Falsche Kinderfreunde

Mark Morgan ist ein sympathischer junger Mann. Das finden alle. die ihn kennen. Der amerikanische PĂ€dagoge ist gerade 30 geworden, als er in der thailĂ€ndischen Hauptstadt ein Heim fĂŒr verwahrloste Straßenjungen einrichtet: 'The Bangkok Children's Shelter'. Internationale Hilfsorganisationen investieren Spendengelder in das vorbildliche Projekt. Ein Jahr spĂ€ter stattet der reiche Amerikaner Howard Ruff den Jungen und ihrem WohltĂ€ter einen Besuch ab. Der MilionĂ€r findet den PĂ€dagogen, den die Kinder liebevoll "Poh Mark" (Papa Mark) nennen, "bewegend und herzerwĂ€rmend". Er verspricht, die gute Tat finanziell zu unterstĂŒtzen.

Ruff hat den Scheck ĂŒber 67.000 Dollar schon ausgefĂŒllt, da erreicht ihn eine beunruhigende Nachricht: Der Kinderfreund Morgan wird bei der amerikanischen Polizei als "KinderschĂ€nder" gefĂŒhrt. Er hatte in einem psychiatrischen Krankenhaus seine minderjĂ€hrigen Schutzbefohlenen sexuell missbraucht. Und: In Mexiko wurde er beim Drehen eines Kinderpornos erwischt. Mark Morgan wird in Bangkok verhaftet. Die Kinder, die er von der Straße aufgelesen hat, können endlich die Wahrheit sagen: "Wir sind von Papa Mark vergewaltigt worden." Und: "von Onkeln aus Amerika". Die Heime des PĂ€dagogen waren in Wahrheit Bordelle fĂŒr pĂ€dophile Sextouristen.

Auch Rainer M. ist ein sympathischer Mann. Der heute 34-jĂ€hrige Erzieher aus dem MĂŒnsterland war frĂŒher in zwei Montessori-KinderhĂ€usern in Borken und Coesfeld beschĂ€ftigt. Der reizende junge Mann mit den langen Haaren "galt als einer, der was losmachte": "WaldspaziergĂ€nge mit den Kindern. Kaulquappenfangen und Kicken" (die Zeit). MĂŒtter und VĂ€ter mochten ihn, einige waren mit ihm befreundet.

Der Kölner Kinderladen ist mittlerweile geschlossen: wg. Missbrauch.

Doch seit Monaten steht der engagierte PĂ€dagoge in MĂŒnster vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, von 1983 bis 1991 in beiden KindertagesstĂ€tten mehr als 60 seiner Schutzbefohlenen sexuell missbraucht zu haben. Auch der Kölner Rainer X. war ein PĂ€dagoge, dessen "Respekt den Kindern und ihren Grenzen gegenĂŒber" die Mutter Marion M. heute noch bewundert. Sie hat gemeinsam mit anderen Eltern einen linken Kinderladen gegrĂŒndet ("positive Einstellung zum Leben, zur Liebe, zur SexualitĂ€t") und den netten Rainer X. als Erzieher eingestellt. Aber der Kölner Kinderladen ist mittlerweile geschlossen worden - wegen Missbrauchs der Kinder durch den kompetenten Erzieher.

Bangkok, Coesfeld und Köln sind keine EinzelfĂ€lle. Seit 15 Jahren sagen Feministinnen es laut: VĂ€ter und StiefvĂ€ter vergewaltigen ihre Töchter, BrĂŒder ihre Schwestern und Onkel ihre Nichten. Dass die Familie hĂ€ufig der Tatort ist und nicht das GebĂŒsch, in dem der fremde, böse Mann lauert, hat inzwischen sogar die Bild-Zeitung begriffen. Dass aber nicht nur die Familien Tatort sind. sondern auch gesellschaftliche Institutionen, ist noch nicht richtig ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Neueren Untersuchungen zufolge wird jeder dritte Kindesmissbrauch von einem Bekannten im sogenannten "sozialen Umfeld" des Opfers verĂŒbt. Nicht selten sind es MĂ€nner, die gezielt einen Beruf ergreifen, in dem sie mit Kindern zu tun haben. Falsche Kinderfreunde...

