Falsche Kinderfreunde

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Mark Morgan ist ein sympathischer junger Mann. Das finden alle. die ihn kennen. Der amerikanische Pädagoge ist gerade 30 geworden, als er in der thailändischen Hauptstadt ein Heim für verwahrloste Straßenjungen einrichtet: 'The Bangkok Children's Shelter'. Internationale Hilfsorganisationen investieren Spendengelder in das vorbildliche Projekt. Ein Jahr später stattet der reiche Amerikaner Howard Ruff den Jungen und ihrem Wohltäter einen Besuch ab. Der Milionär findet den Pädagogen, den die Kinder liebevoll "Poh Mark" (Papa Mark) nennen, "bewegend und herzerwärmend". Er verspricht, die gute Tat finanziell zu unterstützen.

Ruff hat den Scheck über 67.000 Dollar schon ausgefüllt, da erreicht ihn eine beunruhigende Nachricht: Der Kinderfreund Morgan wird bei der amerikanischen Polizei als "Kinderschänder" geführt. Er hatte in einem psychiatrischen Krankenhaus seine minderjährigen Schutzbefohlenen sexuell missbraucht. Und: In Mexiko wurde er beim Drehen eines Kinderpornos erwischt. Mark Morgan wird in Bangkok verhaftet. Die Kinder, die er von der Straße aufgelesen hat, können endlich die Wahrheit sagen: "Wir sind von Papa Mark vergewaltigt worden." Und: "von Onkeln aus Amerika". Die Heime des Pädagogen waren in Wahrheit Bordelle für pädophile Sextouristen.

Auch Rainer M. ist ein sympathischer Mann. Der heute 34-jährige Erzieher aus dem Münsterland war früher in zwei Montessori-Kinderhäusern in Borken und Coesfeld beschäftigt. Der reizende junge Mann mit den langen Haaren "galt als einer, der was losmachte": "Waldspaziergänge mit den Kindern. Kaulquappenfangen und Kicken" (die Zeit). Mütter und Väter mochten ihn, einige waren mit ihm befreundet.

Der Kölner Kinderladen ist mittlerweile geschlossen: wg. Missbrauch.

Doch seit Monaten steht der engagierte Pädagoge in Münster vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, von 1983 bis 1991 in beiden Kindertagesstätten mehr als 60 seiner Schutzbefohlenen sexuell missbraucht zu haben. Auch der Kölner Rainer X. war ein Pädagoge, dessen "Respekt den Kindern und ihren Grenzen gegenüber" die Mutter Marion M. heute noch bewundert. Sie hat gemeinsam mit anderen Eltern einen linken Kinderladen gegründet ("positive Einstellung zum Leben, zur Liebe, zur Sexualität") und den netten Rainer X. als Erzieher eingestellt. Aber der Kölner Kinderladen ist mittlerweile geschlossen worden - wegen Missbrauchs der Kinder durch den kompetenten Erzieher.

Bangkok, Coesfeld und Köln sind keine Einzelfälle. Seit 15 Jahren sagen Feministinnen es laut: Väter und Stiefväter vergewaltigen ihre Töchter, Brüder ihre Schwestern und Onkel ihre Nichten. Dass die Familie häufig der Tatort ist und nicht das Gebüsch, in dem der fremde, böse Mann lauert, hat inzwischen sogar die Bild-Zeitung begriffen. Dass aber nicht nur die Familien Tatort sind. sondern auch gesellschaftliche Institutionen, ist noch nicht richtig ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. Neueren Untersuchungen zufolge wird jeder dritte Kindesmissbrauch von einem Bekannten im sogenannten "sozialen Umfeld" des Opfers verübt. Nicht selten sind es Männer, die gezielt einen Beruf ergreifen, in dem sie mit Kindern zu tun haben. Falsche Kinderfreunde...

