Proteste in Iran: Welch ein Mut!
„Tod dem Diktator!“ rufen die Menschen auf den Straßen Irans. Es gibt kein Halten mehr. Diese Massen können nicht niedergeschlagen werden. Auch wenn das Regime mit aller Härte vorgeht, mit Schrotkugeln in die Menge schießt und mit Tränengas sprüht. Eine Million Männer sollen bei den regimetreuen „Revolutionsgarden“ bewaffnet sein. Das Internet wurde abgeschaltet, auch das Telefonieren ist eingeschränkt. Und trotzdem kommen per Social Media Bilder und Videos aus dem Land heraus. Am Donnerstagabend erreichten die Proteste ihren ersten Höhepunkt. Gebäude der Revolutionsgarde sollen angezündet worden sein. Demonstrierende sollen sich Prügeleien mit den Mullah-Schergen geliefert haben. Die Tagesschau hielt es nicht für notwendig, darüber zu berichten. Generell berichten westliche Medien zögerlich. Warum? Vielleicht aus dem Grund, weil dort Menschen gegen das Kopftuch kämpfen, während bei uns von "links-woke" für das Kopftuch gekämpft wird? Noch dazu gibt es Unterstützung aus den USA. US-Präsident Donald Trump drohte den Mullahs am Freitagmorgen erneut, die Demonstrierenden zu unterstützen.
Seit knapp zwei Wochen gibt es schwere Unruhen im Iran. Mindestens 45 Menschen sind von der Revolutionsgarde bis heute getötet worden, darunter vier Kinder. Über 2.000 wurden verhaftet. Allein 2025 wurden 1.500 Menschen hingerichtet.
Der Iran steckt seit 15 Jahren in einer Wirtschaftskrise mit starker Inflation. Als am 28. Dezember die iranische Währung Rial auf einen Rekordtiefstand fiel, machten Händler und Ladenbesitzer im Großen Basar ihrem Unmut Luft. Ganz zu schweigen von den Menschen, die sich durch die massive Geldentwertung das Notwendigste kaum noch leisten können. Hinzu kommt das tägliche Drangsaliert-Werden der Frauen durch die „Sittenpolizei“. Die Wut der Bevölkerung auf die Mullahs wächst und das flächendeckend. An vorderster Front: die Frauen. Mit ihrem Aufbegehren hatte alles angefangen. Der Tod von Mahsa Jina Amini gilt als Wendepunkt für das Land. Am 16. September 2022 starb die 22-jährige Studentin an den Folgen der Schläge auf den Kopf durch die Sittenpolizei. Der Vorwurf: Ihr Kopftuch saß „zu locker“. Mahsas Tod war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Die Frauen sind das Herz der Bewegung und der aktuellen Aufstände
Die „Frau-Leben-Freiheit“-Bewegung war geboren. „Die Frauen sind das Herz dieser Bewegung und der aktuellen Aufstände. Sie kämpfen gegen ein archaisches Herrschaftssystem, das Körper, Leben und Zukunft von Frauen kontrollieren will“, sagt Hourvash Pourkian, Vorsitzende der FIF Frauenpartei, die im April 2025 von iranischen, afghanischen und deutschen Frauen gegründet wurde. Sie warnen Europa eindringlich vor islamistischer Unterwanderung auch mitten in Europa und vor Konzessionen an Scharia-Regeln.