Der Amerikaner Ron O'Grady ist der Koordinator der "Internationalen Kampagne gegen Kinderprostitution", die auch in Deutschland aktiv ist. In seinem Buch 'Gebrochene Rosen' charakterisiert O'Grady den "typischen PÀdophilen"" so: "Er ist ein Akademiker oder freiberuflich arbeitender Mann mittleren Alters. Möglicherweise ist er Arzt (hÀufig Kinderarzt), Lehrer. SozialpÀdagoge oder Geistlicher. Meistens hat er beruflich mit Kindern zu tun oder ist in seiner Freizeit in der Kinderarbeit engagiert. Er ist wahrscheinlich verheiratet oder war es und hat Kinder."

In den USA ist es schon lange kein Geheimnis mehr, dass PĂ€dophile systematisch Einrichtungen unterwandern, die mit Kindern arbeiten. Die bittere RealitĂ€t hat solche Ausmaße, dass sie sogar schon Thema in der Literatur geworden ist. Der New Yorker Kinderanwalt und Krimiautor Andrew Vacchs schildert in seinen Thrillern das Milieu der vermeintlichen Kinderfreunde - Vacchs nennt sie "Freaks": KindertagesstĂ€tten, die ihre Zöglinge an Porno-Produzenten vermieten; Sekten-FĂŒhrer, die TrebegĂ€ngerinnen von der Straße auflesen, sie schwĂ€ngern und dann die Babies an Adoptiv-Eltern verschachern; hohe Staatsbeamte, die mit anderen PĂ€dophilen per Computer vernetzt sind und Kinderpornos tauschen.

PĂ€dophile: Was ist ihr wahres Interesse an den Kindern?

Die PĂ€dophilen-Vereinigungen in USA gleichen in ihrer Organisation, EffektivitĂ€t und Undurchschaubarkeit "mittelalterlichen GeheimzĂŒnften" (O'Grady). Ob sie sich nun 'The North American Man/Boy Association' nennen oder 'Howard Nichols Society' - sie alle stellen sich als Kinder- und Menschenfreunde dar und verstehen sich als "fortschrittlich", denn sie propagieren "das Recht aller Menschen auf Beziehungen zwischen den Generationen". Diese so genannten Kinderfreunde haben einen hohen "Verschleiß". Sie verlieren die Lust, sobald das neue Objekt ihrer Begierde groß wird. 403 verurteilte PĂ€dophile, die ein US-Wissenschaftler befragte, hatten zusammen 67.000 Kinder (!) missbraucht, also: jeder im Durchschnitt 166.

PĂ€dophilie ein amerikanisches PhĂ€nomen? Leider nein. Der deutsche Sexualwissenschaftler Herbert Selg geht davon aus, dass man auch bei uns "solche sexuellen Orientierungen fast schon als ‚normal' ansehen" muss. Und in der Tat: Sehen wir genau hin, entdecken wir nicht nur einzelne falsche Kinderfreunde, sondern es zeichnet sich ein Netz von Organisationen und Institutionen ab, deren Mitglieder sich die Frage gefallen lassen mĂŒssen: Was ist ihr wahres Interesse an den Kindern?

Da ist zum Beispiel ZEGG. Das 'Zentrum fĂŒr experimentelle Gesellschaftsgestaltung' hat seinen Sitz in Belzig bei Berlin. Auf einem 15 Hektar großen GelĂ€nde in der ehemaligen DDR praktizieren ZEGG-Angehörige die "freie Liebe". Mit ihrer Hilfe wollen die sexuell Befreiten "im Sinne eines erweiterten morphogenetischen Feldes planetarisch wirken".

Gern gesehener ZEGG-Gast ist Professor Ernest Borneman. Der Autor von 'Das Patriarchat', GrĂŒnder der österreichischen 'Gesellschaft fĂŒr Sexualforschung', TrĂ€ger der Magnus-Hirschfeld-Medaille, Leiter eines Langzeitprojektes zur Erforschung der KindersexualitĂ€t und Ex-Sex-Onkel der Neuen Revue schwĂ€rmte jĂŒngst öffentlich: "Wer nie erlebt hat, wie ein launisches PĂŒppchen von zehn Jahren einen gestandenen Mann von 40 herumkommandiert, der weiß wenig ĂŒber SexualitĂ€t."

MĂŒhl folterte MĂ€dchen und Frauen - und sitzt deshalb im GefĂ€ngnis.

