Frauen verhindern absolute Mehrheit!

Jubel am Wahlabend bei der AfD, die 43,8 Prozent der Stimmen holte. Wie groß ist der Gender-Gap?- Foto: Screenshot ZDF
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Ja, dieser Sieg der AfD ist ein Erdrutsch. Und er lässt eine tiefe Kluft klaffen zwischen Männern und Frauen. Erstaunlich, wie wenig Aufmerksamkeit das bisher fand: Elf Prozent mehr Männer als Frauen wählten in Sachsen-Anhalt die AfD! 50 Prozent der Wähler machten bei den Rechtspopulisten ihr Kreuz, aber nur 39 Prozent der Frauen.

Anders gesagt: Hätten nur Männer gewählt, hätte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund jetzt eine satte absolute Mehrheit und wäre der künftige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Letzteres wird er wahrscheinlich trotzdem werden, aber er wird nicht alleine durchregieren können. Das ist ausschließlich den Wählerinnen zu verdanken.

AfD-Vorsitzende Weidel ist keineswegs Rolemodel ihrer eigenen Partei

Ja, auch bei den Frauen ist die AfD mit Abstand die relativ stärkste Partei. Aber die Frauen scheinen doch erheblich skeptischer gegenüber dem, was auf sie zukommen könnte, wenn die AfD das umsetzt, was in ihrem Wahlprogramm steht. Aus gutem Grund. Sehen wir uns an, was dort zum Beispiel zum Thema „Familie“ steht. So sollen offenbar vor allem Frauen dafür zuständig sein, das „Aussterben des deutschen Volkes“ zu verhindern. Das von der AfD präferierte Familienmodell besteht aus „Vater, Mutter und möglichst vielen Kindern“. Da ist die Vorsitzende Weidel keineswegs das Rolemodel ihrer eigenen Partei.

Abtreibungen sind der AfD daher ein Dorn im Auge. Zwar wagt die Partei nicht, am Recht auf Abtreibung zu rütteln – das wäre vermutlich gerade im Osten, wo Frauen bis zur Wiedervereinigung die Fristenlösung hatten, nicht gern gesehen. Aber nach dem Willen der Partei mit der Frau an der Spitze, aber dem geringsten Frauenanteil, soll Abtreibung auf jeden Fall im Strafrecht bleiben. Und der ungewollt Schwangeren soll mit einem verpflichtenden Ultraschallbild bei der Zwangsberatung die Abtreibung des „ungeborenen Lebens“ noch schwerer gemacht werden, als es für die meisten sowieso schon ist. Und die feministische Kritik an den sogenannten „Lebensschützern“ als „Fundamentalisten“ ist für die AfD Auswuchs eines „pervers-linken, radikal-feministischen und individualistischen Ungeistes“.

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Das sind im Jahr 2026 nun doch überraschende Töne. Und noch mehr Unerquickliches liest sich zwischen den Zeilen. Zum Beispiel in diesen: „Funktionierende Familien wirken der Überlastung der Altenheime entgegen.“ Dreimal dürfen wir raten, wer bei der Entlastung der Altenheime dann für die Pflege und Versorgung der Alten zuständig sein soll. Verständlich, dass allen voran die Ostfrauen, die stets so selbstverständlich Vollzeit berufstätig waren und sind, befürchten, von der AfD heim an den Herd geschickt zu werden.

Es scheint, dass die eine oder andere Wählerin, die einen konservativeren Kurs wünscht, vor der AfD zurückschreckt, sich aber für die softere Variante entschieden hat: für die CDU. Dort findet sich der zweitgrößte, umgekehrte Gender Gap. 19 Prozent der Frauen wählten die Konservativen, aber nur 15 Prozent der Männer. Damit hat die CDU zumindest in Sachsen-Anhalt ihren Vorsprung bei den Frauen zurückgeholt, den sie unter Angela Merkel ausgebaut, aber nach Ende der Merkel-Ära wieder verloren hatte.

Bei allen anderen Parteien liegt der Gender Gap bei nur ein bis zwei Prozent. Bei einer Partei allerdings waren diese nur ein bis zwei Prozentpunkte mehr bei den Frauen existentiell: Hätten nur Männer gewählt, wäre das BSW jetzt nicht im Landtag, denn nur vier Prozent der Wähler gaben der Wagenknecht-Partei ihre Stimme, aber sechs Prozent der Wählerinnen. Und das hat nicht nur das BSW ins Parlament gebracht, sondern damit auch die absolute Mehrheit der AfD verhindert.

Warum war all das weder in den Wahlstudios noch in den Medien ein Thema? Die Parteien selbst wären gut beraten, ihre Schlüsse daraus zu ziehen.

CHANTAL LOUIS

 

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