Kontroverse Schröder/Schwarzer
Bevölkerung & Kanzlerin pro Schwarzer - Politikerinnen kritisieren Ministerin
Knapp doppelt so viele der Befragten geben in dem Disput zwischen der CDU-Frauenministerin Kristina Schröder und der Feministin Alice Schwarzer der EMMA-Herausgeberin recht. Die hatte nach Schröders Interview im Spiegel gesagt, die Ministerin sei für ihren Posten „schlicht ungeeignet“. 45 Prozent der Deutschen halten laut Stern-Umfrage von forsa die aktuelle Frauenministerin ebenfalls für „nicht geeignet“. Selbst 37 Prozent der CDU-AnhängerInnen stimmen dieser Kritik zu. Und im Osten steigt die Kritik gar auf 52 Prozent. Nur 26 Prozent halten Schröder für „geeignet“. Und 29 Prozent der befragten Frauen und Männer hatten gar überhaupt keine Meinung zu der Ministerin, die seit einem Jahr im Amt ist. Damit herrscht in der Bevölkerung dasselbe Unbehagen wie bei den Politikerinnen über die Null-Politik der Ministerin, die sich bisher lediglich als Anti-Feministin profiliert hat.

- Kristina Schröder: Unbehagen in der Bevölkerung und unter Politikerinnen.
Die Politikerinnen (fast) aller Parteien äußerten sich kritisch zu Ministerin Schröder.So antwortete Kanzlerin Merkel auf Befragung: „Alice Schwarzer hat sehr viel für die Frauen in Deutschland und wahrscheinlich auch in Europa getan. Das, was ich heute sein kann, habe ich auch der Frauenbewegung zu verdanken.“ Und die CDU-Arbeitsministerin von der Leyen, Ex-Frauenministerin, schließt sich an: „Die Frauenbewegung hat den Frauen und dem Land genutzt. Als ich geboren wurde, durfte keine Frau ein eigenes Konto haben.“
Auch den Oppositionspolitikerinnen platzte der Kragen. Elke Ferner, die Bundesvorsitzende der SPD-Frauen, erklärte: „Frau Schröder scheint sich in der Rolle der Anti-Feministin zu gefallen. Das allein könnte ich ertragen – wenn die Dame nicht ausgerechnet Frauenministerin wäre. Das haben die Frauen in unserem Land nicht verdient.“ Und SPD-Vizechefin Manuela Schwesig, Ministerin in Mecklenburg-Vorpommern, fügte hinzu: „Soviel Unsinn im Zusammenhang mit Frauenpolitik habe ich lange nicht mehr gelesen! Es tut der Sache der Frauen heute überhaupt nicht gut, wenn die jungen Frauen und die Frauenbewegung von damals gegeneinander ausgespielt werden.“
Die Grünen-Chefin Renate Künast war über das Spiegel-Interview mit Schröder sogar „entgeistert“, fand es „krude und altbacken“. Und die Vize-Chefin der Linken, Katja Kipping, bescheinigte der CDU-Ministerin, „bar jeder Kenntnis“ zu sein. Denn, so Kipping: „Dem Feminismus ging es nie um Männerhass, sondern um den Kampf gegen das Patriarchat – also um Strukturen, die Frauen benachteiligen.“
Thema im Forum diskutieren
Nur Silvana Koch-Mehrin von der FDP – die 2007 noch eine „Streitschrift für einen neuen Feminismus“ veröffentlicht hatte – finde Schröders Kritik am Feminismus jetzt gut und erklärte: „Ich finde, Frau Schröder hat Recht. Wir sind über den klassischen Feminismus schon weit hinaus.“
Die Flut von Veröffentlichungen über die Kontroverse geht weiter. Endlich wird wieder über Frauenpolitik geredet!
EMMAonline, 18.11.2010
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