Der Amerikaner Ron O'Grady ist der Koordinator der "Internationalen Kampagne gegen Kinderprostitution", die auch in Deutschland aktiv ist. In seinem Buch 'Gebrochene Rosen' charakterisiert O'Grady den "typischen Pädophilen"" so: "Er ist ein Akademiker oder freiberuflich arbeitender Mann mittleren Alters. Möglicherweise ist er Arzt (häufig Kinderarzt), Lehrer. Sozialpädagoge oder Geistlicher. Meistens hat er beruflich mit Kindern zu tun oder ist in seiner Freizeit in der Kinderarbeit engagiert. Er ist wahrscheinlich verheiratet oder war es und hat Kinder."

In den USA ist es schon lange kein Geheimnis mehr, dass Pädophile systematisch Einrichtungen unterwandern, die mit Kindern arbeiten. Die bittere Realität hat solche Ausmaße, dass sie sogar schon Thema in der Literatur geworden ist. Der New Yorker Kinderanwalt und Krimiautor Andrew Vacchs schildert in seinen Thrillern das Milieu der vermeintlichen Kinderfreunde - Vacchs nennt sie "Freaks": Kindertagesstätten, die ihre Zöglinge an Porno-Produzenten vermieten; Sekten-Führer, die Trebegängerinnen von der Straße auflesen, sie schwängern und dann die Babies an Adoptiv-Eltern verschachern; hohe Staatsbeamte, die mit anderen Pädophilen per Computer vernetzt sind und Kinderpornos tauschen.

Pädophile: Was ist ihr wahres Interesse an den Kindern?

Die Pädophilen-Vereinigungen in USA gleichen in ihrer Organisation, Effektivität und Undurchschaubarkeit "mittelalterlichen Geheimzünften" (O'Grady). Ob sie sich nun 'The North American Man/Boy Association' nennen oder 'Howard Nichols Society' - sie alle stellen sich als Kinder- und Menschenfreunde dar und verstehen sich als "fortschrittlich", denn sie propagieren "das Recht aller Menschen auf Beziehungen zwischen den Generationen". Diese so genannten Kinderfreunde haben einen hohen "Verschleiß". Sie verlieren die Lust, sobald das neue Objekt ihrer Begierde groß wird. 403 verurteilte Pädophile, die ein US-Wissenschaftler befragte, hatten zusammen 67.000 Kinder (!) missbraucht, also: jeder im Durchschnitt 166.

Pädophilie ein amerikanisches Phänomen? Leider nein. Der deutsche Sexualwissenschaftler Herbert Selg geht davon aus, dass man auch bei uns "solche sexuellen Orientierungen fast schon als ‚normal' ansehen" muss. Und in der Tat: Sehen wir genau hin, entdecken wir nicht nur einzelne falsche Kinderfreunde, sondern es zeichnet sich ein Netz von Organisationen und Institutionen ab, deren Mitglieder sich die Frage gefallen lassen müssen: Was ist ihr wahres Interesse an den Kindern?

Da ist zum Beispiel ZEGG. Das 'Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung' hat seinen Sitz in Belzig bei Berlin. Auf einem 15 Hektar großen Gelände in der ehemaligen DDR praktizieren ZEGG-Angehörige die "freie Liebe". Mit ihrer Hilfe wollen die sexuell Befreiten "im Sinne eines erweiterten morphogenetischen Feldes planetarisch wirken".

Gern gesehener ZEGG-Gast ist Professor Ernest Borneman. Der Autor von 'Das Patriarchat', Gründer der österreichischen 'Gesellschaft für Sexualforschung', Träger der Magnus-Hirschfeld-Medaille, Leiter eines Langzeitprojektes zur Erforschung der Kindersexualität und Ex-Sex-Onkel der Neuen Revue schwärmte jüngst öffentlich: "Wer nie erlebt hat, wie ein launisches Püppchen von zehn Jahren einen gestandenen Mann von 40 herumkommandiert, der weiß wenig über Sexualität."

Mühl folterte Mädchen und Frauen - und sitzt deshalb im Gefängnis.

