Maya Gabeira surft Männern davon

Maya Gabeira surft zum Weltrekord. Foto: imago images
Artikel teilen

Es ist die perfekte Welle, es ist der perfekte Tag. Am 11. Februar lässt sich Maya Gabeira vom Jetski aufs wilde Meer hinausziehen. Die 33-jährige Brasilianerin ist eine Profisportlerin im Big Wave Surfen, die Riesen haben es ihr angetan. Nicht die Länge eines Wellenritts entscheidet über Rekorde, sondern die Höhe der bezwungenen Welle. Gabeira ist die beste unter den Frauen. Jetzt will sie mehr. Die höchste Welle, den Weltrekord - und zwar für beide Geschlechter.

Anzeige

Als Frau auf dieser Position zu sein, ist ein wahrgewordener Traum

Der Strand im portugiesischen Küstenort Nazaré ist an diesem Tag voll von internationalen Sportmedien und ZuschauerInnen. Meterhohe Wellen türmen sich auf. Maya wartet. Da kommt sie, „ihre“ Riesenwelle. Maya fährt mitten in sie hinein - und fährt und fährt… Der Anblick ist atemberaubend.

Ein Fehler und die Welle könnte ihr das Kreuz brechen. Gemessen werden 22,40 Meter: Weltrekord im Frauensurfen. Und: Weltrekord auch unter den Männern. Der beste Mann schafft es an diesem Tag nur auf 21,3 Meter. Der Weltrekord wurde allerdings erst jetzt bestätigt, sieben Monate später. Die World Surf League (WSL) brauchte also auffällig lange. Wo sonst Videoaufnahmen und Fotos für die Berechnung innerhalb weniger Tage reichen, wurden nun wissenschaftliche Messtechniken aus der Erdbebenforschung hinzugezogen. Bei einem Mann wurde übrigens noch nie so genau nachgemessen. Aber der Weltrekord durch eine Frau war wohl ein kleines Erdbeben für die World Surf League, und da wollte Mann lieber sicher gehen, dass er auch wirklich stimmt. Schon als Gabeira 2018 den bisherigen Frauen-Weltrekord mit 20,7 Metern aufstellte, musste sie zuerst eine Petition starten, bevor die WSL den Rekord anerkannte.

Sieben Monate brauchte die World Surf League, um Mayas Weltrekord anzuerkennen

Schlussendlich wurde der Weltrekord nun anerkannt und Maya Gabeira zur Besten aller Surfer und Surferinnen 2020 gekürt. „Als Frau in dieser Position in einer männerdominierten Sportart zu sein, ist ein wahrgewordener Traum“ sagte sie.

2013 war Nazaré, 100 Kilometer nördlich von Lissabon und das europäische Zentrum des Big Wave Surfens, ihr Albtraum. Sie stürzt bei der Jagd nach einem Rekord auf einer Megawelle. Ihr rechtes Wadenbein wird zertrümmert, ihre Rettungsweste weggerissen. Sie verliert ihr Bewusstsein und treibt mit dem Gesicht im Wasser an der Oberfläche. Doch sie wird von ihrem Surfpartner gerettet.

 

Ihr Kampf zurück in den Big Wave Zirkus war lang und schmerzhaft. Auch außerhalb des Krankenhauses. „Frauen haben einfach nicht den Körper und die Fähigkeiten für diesen Extremsport“, hieß es hämisch aus der Profi-Szene, die froh darüber war, eine Konkurrentin weniger zu haben. Doch 2015 ist Maya zurück an der Weltspitze und 2020 im Olymp. Über den Sieger unter den Männern spricht in diesem Jahr niemand. Die große Welle, die nun durch die Medien schwappt, gehört allein Maya.

Nach dem Wettkampf sagte sie: „Das Surfen gibt mir ein Gefühl von Macht: Sich als Frau in dieser Umgebung zu behaupten und die Energie des Ozeans zu spüren, ist der Wahnsinn!“

Anzeige
Anzeige

Artikel teilen

Die surfende Feministin

Artikel teilen

Anzeige
Weiterlesen
 
Zur Startseite