Liebe Lehrerinnen, ihr werdet zensiert!

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Was war an der Anzeige von EMMA für die E&W, das Organ der als fortschrittlich geltenden LehrerInnengewerkschaft GEW, so falsch? Was inhaltlich so ungeheuerlich, dass der Verlag die Veröffentlichung der Anzeige ablehnte? Denn das ist in 42 Jahren EMMA bisher nur einmal passiert. Und das ebenfalls bei der Zusammenarbeit mit E&W. Doch dazu später.

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Unsere heutige Anzeige zeigte das EMMA-Cover, bot ein Probe-Abo zum halben Preis an und zitierte die drei Lehrerinnen, die in der aktuellen Ausgabe über ihre Arbeit in Brennpunktschulen mit 95 % Kindern mit Migrationshintergrund sprechen mit den folgenden Worten:

„Es gibt Kinder, die denken, Deutschland wäre ein muslimisches Land“, sagt die Eine. „Vor etwa 15 Jahren ist das Ganze gekippt“, sagt die Andere. „Die Mütter tragen seither Kopftücher und die Kinder können kein Deutsch mehr.“ Und die Dritte hat eine Idee: „Warum machen wir nicht einen Monday for Schools? Wir boykottieren den Unterricht, bis sich was bewegt.“

Alle drei sind Lehrerinnen, die sich besonders für die Kinder engagieren. Sie arbeiten in Brennpunktschulen in Frankfurt, Kassel und Köln. Sie tun weitaus mehr als ihre Pflicht für ihre Kinder. Sie hängen sich richtig rein! Und sie schaffen es sogar, „ihre“ Kinder mitzunehmen. Aber sie werden allein gelassen.

Allein gelassen von so manchen KollegInnen und von den Schulämtern. Die wollen nur eines: ihre Ruhe haben.

Die Frau ist nackt! Der von der GEW abgelehnte EMMA-Titel.
Die Frau ist nackt! Der abgelehnte EMMA-Titel.

Über all diese Probleme reden die drei Lehrerinnen in EMMA ungewohnt offen und ehrlich. Und sie haben auch Lösungsvorschläge! Aber das dürfen die in der GEW organisierten LehrerInnen offensichtlich nicht erfahren. Dem Verantwortlichen vom Stamm-Verlag schien die EMMA-Anzeige „zu einseitig“.

Übrigens: Es ist nicht das erste Mal, dass der Verlag der E&W die EMMA zensiert. Im November 2016 lehnte er schon mal eine Anzeige ab. Da ging es nicht um Lehrerinnen, sondern um Künstlerinnen, genauer: um die feministische Avantgardekünstlerin Lynda Benglis aus den USA (siehe Cover links).

„Die Anzeige mit der nackten Frau veröffentlichen wir nicht“, beschied Herr Müller vom Stamm-Verlag damals die EMMA-Anzeigenabteilung. Das habe „der GEW-Vorstand abgelehnt“.

Liebe Lehrerinnen und Lehrer der GEW, bei so einer bevormundenden, zensierenden Gewerkschaft hilft nur noch eines:

EMMA lesen!

 

 

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In der aktuellen EMMA

Lehrerinnen fordern: Handelt endlich!

Julia Wöllenstein, Ingrid König und Ute Vecchio: "Es wird nicht besser, sondern immer schwieriger." - Foto: Bettina Flitner
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Sie kamen zu dritt und hatten einiges zu erzählen. Darüber, was sie an ihren Schulen erleben und was dort alles schiefläuft. Aber auch: was gut läuft. Mit beidem sind sie an die Öffentlichkeit gegangen. Zwei von ihnen, Ingrid König und Julia Wöllenstein, sind so besorgt über die Zustände, dass sie sogar ein Buch geschrieben haben: „Schule vor dem Kollaps?“ und „Von Kartoffeln und Kanaken“. Die dritte in der Runde, Ute Vecchio, hat sich mit ihrer Flüchtlingsklasse für die Filmdoku „Klasse Deutsch“ von einem Kamerateam begleiten lassen.

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Wir EMMAs hatten ja schon einiges gehört, als wir im Herbst 2017 für unser Dossier „Problem Schule“ mit zahlreichen Lehrerinnen gesprochen haben. Marode Gebäude, vernachlässigte Kinder oder muslimische SchülerInnen, die einen Film über Darwin ausbuhen, weil „Allah die Welt erschaffen hat“.

Ein großes Problem: Die völlig getrennten Welten

In dem Gespräch mit Ingrid König, Julia Wöllenstein und Ute Vecchio aber waren wir - Alice Schwarzer und Chantal Louis - regelrecht schockiert. Und zwar vor allem über die völlig getrennten Welten, in denen die Brennpunkt-SchülerInnen – von denen 98 Prozent einen Migrationshintergrund haben – und die deutschen SchülerInnen leben. Und auch von gleichgültigen oder resignierten KollegInnen. Oder von der repressiven Rolle der Schulbehörden, die nur eines wollen: keinen Ärger.

„Meine Kinder meinen ernsthaft, Deutschland sei ein muslimisches Land, in dem auch ein paar Christen leben“, berichtete Ingrid König von ihrer Frankfurter Grundschule. Und Julia Wöllenstein aus Kassel erzählte von einem Theatertreffen mit anderen Schulen, nach dem sich ihre Schülerinnen wunderten: „Wir wussten gar nicht, dass es so viele blonde Kinder mit blauen Augen gibt!“

Die drei erzählten von Kindern, die kaum Deutsch können, und Eltern, denen das egal ist. Aber sie berichteten auch von ihrem erfolgreichen Engagement für diese Kinder und ihrem Kampf darum, dass die Gesellschaft endlich hinschaut. „Man engagiert sich halt, weil einem diese Kinder am Herzen liegen,“ sagt Julia Wöllenstein.

Das ganze Gespräch in der aktuellen EMMA.  Am Kiosk und im EMMA-Shop!

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