GrĂŒnder des "Zentrums fĂŒr experimentelle Gesellschaftsgestaltung" ist der Alt-68er und Vielschreiber Dieter Duhm, der - als seine MitrevolutionĂ€re heirateten und Karriere machten - in der "AA-Kommune" des österreichischen AktionskĂŒnstlers Otto MĂŒhl Unterschlupf fand. Duhm: "Ich liebte dieses Experiment." Auf dem Friedrichshof im Burgenland mit Filiale auf der Insel Gomera vergewaltigte und folterte MĂŒhl 15 Jahre lang MĂ€dchen und Frauen. Seit 1991 sitzt er deshalb im GefĂ€ngnis.

Im Herbst 1992 bringen die Duhm-AnhÀnger aus Belzig zur Verteidigung des Kölner Kinderladen-Erziehers, der zum "ZEGG-Interessentenkreis" gehört, ein Sonderheft heraus. Thema: 'SexualitÀt und Kinder'. Darin ist vom "Missbrauch des Missbrauchs" die Rede, und es wird "entlarvt", wer ihn betreibt. Laut ZEGG ist es ein Zusammenschluss "von organisiertem Feminismus, Presse und Kirche", eine "Anti-Sex-Allianz". Angestachelt werde sie vom "Hass durchgedrehter Radikalfeministinnen gegen alles, was mÀnnlich ist, Haare auf der Brust hat und einen Penis trÀgt". Fazit: "Es geht um organisierte Frauenrache am Mann."

Der in den Medien vielbeachtete und durchsetzungsfĂ€hige ISUV (Interessenverband Unterhalt und Familienrecht), dem ĂŒberwiegend geschiedene VĂ€ter angehören, bekĂ€mpft das sogenannte "SAID-Syndrom": 'Sexual Allegation in Divorce' (sexuelle Beschuldigungen bei Scheidungen). Im Dezember 1992 lĂ€dt der Verband nach Köln zu einer Pressekonferenz ein. Und siehe da, wer ist wieder mit von der Partie? Die Duhm-Sekte. Auf der Pressekonferenz verteilen die wackeren VĂ€ter einen "offenen Brief" von ZEGG zum Kölner Kinderladenprozess. Und: Sie stellen eine BroschĂŒre zum Thema "Missbrauch des Missbrauchs" vor.

Kinderfreund Borneman ist einer der pseudowissenschaftlichen Autoren. Dieses Mal rĂ€soniert er: "Wenn man jede Form der Liebe, die sich nicht innerhalb der gleichen Generation bewegt, von vornherein verdammt, schĂ€digt man das Kind." Auch Friedrich Nolte macht sich in der BroschĂŒre fĂŒr die geschiedenen VĂ€ter stark. Nolte ist ein MĂŒnchener Psychotherapeut, der im Herbst 1991 gegen EMMA einen Prozess verlor. EMMA darf also weiterhin schreiben: "Der Sex-Therapeut Friedrich Nolte Missbraucht Frauen und nennt es Therapie."

Pro-Kindersex-Allianz: Professoren, engagierte VĂ€ter, PĂ€dagogen und Alt-68er.

Eine mĂ€nnerfeindliche Anti-Sex-Allianz von Feministinnen, Kirche und Presse? Es sieht eher so aus. als formiere sich hier klammheimlich eine Pro-Kindersex-Allianz aus gar zu liebevollen Kinderfreunden: angesehene Professoren, engagierte VĂ€ter, fortschrittliche PĂ€dagogen und Alt-68er. Eine mĂ€nnerfreundliche Allianz bewĂ€hrte sich in Berlin. Im FrĂŒhsommer 1993 fĂŒllen die "Story-Dealer" die Schlagzeilen in Berlin: "Erzieher quĂ€lten 1.000 Ferienkinder." Das Sommerprojekt "letzte deutsche Grenzpatrouille" wird gekippt. Keine "Trophy durch das Niemandsland" per Jeep, im Schlauchboot und zu Fuß. Kein Abenteuerurlaub fĂŒr Kreuzberger Gören. Die Wochenpost berichtet, dass es in "internen Briefen" aus dem Bezirksamt Kreuzberg ĂŒber die "Story-Dealer" heißt: ihr Konzept berge "ideale Bedingungen fĂŒr pĂ€dophil veranlagte Teamer".

