Eiffelturm-Chef muss gehen!
Ein Zeichen vom Wahrzeichen! Auf dem Pariser Eiffelturm hat Sexismus künftig pas de Chance mehr. Der Chef der Betreibergesellschaft des Eiffelturms, Patrick Branco Ruivo, muss seinen Posten räumen. Die Betreibergesellschaft verpflichtet sich darüber hinaus, dafür zu sorgen, dass für das Personal „Maßnahmen und Schulungen zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern organisiert werden“, heißt es.
Und das ist der Grund: Ruivo hatte Anfang September Mitarbeiterinnen angewiesen, sich ins Hinterzimmer des Eiffelturms zu begeben oder nach Hause zu gehen. Sie sollten eine Besuchergruppe orthodoxer Hindus „nicht reizen“.
Die Gruppe „Bochasanwasi Akshar Purushottam Swaminarayan Sanstha“, kurz BAPS, praktiziert eine strikte Trennung von Männern und Frauen. Die Geschlechtertrennung soll helfen, argumentiert sie, sexuelle Ablenkung zu vermeiden und die Konzentration auf Gott fördern.
Was wäre gewesen, wenn sich schwarze Menschen hätten verstecken sollen?
Um also nicht „sexuell abgelenkt“ zu werden, forderte die 100-köpfige Delegation der BAPS von der Betreibergesellschaft des Eiffelturms, dass doch bitte keine weiblichen Angestellten ihren Weg kreuzen sollten. Und der Chef der „Eisernen Lady“ beugte sich. Die Frauen räumten ihren Arbeitsplatz. Nichts sollte die indisch-französische (Männer-)Freundschaft trüben. Die konservative und hindunationalistische BAPS steht dem indischen Premier Narendra Modi sehr nahe.
Aber: Die weiblichen Angestellten waren sauer. Sie entschieden sich, die Sache nicht hinzunehmen! Und sie beschwerten sich bei der Gewerkschaft. Auch die männlichen Mitarbeiter der Betreibergesellschaft schlossen sich dem Protest an. Die Gewerkschaft sprach von einer „inakzeptablen Situation, die schwerwiegend und zutiefst im Widerspruch zu den Werten der Gleichberechtigung und Nichtdiskriminierung“ stehe.
Aus Protest legte die gesamte Belegschaft für einen Tag die Arbeit nieder. Streik! Der Turm blieb geschlossen. TouristInnen konnten ihren Augen kaum glauben. Die Medien berichteten. PolitikerInnen reagierten entsetzt.
Der neue Bürgermeister der Stadt, der Sozialdemokrat Emmanuel Grégoire, war empört. Frauen zu verbannen, entspreche nicht den Werten, die der „Tour Eiffel“ signalisiert. Schließlich war der Eiffelturm bei seinem Bau ein Wahrzeichen des Fortschritts und der Modernität. Gustav Eiffel baute dieses technische Wunderwerk aus Schweißeisen 1889 als Eingangstor zur vielbeachteten Weltausstellung. Der Affront gegen Frauen, ausgerechnet an diesem Symbol von Paris, schlug nicht nur dort, sondern in ganz Frankreich, ja in der ganzen Welt große Wellen.
„Was wäre gewesen, wenn sich schwarze Menschen hätten verstecken sollen, weil weiße Menschen das wünschten?“ ging es auf Social Media rauf und runter.
Julien Odoul, Politiker der Konservativen, bezeichnete den Vorfall als die „Auslöschung von Frauen“ und fragte die Regierung, wie sie sicherstellen wolle, dass Frauen nicht wegen religiöser Forderungen aus dem öffentlichen Raum verdrängt würden. Michel Barnier (Konservative) nannte die Situation „schlichtweg inakzeptabel“ und schrieb: „Man versteckt Frauen nicht. Man löscht sie nicht aus. Man respektiert sie und verteidigt ihre Freiheit.“
Der Rücktritt des Chefs vom Turm ist eine starke Konsequenz.


