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Islamismus: Das Teheran-Prinzip

Teheran 1978: Damals trugen Iranerinnen noch Jeans.
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Ich bin Mitte der 1980er Jahre aus Iran geflohen und habe in Deutschland eine neue Heimat gefunden. Und wenn ich heute über die Plätze und durch die Fußgängerzonen deutscher Städte gehe, werde ich oft an die 1970er Jahre in bestimmten Vierteln Teherans erinnert, an meine Teenagerzeit. 

Damals war es üblich, dass sich männliche Jugendliche, die nach Unterhaltung suchten, in Gruppen an Straßenecken versammelten und dann junge Frauen belästigten, um ihre „Männlichkeit“ unter Beweis zu stellen. Sie wetteiferten miteinander – und dieser Wettbewerb mündete nicht selten in Gewalt. Viele von ihnen trugen Ketten, Messer oder Schlagringe bei sich, um ihre Stärke zu demonstrieren. In diesen Kreisen hatte der Schutz und die Verteidigung der „männlichen Ehre“ Priorität. Diese Ehre bezog sich zumeist auf weibliche Familienangehörige, Clanmitglieder oder Frauen aus der Nachbarschaft. Es folgten die Ereignisse der Jahre 1978 und 1979. Wie schnell sich alles hatte umkehren können, ohne dass man es vorausahnen konnte. 

Natürlich wird sich die Geschichte nicht exakt wiederholen – und schon gar nicht in zwei so religiös und kulturell unterschiedlichen Kontexten wie damals Iran und heute Deutschland. Dennoch sind die Parallelen unverkennbar. 

Islamistische Strukturen haben in Parteien, Medien und Think Tanks Fuß gefasst

Die Islamisten sind in Deutschland noch nicht in der Mehrheit. Doch gelingt es dieser Minderheit, Kritik zu unterdrücken und ihre Ziele voranzutreiben. Der Publizist Nassim Nicholas Taleb beschreibt die „Diktatur der unnachgiebigen Minderheit“ wie folgt: Bereits eine kleine, konsequent unnachgiebige Minderheit – etwa drei bis vier Prozent der Bevölkerung – kann ausreichen, um ihre Präferenzen der gesamten Gesellschaft aufzunötigen. Siehe zum Beispiel die „Islamic Fashion“, die man verschleiernd gerne als „Modesty Fashion“ oder „bescheidene Mode“ bezeichnet. 

Wer genau hinsieht, erkennt, dass islamistische Strukturen längst in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen Fuß gefasst haben: in Parteien, Ministerien, im Bundestag, in Medien, Forschungsinstituten und politischen Think Tanks. Parallel dazu werden immer neue Moscheen und Gebetsräume gefordert – inzwischen sogar an Grundschulen. In den migrantisch geprägten Vierteln Deutschlands beobachten wir täglich die Auswirkungen einer sich ausweitenden Islamisierung: Zunehmend prägen junge Männer mit Vollbärten sowie halb oder sogar voll verschleierte Frauen das Straßenbild. 

Schon in den 1990er Jahren waren diese Viertel von den Konflikten der Einwanderungsgesellschaft durchzogen. Damals gab es jedoch noch Widerstand von Frauen gegen unterdrückerische Traditionen, die aus den Herkunftsländern der Eltern importiert worden waren. Es gab Frauen, die sich gegen den Schleierzwang und die Forderung nach Jungfräulichkeit wehrten. Sie erhielten auch Unterstützung aus der hiesigen Gesellschaft. Heute werden solche jungen Frauen im Namen von „Vielfalt“ und – noch absurder – „Inklusivität“ von der Gesellschaft allein gelassen. 

Ich sehe in islamisch geprägten Stadtteilen Parallelen zur Entwicklung im Iran

Für mich als Exiliranerin zeigen die heutigen Zustände in den islamisch geprägten Stadtteilen Deutschlands erhebliche Parallelen zu der Entwicklung im Iran auf, die schließlich zur islamischen Revolution und zur Machtübernahme der Islamisten geführt hat. Auch die Haltung von Medien, Politik und Zivilgesellschaft, diese Probleme möglichst zu ignorieren, erinnert mich in erschreckender Weise an die damalige Passivität. 

Im Iran waren sich 1978 fast alle politischen Gruppierungen, Parteien, studentischen Organisationen und Gewerkschaften einig: Der Schah muss weg! Der Kampf war gegen Diktatur, Tyrannei und Medienzensur gerichtet. Doch trotz dieses breiten Bündnisses gab es nur wenige, die die Frage stellten: Was passiert nach dem Sturz des Schahs? Was würde mit den unter dem Schah weitgehend erreichten Frauenrechten geschehen? 

Man ließ sich von der Illusion leiten, dass die Islamisten nicht durch freie und demokratische Wahlen an die Macht kommen könnten. Niemand wollte – ganz wie heute in Deutschland – die weitverzweigten und ideologisch überaus einflussreichen Netzwerke der Islamisten aus Moscheen, Imamen, Vereinen und Koranschulen erkennen. 