Die "Story-Dealer" sind linke Soziologen und PÀdagogen. Schon seit Jahren gestalten sie im Auftrag des Kreuzberger Bezirksamtes kinderfreundliche Ferienfreizeiten. Einer dieser Kinderfreunde ist der Berliner Soziologe Hans G. Seine LebensgefÀhrtin hatte ihn nach der Trennung beschuldigt, den gemeinsamen Sohn sexuell missbraucht zu haben.

Das Berliner Stadtmagazin Tip verteidigte G. vehement: "Ein Berliner Soziologe geriet in Verdacht und in die FĂ€nge der Inquisition." Als Inquisitorinnen wurden nicht nur die Mutter und ihre Freundinnen vorgefĂŒhrt, sondern auch Kinderladen-Erzieherinnen, Mitarbeiterinnen von "Wildwasser" und des Bezirksamts Kreuzberg. Tip zufolge waren sie es, die alle zusammen dem kleinen Jungen den Satz entlockten: "Wenn ich am Penis von Papa rubbele, kommt Milch heraus, und die schmeckt bĂ€h!" Einem verstĂ€ndnisvollen Amtsrichter, der ĂŒber das Sorgerecht zu entscheiden hatte, reichten die Beweise nicht.

Die "Story-Dealer" erhalten im FrĂŒhsommer 1993 SchĂŒtzenhilfe von einem ehrenwerten Kollegen. Der PĂ€dagogik-Professor und Rektor der Berliner Fachhochschule (FH) fĂŒr Sozialwesen, Reinhart Wolff, erklĂ€rt öffentlich: "Dem Versuch der Vernichtung einer engagierten PĂ€dagogengruppe muss entschieden Widerstand entgegengesetzt werden." Der heutige Familienvater Wolff wollte frĂŒher als 68er-RevolutionĂ€r die Familie abschaffen.

Reinhart Wolff lancierte das Schlagwort vom "Missbrauch des Missbrauchs".

Aber das ist lange her. In den 70er Jahren avancierte der PĂ€dagoge zum fĂŒhrenden Kopf der Kinderladen-Bewegung, die einst von Frauen initiiert worden war. Anfang der 80er grĂŒndete Wolff das Berliner "Kinderschutzzentrum". Ende der 80er konzipierte der Alt-68er fĂŒr den "Deutschen Kinderschutzbund" die neue Strategie "Hilfe statt Strafe". Dahinter steckt der sogenannte "familienorientierte Ansatz", will heißen: Das Opfer wird nicht vorm TĂ€ter geschĂŒtzt und von ihm getrennt, sondern gemeinsam mit ihm "therapiert". Im Klartext: Ein missbrauchender Vater bleibt weiterhin unter einem Dach mit der missbrauchten Tochter, und gemeinsam fĂŒhren beide verstĂ€ndnisvolle GesprĂ€che mit den Therapeuten.

Ende 1990 lancierte KinderschĂŒtzer Wolff zusammen mit seiner Frau Angela in der Fachzeitschrift Sozial Extra das seither viel zitierte und viel strapazierte Schlagwort vom "Missbrauch des Missbrauchs". PĂ€dagoge Wolff: "Der ganze Eifer richtet sich darauf. Normen einer desexualisierten Kindheit wieder aufzurichten." Erneut werde "SexualitĂ€t als im Wesentlichen ‚schlecht', ‚gefĂ€hrlich' und ‚pathologisch' charakterisiert ..."

Auf den Kinderschutztagen in der Beethovenhalle dankt im Juni 1991 ein bewĂ€hrter KinderschĂŒtzer ab. Es ist Professor Walter Barsch, die "moralische Instanz des Kinderschutzbundes", dessen PrĂ€sident er zehn Jahre lang war und dessen EhrenprĂ€sident er nun ist.

In Bonn prĂ€sentiert die Frankfurter Werbeagentur Lintas den versammelten KinderschĂŒtzern eine Plakat-Kampagne zum sexuellen Missbrauch. Die kleinen Lolitas auf den Fotos sind mit Texten wie diesen garniert: "Vati war ihr erster Mann." - "Immer, wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann Onkel Paul nicht anders." - "Sabine ist Papis ein und alles. Sie wird von ihm geliebt. Aber mehr als sie verkraften kann."