„Das Regime konnte irgendwann die Unzahl an Frauen, die den Schleier abgesetzt haben, nicht mehr unterdrücken“, sagt auch die gebürtige Iranerin Hellen Nosrat, die seit vielen Jahren in Köln lebt und sich für die Rechte der iranischen Frauen einsetzt. „Die Frauen haben Städten und sogar Dörfern ein neues Gesicht gegeben. Sie haben die Menschen in Bewegung gebracht, sie sind der Motor.“
https://x.com/sardar_pashaei/status/2008256149116903689?s=20
Eine der lautesten internationalen Stimmen in diesen Tagen ist Masih Alinejad, die in den USA im Exil unter Polizeischutz lebt. Die iranische Journalistin appelliert an die Weltgemeinschaft: „Steht endlich auf für die Menschen im Iran, steht auf für die Frauen! Das Regime führt einen Krieg gegen das iranische Volk!“ Masih ist erbost über die Heuchelei linker Politik und westlicher Queer-Feministinnen. In der US-Talk Show “Bill Maher” sagte sie: “Wo sind die Pro-Palästina- und, wo die 'AntikriegsaktivistInnen', wenn das iranische Regime unschuldige Menschen tötet? Wo ist die Solidarität mit den Frauen?“ fragt sie und ergänzt: „In Europa schreien sie lieber Islamophobie. Ihr verbeugt euch vor den Taliban, ihr verbeugt euch vor den Mullahs und ihr verratet die Frauen! Was für Heuchler seid ihr eigentlich?“ Seit Jahren prangert Alinejad die verheerende Identitätspolitik der Linken an, die ihr sogar in den USA den Mund verbieten wollen und die nicht wissen, was es heißt, unter der Scharia zu leben. „Sie sagen mir, ‘Sag nichts zu den Frauen im Iran, sag nichts zum Kopftuch, damit verursachst du Angst vor dem Islam‘. Nein! Die, die uns auspeitschen, drangsalieren, verhaften und erhängen, weil wir kein Kopftuch tragen, die verursachen Angst!“
Auch die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi wurde wieder ins Gefängnis gebracht. Bei einer Gedenkveranstaltung für den Menschenrechtsanwalt Khosrow Alikordi am 12. Dezember wurde sie von iranischen Sicherheitskräften verhaftet und mit einem Knüppel heftig gegen Kopf und Hals geschlagen, schrieben Familienangehörige auf X. Wie es ihr aktuell geht, ist nicht bekannt, sie darf nicht telefonieren.
In den Sozialen Medien wird darüber berichtet, dass in den kommenden Tagen landesweite Generalstreiks stattfinden sollen.
Ihr verbeugt euch vor den Taliban und Mullahs, und ihr verratet die Frauen!
Umso bezeichnender ist auch das Schweigen in Berlin. Weder der Bundeskanzler noch die Bundesregierung oder die deutsche Außenpolitik haben bislang ein klares Statement zur Unterstützung der Protestbewegung im Iran abgegeben. Und auch aus der hippen Berliner Queerszene ist nichts zu hören.
„Der Iran exportiert den Islamismus weltweit, mit riesigen Budgets für islamische Zentren, zum Beispiel in London und Deutschland. Letztes Jahr hat Deutschland einige geschlossen, aber es gibt noch viele. Im Westen steigt die Zahl der Kinderehen, es wird gefordert, Scharia-Gesetze in Schulen anzuwenden, Männer und Frauen zu trennen. Im Namen von kulturellem Relativismus und Islamophobie werden universelle Werte angegriffen“, klagt Masih Alinejad im Interview mit der Welt. Erst im Juli 2024 wurde die Blaue Moschee mit ihrem "Islamischen Zentrum", einem verlängerten Arm des iranischen Mullah-Regimes, in Hamburg geschlossen (EMMA berichtete).
Alinejad wünscht sich – wie wohl die meisten Iranerinnen - eine Demokratie. Manch andere - wie die Frauen von Femmeazadi auf Instagram - wünschen sich wieder eine Monarchie und den Sohn des 1979 verjagten Schahs Mohammed Reza Pahlavi zurück. Sein ältester Sohn, Reza Pahlavi, sagt heute: „Ich stehe zur Verfügung.“ Er wird in der Tat von manchen IranerInnen als Hoffnungsträger für einen säkularen, demokratischen Wandel gesehen und - noch dazu von den USA favorisiert, wo er im Exil lebt. „Ich glaube, dass er von den Amerikanern als Protagonist aufgebaut wird, aber andere Leute die Fäden in der Hand halten werden oder ihm jemand zur Seite gestellt wird. Es könnte in einer säkularen Regierung, einer parlamentarischen Monarchie münden, die den Islam im Grundgesetz verankern wird. Von echter Selbstbestimmung wären die Frauen dann noch immer ein gutes Stück entfernt“, sagt Hellen Nosrat. Doch: „Schlimmer als unter den Mullahs kann es nicht werden.“
Der seit 1979 währende Kampf der Frauen gegen den Gottesstaat geht weiter - und braucht dringend Unterstützung.
Am Samstag, den 10. Januar, will das Kölner „Bündnis zur Verteidigung des Iranischen Volkes“ für die Menschen im Iran demonstrieren. 14 Uhr, Breslauer Platz

