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Die Bauhäuslerinnen von heute

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Was die Künstlerinnen und Designerinnen des frühen 20. Jahrhunderts schon zu ihren Hochzeiten von ihren Kollegen unterschied, war: Sie durften nicht lehren, hatten also auch keine SchülerInnen, die die Erinnerung an sie wachhielten. Zwar wurde Anni Albers 1939 nach dem Weggang von Gunta Stölzl Leiterin der Webwerkstatt vom Bauhaus, bekam also einen wichtigen Posten. Aber das reichte nicht, um ihren Einfluss in der Kunstgeschichte zu sichern: Denn die Weberinnen in den Werkstätten verschwanden als zu „kunstgewerblich“ spurlos aus der Kunstgeschichtsschreibung. Marlen Hobrack stellt hier vier Künstlerinnen vor, die trotzalledem unübersehbar von Anni Albers geprägt sind.

Wallace & Sewell
Wer in London U-Bahn fährt, sollte entgegen der lokalen Bräuche ab und zu aufschauen und die Sitzbezüge betrachten. Die Chancen stehen gut, dass da die Arbeiten des bekannten Designteams Wallace Sewell zu sehen sind: Harriet Wallace-Jones und Emma Sewell, die seit über 25 Jahren zusammen arbeiten. Neben dem Stoff für die Subway liefern sie Teppiche, Kissen und Stoffe für bedeutende Museen. Anni Albers Einfluss ist, gerade was Farbe und Webtechnik anbelangt, unübersehbar.

Leonor Antunes
Die 1972 in Lissabon geborene Künstlerin beschäftigt sich intensiv mit der Designgeschichte des 20. Jahrhunderts. Formen verwandeln sich bei ihr in Skulpturen, hierfür verwendet sie Materialien wie Stoff und Seil. Neben traditioneller mexikanischer Handwerkskunst studierte sie auch das Werk von Albers genau. Beide reduzieren die Form auf geometrische Strukturen. 2011 zeigte sie in ihrer Ausstellung in Basel Skulpturen, die sie als „Übersetzungen“ der Webstoffe Albers in plastische Form bezeichnet.

Sheila Hicks
Hicks studierte von 1954 bis 1957 Malerei an der Yale School of Art. In Vorlesungen zu präkolumbianischer Kunst entdeckte sie ihr Interesse für Textilien. Es war Josef Albers, der den Kontakt zwischen Hicks und Anni Albers, deren Kunst ihr zuvor völlig unbekannt gewesen war, herstellte. Für Hicks sind Textilien eine universelle Sprache. Sie präsentierte Ausstellungen u. a. in Indien und dem Mittleren Osten. Kräftige Farben und Knotentechniken offenbaren den Einfluss traditioneller mexikanischer Kunst.

Ausstellungen
Erfurt/Angermuseum: Bauhausmädels. Arndt, Brandt, Heymann, Reichardt, 23.3. – 16.6.19; Köln/Museum für angewandte Kunst: Zwei Kölnerinnen am Bauhaus. Heymann-Loebenstein und Ahlfeld-Heymann, 12.4. – 11.8.19; Apolda/Kunsthaus: Ida Kerkovius. Über 80 Werke, bis 31.3.19

Weiterlesen
Patrick Rössler/Elizabeth Otto (Hg.): Frauen am Bauhaus – Wegweisende Künstlerinnen der Moderne ­(Knese­­beck, 35 €), Coxon/Fer/Müller-­Schareck (Hg.): Anni Albers (Hirmer), Anne-Kathrin Weise: Marianne Brandt (Weimarer Verlagsgesellschaft), Jana Revedin: Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus. Das Leben der Ise Frank (Dumont).

 

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