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Frauen & Geld

Natascha Wegelin: "Jeder und jede kann wissen, was die auf Papier gedruckten Klauseln bedeuten." - © Jacqueline Häußler
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Aus Schaden kann frau ziemlich klug werden. Natascha Wegelin jedenfalls ist klug geworden, und mit ihrer Hilfe sollen noch Tausende andere Frauen ebenfalls klug werden.

Es war vor gerade einmal fünf Jahren, da wurde Natascha Wegelin ausgerechnet von einer Frau über den Tisch gezogen, finanziell gesehen. Die damals 28-jährige Natascha, obendrein noch studierte Betriebswirtin, hatte sich von einer Versicherungsvertreterin einen Privat-Rentenvertrag aufschwatzen lassen, von dem aber erst mal die Versicherung und diese Vertreterin durch hohe Provisionen über viele Jahre hinweg profitieren würden. Erst geschlagene drei Jahre später kam Natascha Wegelin nach genauerem Studium des Kleingedruckten ihrer Versicherungsunterlagen hinter dieses „Geheimnis“, das aber gar keines war: Bei diesem Rentenvertrag hätte sie über die gesamte Laufzeit etwa 30.000 Euro an Provisionen bezahlt – und damit nicht angespart.

Heute ist die 32-Jährige schlau geworden und sagt: „Jeder und jede kann wissen, was die auf Papier gedruckten Klauseln bedeuten und was mit ihrem Geld passiert. Man/frau müsste es nur wissen wollen. Ich jedenfalls beschloss damals, meine Finanzen fortan selbst in die Hand zu nehmen, kündigte alle Verträge und mache meine Vorsorge nun komplett selbst.“

Dass vor allem Frauen mehr wissen wollen sollten über das Kleingedruckte, ihre Finanzen, ihr Ausgabeverhalten, ihre finanziellen Aussichten bis zum Rentenalter, ist klar. Sie sollten sich beizeiten Gedanken machen und sich über ihre oft fahrlässige Ignoranz ihrer finanziellen Angelegenheiten wortwörtlich Rechenschaft ablegen. So lautet das Credo und die Mission von Natascha Wegelin. Sie hat sich seit zweieinhalb Jahren mit ihrem Blog www.madamemoneypenny.de einer Aufklärungsarbeit verschrieben, die sich für viele Frauen sowohl finanziell als auch im besten emanzipatorischen Sinn auszahlt.

Ihre eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse nebst denen ihrer Klientinnen aus Nataschas Seminaren und ihrem Moneypenny-Forum – übrigens einer der Top-15-Finanzblogs hierzulande – hat Wegelin in ihrem neuesten Buch zusammengefasst: „Madame Moneypenny. Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können.“

Warum sie sich geradezu missionarisch engagiert? „Weil ich die Geschichten von Frauen, die das nicht tun und früher oder später den großen Knall erleben – Jobverlust, Trennung, Krankheit etc. – nicht länger hören will. Weil ich daran glaube, dass Frauen ein Leben vollkommen nach ihren eigenen Vorstellungen leben sollten und sie auch in diesem Daseinsbereich das für sich beanspruchen müssen, was ihnen zusteht: Sorgenfreiheit, Selbstbestimmtheit und letztlich finanzielle Unabhängigkeit.“

In dieser Hinsicht schaut es bei vielen Frauen nach wie vor recht düster aus. Nicht nur Natascha Wegelin, auch erfahrene Finanzberaterinnen wissen immer wieder von Geschlechtsgenossinnen zu berichten, selbst von beruflich durchaus erfolgreichen und gutverdienenden, die ausgerechnet in Finanzdingen das „Cinderella-Syndrom“ aufweisen. Natascha Wegelin: „Besonders wenn es ums Geld geht, benehmen sich viele Frauen wie Prinzessinnen. Dann wollen sie auf einmal beschützt und versorgt werden. Sie übergeben die Verantwortung für ihre privaten Finanzen lieber ihren Männern.“