Gründer des "Zentrums für experimentelle Gesellschaftsgestaltung" ist der Alt-68er und Vielschreiber Dieter Duhm, der - als seine Mitrevolutionäre heirateten und Karriere machten - in der "AA-Kommune" des österreichischen Aktionskünstlers Otto Mühl Unterschlupf fand. Duhm: "Ich liebte dieses Experiment." Auf dem Friedrichshof im Burgenland mit Filiale auf der Insel Gomera vergewaltigte und folterte Mühl 15 Jahre lang Mädchen und Frauen. Seit 1991 sitzt er deshalb im Gefängnis.

Im Herbst 1992 bringen die Duhm-Anhänger aus Belzig zur Verteidigung des Kölner Kinderladen-Erziehers, der zum "ZEGG-Interessentenkreis" gehört, ein Sonderheft heraus. Thema: 'Sexualität und Kinder'. Darin ist vom "Missbrauch des Missbrauchs" die Rede, und es wird "entlarvt", wer ihn betreibt. Laut ZEGG ist es ein Zusammenschluss "von organisiertem Feminismus, Presse und Kirche", eine "Anti-Sex-Allianz". Angestachelt werde sie vom "Hass durchgedrehter Radikalfeministinnen gegen alles, was männlich ist, Haare auf der Brust hat und einen Penis trägt". Fazit: "Es geht um organisierte Frauenrache am Mann."

Der in den Medien vielbeachtete und durchsetzungsfähige ISUV (Interessenverband Unterhalt und Familienrecht), dem überwiegend geschiedene Väter angehören, bekämpft das sogenannte "SAID-Syndrom": 'Sexual Allegation in Divorce' (sexuelle Beschuldigungen bei Scheidungen). Im Dezember 1992 lädt der Verband nach Köln zu einer Pressekonferenz ein. Und siehe da, wer ist wieder mit von der Partie? Die Duhm-Sekte. Auf der Pressekonferenz verteilen die wackeren Väter einen "offenen Brief" von ZEGG zum Kölner Kinderladenprozess. Und: Sie stellen eine Broschüre zum Thema "Missbrauch des Missbrauchs" vor.

Kinderfreund Borneman ist einer der pseudowissenschaftlichen Autoren. Dieses Mal räsoniert er: "Wenn man jede Form der Liebe, die sich nicht innerhalb der gleichen Generation bewegt, von vornherein verdammt, schädigt man das Kind." Auch Friedrich Nolte macht sich in der Broschüre für die geschiedenen Väter stark. Nolte ist ein Münchener Psychotherapeut, der im Herbst 1991 gegen EMMA einen Prozess verlor. EMMA darf also weiterhin schreiben: "Der Sex-Therapeut Friedrich Nolte Missbraucht Frauen und nennt es Therapie."

Pro-Kindersex-Allianz: Professoren, engagierte Väter, Pädagogen und Alt-68er.

Eine männerfeindliche Anti-Sex-Allianz von Feministinnen, Kirche und Presse? Es sieht eher so aus. als formiere sich hier klammheimlich eine Pro-Kindersex-Allianz aus gar zu liebevollen Kinderfreunden: angesehene Professoren, engagierte Väter, fortschrittliche Pädagogen und Alt-68er. Eine männerfreundliche Allianz bewährte sich in Berlin. Im Frühsommer 1993 füllen die "Story-Dealer" die Schlagzeilen in Berlin: "Erzieher quälten 1.000 Ferienkinder." Das Sommerprojekt "letzte deutsche Grenzpatrouille" wird gekippt. Keine "Trophy durch das Niemandsland" per Jeep, im Schlauchboot und zu Fuß. Kein Abenteuerurlaub für Kreuzberger Gören. Die Wochenpost berichtet, dass es in "internen Briefen" aus dem Bezirksamt Kreuzberg über die "Story-Dealer" heißt: ihr Konzept berge "ideale Bedingungen für pädophil veranlagte Teamer".

