dame leitet einen Escort-Service, in dem 120 „Mitarbeiterinnen“ für sie anschaffen.

- EMMA-Redakteurin Chantal Louis in der Sat.1-Talkshow "EinsgegenEins".
Im Angebot der „Agenturchefin“ gibt es u.a. „Girlfriend-Erotik“, „Sadomaso“ und „griechische Erotik“ (sprich: Analverkehr). Und damit tut die Agenturchefin nicht nur ihrem Konto Gutes, sondern auch der Gesellschaft. Denn, so Rozier in der Sendung: Wenn Männer nicht zu Prostituierten gehen können, dann vergewaltigen sie. Denn sie haben nun mal nicht zu bändigende Triebe…
Bei Maischberger, die im März ebenfalls eine Sendung zum Thema machte, hatte Paradise-Besitzer Jürgen Rudloff noch persönlich über sein Gewerbe diskutiert und bei dieser Gelegenheit Alice Schwarzer verraten, dass es ihm „das Herz brechen würde“, wenn seine eigene Tochter in seinem Unternehmen tätig wäre. Was eine nicht wirklich geschäftsfördernde Bemerkung des sich honorig gebenden Stuttgarter Bürgers war, der seine Tochter auf eine Waldorfschule schickt und mit seinem „Paradise“ einen Monatsumsatz von 500.000 Euro macht.
Diesmal wartete Herr Rudloff lieber hinter den Kulissen der SAT.1-Sendung und schickte seinen Angestellten vor. Der verkniff sich immerhin mühsam das Lachen, als ein bekennender, verheirateter Freier im Publikum erklärte, warum er die Flatrate (also: einmal zahlen, unbegrenzt beliebig viele Frauen nutzen) bevorzugt: Weil er sich dann in Ruhe mit den Frauen unterhalten könne, was er am liebsten tut.
Da platzte Sozialarbeiterin Sabine Constabel der Kragen. Sie berichtete von den „Freiern, die vor den Flatrate-Bordellen Schlange stehen“ und „den Frauen, die mir erzählen: Nach dem Dritten habe ich nichts mehr gespürt.“ 90 Prozent der Frauen, die neu in der Prostitution anfangen, weiß Constabel, kommen aus Osteuropa. Ihnen blieben, nachdem sie Miete an den Bordellbetreiber und ihre Einnahmen an den Zuhälter gezahlt haben, fünf Euro pro Freier. Und eine zerstörte Seele.
Thema im Forum diskutieren
Deutschland ist eins der wenigen Länder in Europa, wo der Frauenkauf völlig legal ist und Zuhälter und Menschenhändler dank der rot-grünen Prostitutionsreform von 2002 quasi unbehelligt ihr Unwesen treiben können. Wann endlich wacht der Gesetzgeber auf? Die Christdemokraten planen für Juni ein Hearing zur Prostitution, zu dem auch Sabine Constabel eingeladen ist. Sie hat einiges zu erzählen, was den Berliner PolitikerInnen zu denken geben sollte.
EMMAonline, 22.5.2012
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