Kinofilm: Ein Sieg für Luisa
Für die 22-jährige Luisa ist es ein Schritt in die Selbstständigkeit: Sie wohnt nicht mehr zu Hause bei den Eltern, sondern in einer betreuten Wohngemeinschaft mit anderen behinderten Menschen. Sie arbeitet jeden Tag in einer Wäscherei. Und sie hat einen Freund, Anton. Mit ihm liegt sie manchmal zusammen, Hand in Hand. „Deine Haut ist so weich“, sagt Anton dann, berührt ihren nackten Arm und die beiden schmiegen sich eng aneinander. Luisa ist eine der BewohnerInnen, deren Behinderung nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, sie braucht nur wenig Hilfe.
Eines Tages verändert Luisa sich, zieht sich zurück. Lacht nicht mehr. Mag nicht mehr aufstehen und nicht mehr Bus fahren. Ist sie krank? Die Diagnose nach dem Arztbesuch schlägt ein wie eine Bombe: Luisa ist schwanger! Wie konnte das geschehen?
Es ist ein Frauenteam, das den einfühlsamen Film „Luisa“ über sexuelle Gewalt gemacht hat, die Frauen und Mädchen mit Behinderung noch viel häufiger trifft: Jede dritte erlebt Übergriffe, so eine Studie des Bundesfamilienministeriums. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Was tun, wenn die Worte fehlen für das, was passiert ist? Und die Autorität, glaubhaft zu sein?
Regisseurin Julia Roesler hat den Film mit ihrem Kollektiv „Werkgruppe 2“ gemacht, zu dem noch die Dramaturgin Silke Merzhäuser und die Musikerin Insa Rudolph gehören. Zu ihren bisherigen Arbeiten gehört ein Theaterstück über den Krankenpfleger Niels Högel, der Dutzende Patienten ermordete, und ein Dokumentarfilm über Bergarbeiterfrauen. Für ihren ersten Spielfilm haben die Frauen von der Werkgruppe 2 monatelang in Einrichtungen für behinderte Menschen hospitiert und selbst beobachtet, wie leicht Grenzen überschritten werden können. Sie haben mit PsychologInnen und Betreuerinnen gesprochen, mit Eltern von Opfern. Gedreht wurde in Hildesheim in einem leerstehenden Wohnheim, unter anderem mit dem Hamburger Ensemble „Meine Damen und Herren“, dem SchauspielerInnen mit und ohne Behinderung angehören. Der Film lebt auch von der lebendigen Darstellung der behinderten SchauspielerInnen, die als vielschichtige Persönlichkeiten gezeigt werden.
Die Luisa im Film, verkörpert von Celina Schaaf, hat Glück. Obwohl klar ist, es kann kein Mann von außen gewesen sein, gibt es in ihrer Einrichtung den Willen aufzuklären – nachdem zunächst über alle Warnsignale hinweggeschaut und eine kritische Pflegerin zum Schweigen gebracht wird. Auch Luisas Eltern sind präsent und kümmern sich um ihre Tochter. Und die ermittelnde Polizistin handelt einfühlsam. Als Luisa selbst entscheidet: „Ich will jetzt kein Kind“, wird unaufgeregt eine Abtreibung arrangiert. Am Ende steht ein Sieg: Luisa schafft es, den Täter zu benennen – und er wird bestraft.
„Luisa“ ist ab 23. April auf Kino-Tour (alle Termine hier) und wird auch im Lauf des Jahres in der Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ des ZDF zu sehen sein.