Die "Story-Dealer" sind linke Soziologen und Pädagogen. Schon seit Jahren gestalten sie im Auftrag des Kreuzberger Bezirksamtes kinderfreundliche Ferienfreizeiten. Einer dieser Kinderfreunde ist der Berliner Soziologe Hans G. Seine Lebensgefährtin hatte ihn nach der Trennung beschuldigt, den gemeinsamen Sohn sexuell missbraucht zu haben.

Das Berliner Stadtmagazin Tip verteidigte G. vehement: "Ein Berliner Soziologe geriet in Verdacht und in die Fänge der Inquisition." Als Inquisitorinnen wurden nicht nur die Mutter und ihre Freundinnen vorgeführt, sondern auch Kinderladen-Erzieherinnen, Mitarbeiterinnen von "Wildwasser" und des Bezirksamts Kreuzberg. Tip zufolge waren sie es, die alle zusammen dem kleinen Jungen den Satz entlockten: "Wenn ich am Penis von Papa rubbele, kommt Milch heraus, und die schmeckt bäh!" Einem verständnisvollen Amtsrichter, der über das Sorgerecht zu entscheiden hatte, reichten die Beweise nicht.

Die "Story-Dealer" erhalten im Frühsommer 1993 Schützenhilfe von einem ehrenwerten Kollegen. Der Pädagogik-Professor und Rektor der Berliner Fachhochschule (FH) für Sozialwesen, Reinhart Wolff, erklärt öffentlich: "Dem Versuch der Vernichtung einer engagierten Pädagogengruppe muss entschieden Widerstand entgegengesetzt werden." Der heutige Familienvater Wolff wollte früher als 68er-Revolutionär die Familie abschaffen.

Reinhart Wolff lancierte das Schlagwort vom "Missbrauch des Missbrauchs".

Aber das ist lange her. In den 70er Jahren avancierte der Pädagoge zum führenden Kopf der Kinderladen-Bewegung, die einst von Frauen initiiert worden war. Anfang der 80er gründete Wolff das Berliner "Kinderschutzzentrum". Ende der 80er konzipierte der Alt-68er für den "Deutschen Kinderschutzbund" die neue Strategie "Hilfe statt Strafe". Dahinter steckt der sogenannte "familienorientierte Ansatz", will heißen: Das Opfer wird nicht vorm Täter geschützt und von ihm getrennt, sondern gemeinsam mit ihm "therapiert". Im Klartext: Ein missbrauchender Vater bleibt weiterhin unter einem Dach mit der missbrauchten Tochter, und gemeinsam führen beide verständnisvolle Gespräche mit den Therapeuten.

Ende 1990 lancierte Kinderschützer Wolff zusammen mit seiner Frau Angela in der Fachzeitschrift Sozial Extra das seither viel zitierte und viel strapazierte Schlagwort vom "Missbrauch des Missbrauchs". Pädagoge Wolff: "Der ganze Eifer richtet sich darauf. Normen einer desexualisierten Kindheit wieder aufzurichten." Erneut werde "Sexualität als im Wesentlichen ‚schlecht', ‚gefährlich' und ‚pathologisch' charakterisiert ..."

Auf den Kinderschutztagen in der Beethovenhalle dankt im Juni 1991 ein bewährter Kinderschützer ab. Es ist Professor Walter Barsch, die "moralische Instanz des Kinderschutzbundes", dessen Präsident er zehn Jahre lang war und dessen Ehrenpräsident er nun ist.

In Bonn präsentiert die Frankfurter Werbeagentur Lintas den versammelten Kinderschützern eine Plakat-Kampagne zum sexuellen Missbrauch. Die kleinen Lolitas auf den Fotos sind mit Texten wie diesen garniert: "Vati war ihr erster Mann." - "Immer, wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann Onkel Paul nicht anders." - "Sabine ist Papis ein und alles. Sie wird von ihm geliebt. Aber mehr als sie verkraften kann."