Als ob, so fügt sie hinzu, Männer schon per Genstruktur ein besserer Umgang mit Geld angeboren sei. Dass das mitnichten der Fall ist, das hat zum Beispiel eine Seminar-Teilnehmerin aus Stuttgart leidvoll erlebt: „Sie sagte: ‚Tja, mein Mann hat immer unsere Finanzen geregelt. Geregelt. Er hat alles an der Börse verzockt, süchtig nach dem Kick. Wir haben alles verloren. Ich musste einen riesigen Kredit aufnehmen. Ich bin nur noch bei ihm, weil ich mir das Alleinleben anders finanziell nicht leisten kann.‘“ Natascha Wegelin sagt klar: „Du musst dir bewusst machen, dass es keine Alternative gibt. Entweder du kümmerst dich um dein Geld oder jemand anderes tut es.“

Wenn es um Vermögensaufbau und Altersvorsorge geht, ist Natascha Wegelin inzwischen eine Art Finanz-Lebensberaterin mit wachsender AnhängerInnen-Schar. Sie erklärt Finanzthemen auf leicht verständliche, auch für Finanz-­Analphabetinnen nachvollziehbare und unterhaltsame Weise. Hauptberuflich war sie die Geschäftsführerin des von ihr gegründeten Internetportals www.wgsuche.de, das sie dann aber an „Immobilienscout.24“ verkauft hat. „Das Geld, das ich zurzeit durch Buchverkäufe und Seminare für Madame Moneypenny einnehme, fließt direkt zurück in dieses Projekt.“

Wegelin erklärt ausführlich, wie Indexfonds funktionieren oder wie sie es schafft, knapp 40 Prozent ihres Einkommens zu sparen. Mit praktischen Tipps – Sparziele setzen, Haushaltsbuch führen, Fixkosten senken – versucht sie, Frauen davon zu überzeugen, wie wichtig es ist, sich um die eigenen Finanzen zu kümmern, um unabhängig zu werden und zu bleiben. „Hochrechnungen zufolge wird bei bis zu 75 Prozent der heute 35- bis 50-jährigen Frauen die gesetzliche Rente unter dem jetzigen Hartz-IV-Niveau liegen“, erklärt Wegelin. Also bei weniger als 400 Euro pro Monat. Um das zu verhindern, gibt es nur eine Lösung: Sich frühzeitig kümmern und so weit wie möglich finanziell unabhängig werden – vom Staat und vom Partner.

Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer und legen im Verhältnis noch weniger Geld auf die hohe Kante. Aber jegliche finanzielle Autonomie beginnt mit Sparen und einem eigenständigen Vermögensaufbau.

So empfiehlt Wegelin ihren Leserinnen zum Beispiel, sich vom Partner finanziell entschädigen zu lassen, wenn die Frauen weniger arbeiten, um sich um das gemeinsame Kind zu kümmern. Möglich ist das beispielsweise mithilfe des Drei-­Konten-Modells. Dabei fließen die Einnahmen der Eltern auf ein Gemeinschaftskonto, von dem Miete, Lebensmittel, Ausgaben fürs Kind und andere gemeinsame Anschaffungen beglichen werden. Was übrig bleibt, wird zu gleichen Teilen auf die persönlichen Konten der Frau und des Mannes überwiesen, sodass jeder Geld zur eigenen Verfügung hat – für Persönliches genauso wie für die private Altersvorsorge.

Richtig aufregen kann sich Natascha Wegelin über eine der weitverbreitetsten lauen Ausreden nicht nur von Frauen: Gerade Geringverdienerinnen bleibe ja am Ende des Monats kein Cent übrig, der gespart werden könnte. „Ganz falsch“, ereifert sie sich. „Im Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben ist immer ein Sparpotenzial von zehn Prozent drin. Sparen beginnt nämlich am Monatsanfang, und seien es nur zehn oder 20 Euro, die erst mal zurückgelegt werden. Deswegen rate ich auch unbedingt zur Führung eines Haushaltsbuchs über eine gewisse Zeit. Damit man sieht, für welche vermeintlichen Schnäppchen oder sonstwie Unnützes das knappe Geld ausgegeben wird.“
Zur wahren Emanzipation gehört eben nicht zuletzt die rechtzeitige Planung der finanziellen Eigenständigkeit.

 

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