Die ersten Dekrete nach der islamischen Revolution im Iran zielten direkt auf die Rechte der Frauen: Es wurden die allgemeine Verschleierungspflicht eingeführt und das Familienschutzgesetz annulliert. Eigentlich wäre das der Moment gewesen, bei der die linken und liberalen Kräfte die Reißleine hätten ziehen und sagen müssen: Nein, mit diesen religiösen Totalitären wollen wir nicht Seite an Seite kämpfen. Doch das iranische und internationale linke Spektrum entschied sich, die Proteste der iranischen Frauen gegen die Verschleierungspflicht nicht zu unterstützen. Die Begründung lautete damals: Man darf auf keinen Fall den Schah-Anhängern und den westlichen Imperialisten in die Hände spielen! 

Das Kernproblem ist die Unfähigkeit der Säkularen, die Ähnlichkeiten zu erkennen

Auch in Deutschland lässt sich gegenwärtig keine ernsthafte Diskussion über die fortlaufende Islamisierung von Parallelgesellschaften anstoßen, ohne sich den Vorwurf einzuhandeln, man sei ein „Rassist“ oder ein „Nazi“ oder begünstige zumindest die AfD. 

Im Iran nahm die Islamisierung damals dieselbe Entwicklung wie heute in Deutschland: Sie begann in traditionellen Vierteln, sickerte in Institutionen, Schulen und Universitäten ein und ergriff schlussendlich das gesamte öffentliche Leben. Das Kernproblem ist die Unfähigkeit der Säkularen, die strukturellen Ähnlichkeiten zu erkennen. Das Problem wird von links bis liberal als Randerscheinung behandelt. 

Die Gefahr, die eine Politisierung der Religion nicht nur für die Rechte der Frauen bedeutet, wird nicht ernst genommen. Die regelmäßigen Vorfälle und Machtdemonstrationen der Islamisten in Frankfurt, Stuttgart oder Dijon zeugen von dieser Dynamik ebenso wie die verheerenden Terroranschläge in Paris oder Berlin. Ein substanzieller Teil islamisch geprägter junger Männer lehnt die Werte der aufgeklärten, säkularen Gesellschaft offen ab. 

Als Iranerin habe ich diese Entwicklung in meiner Jugend selbst miterlebt. Ich warne darum eindringlich vor politischer Ignoranz: Das Schicksal der iranischen Frauen von 1979 darf sich nicht in Deutschland wiederholen! Ich habe den Islam und seine politische wie gesellschaftliche Macht hinter mir gelassen, weil ich mit eigenen Augen gesehen habe, was er Frauen antut – und weil ich am eigenen Leib erfahren habe, wie er Freiheit, Würde und Individualität erstickt.

Meine Erfahrung zählt weniger als die romantischen Narrative der Verklärer 

Doch ausgerechnet in Deutschland, dem Land der Aufklärung, fühle ich mich zunehmend diskriminiert: von Politik und Mainstream sowie einer sich „progressiv“ gebenden Gesellschaft. Meine Erfahrung zählt weniger als die romantischen Narrative jener, die den Islam weiterhin verklären oder als „Kultur“ verharmlosen. Meine Existenz als säkulare Frau mit muslimischem Hintergrund wird ausgeblendet, weil sie nicht ins vorgefertigte Bild passt. Während man sich über „Islamophobie“ sorgt, wird die reale Diskriminierung von Menschen, die aus dem Islam geflohen sind, systematisch heruntergespielt. Frauen, die den Schleier abgelegt haben und für echte Gleichberechtigung kämpfen, werden zu Unpersonen erklärt. Unsere Stimmen stören das Narrativ der Multikulturalität, das offenbar wichtiger ist als die Freiheit einzelner Menschen. 

Ich werde nicht nur von religiösen islamischen Kreisen als Abtrünnige beschimpft. Auch in linksliberalen deutschen Milieus erlebe ich Ablehnung. Sobald ich den Islam kritisiere, unterstellt man mir Fremdenfeindlichkeit – obwohl ich selbst Migrantin bin. Man wirft mir vor, Vorurteile zu schüren, während man die realen Zwänge und die Gewalt ignoriert, unter denen Millionen Frauen in islamisch geprägten Milieus leben. Berechtigte Kritik wird als Hass denunziert. Für säkulare, emanzipierte Migrantinnen ist in dem Schema „böse Islamfeinde versus gute Tolerante“ offenbar kein Platz vorgesehen. 

Deutschland muss sich entscheiden: Will es eine offene, säkulare Gesellschaft sein, in der Frauen frei von religiösem Zwang leben können? Oder will es weiterhin eine antiwestliche Ideologie im Namen der Minderheit schützen – auf Kosten der Freiheit und Würde jener, die dieser Ideologie entkommen sind? An alle, die noch zuhören können: Ich bin keine Ausnahme. Ich bin eine von vielen. Und wir werden nicht länger schweigen.

 

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