Murren, teilweise laute Proteste in der Beethovenhalle. Doch es nützt nichts. Die Verträge mit der Werbeagentur sind bereits unterzeichnet. Prof. Walter Barsch und der Vorstand haben einen Alleingang gemacht. Die Basis wird nicht gefragt. Die Lintas-Kampagne ist nicht der erste Ausrutscher des Kinderschutzbundes. 1987 gab er ein Buch über 'Sexuelle Gewalt gegen Kinder' heraus, in dem wörtlich steht: Das Recht auf "sexuelle Selbstbestimmung durch die Kinder selbst" werde eingeschränkt, "indem sexuelle Kontakte zwischen einem Kind und einem Erwachsenen generell, ohne Ausnahme, unter Strafandrohung gestellt werden".

Was sind "sexuelle Kontakte" zwischen Erwachsenen und Kindern?

Das klingt einfühlsam. Aber: Was sind "sexuelle Kontakte" zwischen Erwachsenen und Kindern? Ist damit nur ein zu zärtliches Streicheln gemeint? Wohl kaum. Es muss sich schon um genitale Berührungen oder das Eindringen in die Vagina, den Anus und den Mund handeln. Mit einem erigierten Penis oder mit Gegenständen, nicht selten, bis der Körper zerreißt. Wer interpretiert die sexuellen Bedürfnisse der Kinder? Wer bestimmt, was sie unter "Erotik" oder gar "Sexualität" verstehen und was sie wollen?

Prof. Heinrich Kupfer vom 'Deutschen Kinderschutzbund' sitzt im Februar 1993 im westfälischen Münster auf einem Podium. In der Gaststätte "Schützenhof" geht es an diesem Abend um einen "Skandal", der schon seit Monaten die gutbürgerlichen Gemüter in der ehrwürdigen Bischofsstadt erhitzt. Auch Kupfer empört sich: "Überlasst das Feld nicht kleinkarierten Initiativen, die möglichst hohe Abschussquoten anstreben!" Was war geschehen?

Im Kindergarten einer evangelischen Kirchengemeinde hatten Erzieherinnen drei Fälle von sexuellem Missbrauch durch die Väter aufgedeckt. Experten bestätigten den Verdacht, und das Amtsgericht ließ die Kinder in einem Heim unterbringen. Inzwischen sind sie wieder zu Hause. Die Eltern allesamt akademisch gebildet waren Sturm gelaufen. "Verschleppung" tönten sie und setzten die Kirchengemeinde unter Druck. Eine Erzieherin wurde beurlaubt. und der Spiegel fragte: "Wie glaubwürdig sind Kinder, die ihre Eltern des sexuellen Missbrauchs beschuldigen? Und wie fachkundig sind Erzieher und Behörden, die solche Misshandlungen aufdecken?"

Seither sind Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und Mitarbeiterinnen von Jugendämtern in Nordrheinwestfalen verunsichert. Dafür treten andere immer sicherer auf. Helmut Kentler zum Beispiel. Der ehrenwerte Professor für Psychologie ist Mitglied in der renommierten 'Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung'. 1976 wurde er auf den Lehrstuhl für Sozialpädagogik an der Universität Hannover berufen. Die Münsteraner Eltern schalteten den Professor, der als kenntnisreicher Fachmann für Jugend und vor allem Jungensexualität gilt, als Gutachter ein. Prompt bezichtigte er die Erzieherinnen aus dem evangelischen Kindergarten der "Besessenheit".

Im Namen von Fortschritt und Freiheit werden Kinder zu Freiwild.

