Das Ende der Rabenmütter

Die Amerikanerin Pamela Druckermann im Elternparadies Frankreich. - Foto: Emmanuel Fradin
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Warum denn ausgerechnet die deutschen Frauen am wenigsten Kinder bekämen, nämlich 1,3 im Durchschnitt, fragte die FAZ verzweifelt den Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, Norbert Schneider. Und der wartete mit für die FAZ erstaunlichen, für EMMA aber seit Urzeiten bekannten Gründen auf: Das läge am „kulturellen Faktor“, sagte der Demografieforscher. Also weder am Finanziellen noch am Strukturellen (ob es Kinderkrippen gibt, spielt eine Rolle, aber nicht die entscheidende), sondern eben am Kulturellen.

Früher nannte man so was: ideologisch. Die Ideologie nämlich von der wahren Mutter, die für ihre Kinder 24 von 24 Stunden zur Verfügung steht, im Gegensatz zur „Rabenmutter“ (eine deutsche Wortschöpfung). Und siehe da, 40 Jahre nach der ­feministischen Kritik am Mutterkult ist das „Sorgenkind gescheiterte Familienpolitik“ (Spiegel) in aller Munde. Und es werden Forderungen erhoben, die früher als „familienzerstörerisch“ und „radikalfeministisch“ belächelt wurden.

Nämlich: die Abschaffung des Steuersplittings! Dieses Ehefrauenförderungsmodell, das Vater Staat jährlich 20 Milliarden Euro kostet. Der Stopp des Wahnsinns namens Betreuungsgeld, das noch die große schwarzrote Koalition sich ausgedacht und auf dem die CSU-Kerle bestanden hatten, und das nun Kanzlerin Merkel mit ihrer Familienminis­terin Schröder exekutieren wird.

Alles in allem investiert Vater Staat sage und schreibe direkt wie indirekt 200 Milliarden Euro in individuelle Hilfen und Entlastungen von Familien (mit und ohne Kinder) – und die fehlen dramatisch bei den strukturell so dringend erforder­lichen Maßnahmen wie: ausreichend Kinderkrippen, Kindergärten, Ganztagsschulen.

Und der „kulturelle Faktor“? Der bedeutet ganz einfach: Schluss mit ­Supermutti! Endlich cool werden! So cool wie die französischen Mütter.
 

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