Murren, teilweise laute Proteste in der Beethovenhalle. Doch es nĂŒtzt nichts. Die VertrĂ€ge mit der Werbeagentur sind bereits unterzeichnet. Prof. Walter Barsch und der Vorstand haben einen Alleingang gemacht. Die Basis wird nicht gefragt. Die Lintas-Kampagne ist nicht der erste Ausrutscher des Kinderschutzbundes. 1987 gab er ein Buch ĂŒber 'Sexuelle Gewalt gegen Kinder' heraus, in dem wörtlich steht: Das Recht auf "sexuelle Selbstbestimmung durch die Kinder selbst" werde eingeschrĂ€nkt, "indem sexuelle Kontakte zwischen einem Kind und einem Erwachsenen generell, ohne Ausnahme, unter Strafandrohung gestellt werden".

Was sind "sexuelle Kontakte" zwischen Erwachsenen und Kindern?

Das klingt einfĂŒhlsam. Aber: Was sind "sexuelle Kontakte" zwischen Erwachsenen und Kindern? Ist damit nur ein zu zĂ€rtliches Streicheln gemeint? Wohl kaum. Es muss sich schon um genitale BerĂŒhrungen oder das Eindringen in die Vagina, den Anus und den Mund handeln. Mit einem erigierten Penis oder mit GegenstĂ€nden, nicht selten, bis der Körper zerreißt. Wer interpretiert die sexuellen BedĂŒrfnisse der Kinder? Wer bestimmt, was sie unter "Erotik" oder gar "SexualitĂ€t" verstehen und was sie wollen?

Prof. Heinrich Kupfer vom 'Deutschen Kinderschutzbund' sitzt im Februar 1993 im westfĂ€lischen MĂŒnster auf einem Podium. In der GaststĂ€tte "SchĂŒtzenhof" geht es an diesem Abend um einen "Skandal", der schon seit Monaten die gutbĂŒrgerlichen GemĂŒter in der ehrwĂŒrdigen Bischofsstadt erhitzt. Auch Kupfer empört sich: "Überlasst das Feld nicht kleinkarierten Initiativen, die möglichst hohe Abschussquoten anstreben!" Was war geschehen?

Im Kindergarten einer evangelischen Kirchengemeinde hatten Erzieherinnen drei FĂ€lle von sexuellem Missbrauch durch die VĂ€ter aufgedeckt. Experten bestĂ€tigten den Verdacht, und das Amtsgericht ließ die Kinder in einem Heim unterbringen. Inzwischen sind sie wieder zu Hause. Die Eltern allesamt akademisch gebildet waren Sturm gelaufen. "Verschleppung" tönten sie und setzten die Kirchengemeinde unter Druck. Eine Erzieherin wurde beurlaubt. und der Spiegel fragte: "Wie glaubwĂŒrdig sind Kinder, die ihre Eltern des sexuellen Missbrauchs beschuldigen? Und wie fachkundig sind Erzieher und Behörden, die solche Misshandlungen aufdecken?"

Seither sind KindergĂ€rtnerinnen, Lehrerinnen und Mitarbeiterinnen von JugendĂ€mtern in Nordrheinwestfalen verunsichert. DafĂŒr treten andere immer sicherer auf. Helmut Kentler zum Beispiel. Der ehrenwerte Professor fĂŒr Psychologie ist Mitglied in der renommierten 'Deutschen Gesellschaft fĂŒr Sexualforschung'. 1976 wurde er auf den Lehrstuhl fĂŒr SozialpĂ€dagogik an der UniversitĂ€t Hannover berufen. Die MĂŒnsteraner Eltern schalteten den Professor, der als kenntnisreicher Fachmann fĂŒr Jugend und vor allem JungensexualitĂ€t gilt, als Gutachter ein. Prompt bezichtigte er die Erzieherinnen aus dem evangelischen Kindergarten der "Besessenheit".

Im Namen von Fortschritt und Freiheit werden Kinder zu Freiwild.

