Möller-Hasenbeck: Geht’s noch?!

Da hielt es Gabriele Möller-Hasenbeck nicht mehr auf dem Sitz: Sie stürmt zu Bernd Stelter auf die Bühne.
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Erst hat sie gepfiffen. Dann hat er sie aufgefordert, damit aufzuhören. Daraufhin ist sie auf die Bühne gestürmt und hat den Mann zur Rede gestellt. Sie ist eine Steuerberaterin aus Weimar und heißt Gabriele Möller-Hasenbeck. Und er ist der Karnevalist Bernd Stelter, und hat gerade einen Witz über Doppelnamen von Frauen gemacht (Kramp-Karrenbauer und so).

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Sie war nicht zum ersten Mal auf der Karnevalssitzung im Gürzenich, der guten Stube der Karnevalshochburg Köln. Und sie hatte sich auch zünftig gebrasselt: als Matrose. Und eigentlich lacht sie gerne. Aber das fand die Frau mit dem Doppelnamen jetzt einfach doof. Immer auf die Frauen! Auf die Männer ginge es nie (ihrer saß mit im Saal).

So wie bei den Jacketts von Merkel, erklärte sie dem Kölner Stadtanzeiger: „Ich habe noch nie gehört, dass jemand ein Wort über schlechte Kleidung männlicher Politiker verloren hätte.“

Recht hat Gabriele Möller-Hasenbeck!

Und dass sie einfach so nach vorne gestürmt ist, obwohl sie doch keine Rheinländerin, sondern eine Thüringerin ist – das ist doch toll. Davon kann so ein Karnevalist wie der Stelter doch nur träumen, oder? „Ich weiß nicht, was er sonst für eine Presse hat. Aber so eine Aktion gab es bestimmt noch nie", kommentiert sie jetzt.

Recht hat Gabriele Möller-Hasenbeck.

So weit, so komisch. Doch jetzt kommt der Skandal: GMH, die extra nach Köln gefahren war, um über die Scherze der Büttenredner (Büttenrednerinnen gibt es kaum) zu lachen und den nicht knappen Eintritt in den Gürzenich bezahlt hat – GMH wurde aus dem Saal gewiesen. Echt. Und ihr Mann gleich mit. Sippenhaft. (Vorschlag von der EMMA-Redaktion: Zu Gürzenich-Sitzung 2020 wird GMH nebst Gatten auf Kosten der Veranstalter eingeladen. Das wäre das mindeste.)

Und dann hat der Tapfere auch noch einen Shitstorm abgekriegt. Stil: „Hast du deine Frau nicht im Griff?“ Und: „Lass dich von der Alten scheiden!“ Sie übrigens auch, Stil: „Beleidigte Leberwurst“ oder „Tickt die Alte noch richtig?!“

Aber nun kommt es noch schlimmer: Der WDR erwägt, heißt es, die Szene bei der Ausstrahlung für Rosenmontag (20.15 Uhr ARD) rauszuschneiden.

Nee, Jungs und Mädcher, das kann doch nicht euer Ernst sein! Habt ihr denn ganz vergessen, dass wir in Köln sind? Und dass Karneval ist? Und dass genau das endlich mal wirklich komisch ist!

Gabriele Möller-Hasenbeck: Alaaf!
 

PS vom 27. Februar (ein Tag vor Weiberfastnacht) Eben erfahren wir, dass der WDR entschieden hat, die Intervention von GMH zu zensieren. Sie wird in der Ausstrahlung der Karnevalssitzung am Montag um 20.15 Uhr nicht zu sehen sein. Was aus vielerlei Gründen äußerst bedauerlich ist. Nicht zuletzt, weil das vermutlich die komischsten Minuten der ganzen Karnevalssendung sind! Der Sender ist sich nicht zu blöd, die Zensierung der "Störung der Rede Bernd Stelters durch eine Zuschauerin" mit technischen Gründen zu erklären: "akustisch teilweise unverständlich". Wie arm ist das denn?! Den Öffentlichen scheint der Sinn für Spontaneität, Improvisation und Humor nun vollends verloren gegangen zu sein. Liebe Närrinnen und Narren: Wie wär's mit einem Gebührenboykott für die Bürokraten?

In diesem Sinne: Dreimal GMH alaaf! Wiever alaaf! Kölle alaaf!
 

 

 

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