KennerInnen der Szene ĂŒberrascht Kentlers Parteinahme nicht. Denn der Professor, der gerne auch "Exklusiv-Berichte" fĂŒr Beate-Uhse-Kataloge schreibt, empfiehlt in seinen wissenschaftlichen Schriften die Unterbringung straffĂ€lliger Jungen "bei pĂ€dagogisch interessierten PĂ€derasten". Damit liegt Kentler ganz auf Linie der "Arbeitsgemeinschaft Humane SexualitĂ€t" (AHS), in deren Kuratorium er als "Berater" sitzt. In diesem Gremium wirkt auch, siehe da. KinderschĂŒtzer Prof. Walter Barsch mit, der EhrenprĂ€sident des "Deutschen Kinderschutzbundes". Ebenfalls Berater der AHS sind Frits Bernard und Theo Sandfort, die Herausgeber der in Holland erscheinenden Zeitschrift 'Paidika - Journal of Paedophilia'.

Schon im Herbst 1990 hatte die AHS eine "kĂŒnftige Kooperation" von Arbeitsgemeinschaft und Kinderschutzbund angekĂŒndigt. Das sei auf einem Treffen unter Leitung von Prof. Barsch, der damals noch amtierender PrĂ€sident des Bundes war, vereinbart worden. Anlass fĂŒr die Zusammenkunft war das AHS-Positionspapier "SexualitĂ€t zwischen Kindern und Erwachsenen". Darin heißt es u.a.: Auch "pĂ€dosexuelle Kontakte" könnten "trotz der Ungleichheit der Partner gleichberechtigt und einvernehmlich gestaltet werden". Ungleichheit oder Partnerschaft? Und wie "einvernehmlich"?

Die "Arbeitsgemeinschaft Humane SexualitĂ€t", die "entschieden" dagegen ist, "den Besitz von Pornographie (Kinderpornographie) mit Strafandrohung zu belegen", wurde 1982 gegrĂŒndet unter anderen von Michael C. Baurmann. Der Psychologe des Bundeskriminalamtes ist ein - auch von EMMA - vielzitierter Fachmann fĂŒr sexuelle Gewalt. Ebenfalls AHS-Mitglied ist RĂŒdiger Lautmann. Der Sozialwissenschaftler lehrt und forscht an der UniversitĂ€t Bremen, wo er unter anderem die "PhĂ€nomenologie sexueller Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern" untersucht (AHS-Info 2/1990).

Bruno Bendig, der Vorsitzende der AHS, war frĂŒher GeschĂ€ftsfĂŒhrer der "Deutschen Studien- und Arbeitsgemeinschaft PĂ€dophilie" (DSAP). Nach der Auflösung der PĂ€dophilen-Organisation im Jahre 1983 schloss sich ein Großteil ihrer Mitglieder der AHS an. In dem Buch 'PĂ€dophilie heute' fragt der Sozialarbeiter Bruno Bendig: "Woher sollen Kinder eigentlich den Umgang mit ihrer SexualitĂ€t lernen, wenn nicht von Erwachsenen?" Das Buch trĂ€gt den Untertitel 'Zur sexuellen Befreiung des Kindes'.

Eine wahrhaft ehrenwerte Gesellschaft, die da angetreten ist, den sogenannten "Missbrauch des Missbrauchs" anzuprangern: Kinderfreunde, die im Namen von Fortschritt und Freiheit Kinder zu Freiwild erklĂ€ren. All diese Herren Professoren, Doktoren und Rektoren verbindet nicht nur ihre Liebe zu Kindern, sie eint auch die SchwĂ€che fĂŒr eine Dame.

Rutschky - AnhÀngerin der Theorie der explodierenden Triebe.

Die Dame heißt Katharina Rutschky und ist Lehrerin von Beruf. Sie bezeichnet sich aber gern als "Freudianerin" - wohl um zu suggerieren, sie sei Psychoanalytikerin. Doch Rutschky hat so wenig Ahnung von Psychoanalyse, dass sie allen Ernstes noch vom "Sexualtrieb" spricht. Von der alten Dampfkesseltheorie der explodierenden Triebe also, die von der modernen Wissenschaft lĂ€ngst ad acta gelegt worden ist.

Katharina Rutschky, die Lehrerin fĂŒr SchĂŒlerinnen auf dem Zweiten Bildungsweg war, bevor sie "freie Autorin" wurde, ist heute die in den MĂ€nnermedien meistzitierte "Expertin", wenn es um MĂ€nnersexualitĂ€t um Frauenkritik daran geht. Als Fachfrau fĂŒr SexualitĂ€t und Sexualgewalt trat die freie Autorin, die schon lange in linken und linksliberalen BlĂ€ttern publiziert, erstmals 1988 in Erscheinung. Anlass: Die Anti-Porno-Kampagne von EMMA. Rutschky gehörte zu den zwei bis drei Frauen, die sich von den MĂ€nnermedien systematisch pro Pornographie einspannen ließen. "Feministischer Volkszorn, der sich dieser Art kundtut", tönte Rutschky damals auf einem Hearing der GrĂŒnen zur PorNO-Kampagne, "ist genauso abzulehnen wie jede andere organisierte Dummheit." Die Pornofreundin tingelte von Podium zu Podium und von Talkshow zu Talkshow. Als es stiller wurde um die Kampagne, wurde es auch stiller um Katharina Rutschky.

Bald jedoch tat sich fĂŒr die Rutschkys dieser Nation ein neues BetĂ€tigungsfeld auf: der sexuelle Missbrauch von Kindern. Seit 15 Jahren klĂ€ren Feministinnen darĂŒber auf und kĂ€mpfen dagegen an. Zehn Jahre hat es gedauert, bis die Öffentlichkeit das "PhĂ€nomen Inzest" zur Kenntnis nahm. Notgedrungen wird immer mehr darĂŒber berichtet. Schließlich werden die Medien auch von Frauen gelesen und gesehen und die wissen als Ex-Opfer Bescheid. Doch auch im Bereich SexualitĂ€t ist der RĂŒckschlag schneller als die AufklĂ€rung. Kaum hat das öffentliche Bewusstsein den Skandal zur Kenntnis genommen, da rollt auch schon der "Backlash": Das Schlagwort vom "Missbrauch des Missbrauchs" macht die Runde.

Da schließt sich der Kreis - doch wer ist darin gefangen?

Seine lauteste Propagandistin ist Katharina Rutschky. Im FrĂŒhjahr 1992 veröffentlicht sie in dem linken (und personell frĂŒher Konkret verbundenen) Hamburger Klein-Verlag ihre kleine Schrift 'Erregte AufklĂ€rung'. Es geht Rutschky darin nicht etwa um die AufklĂ€rung ĂŒber das Verbrechen sexueller Missbrauch. Es geht ihr um die Erregung darĂŒber um Feministinnen, die von "Wahnbildung" und "dogmatischer MĂ€nnerfeindlichkeit" befallen sind. Laut Rutschky haben Organisationen wie 'Wildwasser' und 'Zartbitter', die missbrauchten Kindern Zuflucht bieten, nur das Ziel, sich selber zu bereichern: "Es muss also ein neuer Bedarf produziert werden, auf den mit Geldern, Planstellen, Beratungseinrichtungen und Fortbildungsmaßnahmen reagiert werden kann."

Bei 'Wildwasser' und 'Zartbitter', die sich fĂŒr die Opfer einsetzen, arbeiten die meisten Frauen ehrenamtlich. Katharina Rutschky, die die TĂ€ter verteidigt, arbeitet fĂŒr Geld. Sie verdient am sexuellen Missbrauch. Sie tingelt wieder, denn ihr Buch kommt gut an.

"Ein kluger Beitrag", applaudiert die konservative FAZ. "Faszinierend und wichtig", schwĂ€rmt der alternative Psychoanalytiker Paul Parin in der Basler Zeitung. "Erfrischend respektlos", freut sich das pĂ€dagogische Fachblatt Jugendhilfe. "Brillant und mit bewundernswerter Klarheit", urteilt ZEGG-Gast Ernest Borneman in pĂ€d.extra. "FĂŒr KinderschĂŒtzer eine empfehlenswerte LektĂŒre", lobt Heinrich Kupfer vom 'Kinderschutzbund'. "Katharina Rutschky haut alle Epigonen von Missbrauchsmythen und Dunkelziffer-Hysterie in die Pfanne", begeistert sich die "Arbeitsgemeinschaft Humane SexualitĂ€t" (AHS).

Bei dem KinderschĂŒtzer und Alt-68er Wolff geht die SchwĂ€che fĂŒr die Dame sogar so weit, dass er sie zu ihrem BĂŒchlein inspirierte. Im Nachwort dankt Rutschky: "Die Anregung bekam ich von Reinhart Wolff." So schließt sich der Kreis. Nur: Wer ist darin gefangen?

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