KennerInnen der Szene überrascht Kentlers Parteinahme nicht. Denn der Professor, der gerne auch "Exklusiv-Berichte" für Beate-Uhse-Kataloge schreibt, empfiehlt in seinen wissenschaftlichen Schriften die Unterbringung straffälliger Jungen "bei pädagogisch interessierten Päderasten". Damit liegt Kentler ganz auf Linie der "Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität" (AHS), in deren Kuratorium er als "Berater" sitzt. In diesem Gremium wirkt auch, siehe da. Kinderschützer Prof. Walter Barsch mit, der Ehrenpräsident des "Deutschen Kinderschutzbundes". Ebenfalls Berater der AHS sind Frits Bernard und Theo Sandfort, die Herausgeber der in Holland erscheinenden Zeitschrift 'Paidika - Journal of Paedophilia'.

Schon im Herbst 1990 hatte die AHS eine "künftige Kooperation" von Arbeitsgemeinschaft und Kinderschutzbund angekündigt. Das sei auf einem Treffen unter Leitung von Prof. Barsch, der damals noch amtierender Präsident des Bundes war, vereinbart worden. Anlass für die Zusammenkunft war das AHS-Positionspapier "Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen". Darin heißt es u.a.: Auch "pädosexuelle Kontakte" könnten "trotz der Ungleichheit der Partner gleichberechtigt und einvernehmlich gestaltet werden". Ungleichheit oder Partnerschaft? Und wie "einvernehmlich"?

Die "Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität", die "entschieden" dagegen ist, "den Besitz von Pornographie (Kinderpornographie) mit Strafandrohung zu belegen", wurde 1982 gegründet unter anderen von Michael C. Baurmann. Der Psychologe des Bundeskriminalamtes ist ein - auch von EMMA - vielzitierter Fachmann für sexuelle Gewalt. Ebenfalls AHS-Mitglied ist Rüdiger Lautmann. Der Sozialwissenschaftler lehrt und forscht an der Universität Bremen, wo er unter anderem die "Phänomenologie sexueller Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern" untersucht (AHS-Info 2/1990).

Bruno Bendig, der Vorsitzende der AHS, war früher Geschäftsführer der "Deutschen Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie" (DSAP). Nach der Auflösung der Pädophilen-Organisation im Jahre 1983 schloss sich ein Großteil ihrer Mitglieder der AHS an. In dem Buch 'Pädophilie heute' fragt der Sozialarbeiter Bruno Bendig: "Woher sollen Kinder eigentlich den Umgang mit ihrer Sexualität lernen, wenn nicht von Erwachsenen?" Das Buch trägt den Untertitel 'Zur sexuellen Befreiung des Kindes'.

Eine wahrhaft ehrenwerte Gesellschaft, die da angetreten ist, den sogenannten "Missbrauch des Missbrauchs" anzuprangern: Kinderfreunde, die im Namen von Fortschritt und Freiheit Kinder zu Freiwild erklären. All diese Herren Professoren, Doktoren und Rektoren verbindet nicht nur ihre Liebe zu Kindern, sie eint auch die Schwäche für eine Dame.

Rutschky - Anhängerin der Theorie der explodierenden Triebe.

Die Dame heißt Katharina Rutschky und ist Lehrerin von Beruf. Sie bezeichnet sich aber gern als "Freudianerin" - wohl um zu suggerieren, sie sei Psychoanalytikerin. Doch Rutschky hat so wenig Ahnung von Psychoanalyse, dass sie allen Ernstes noch vom "Sexualtrieb" spricht. Von der alten Dampfkesseltheorie der explodierenden Triebe also, die von der modernen Wissenschaft längst ad acta gelegt worden ist.

Katharina Rutschky, die Lehrerin für Schülerinnen auf dem Zweiten Bildungsweg war, bevor sie "freie Autorin" wurde, ist heute die in den Männermedien meistzitierte "Expertin", wenn es um Männersexualität um Frauenkritik daran geht. Als Fachfrau für Sexualität und Sexualgewalt trat die freie Autorin, die schon lange in linken und linksliberalen Blättern publiziert, erstmals 1988 in Erscheinung. Anlass: Die Anti-Porno-Kampagne von EMMA. Rutschky gehörte zu den zwei bis drei Frauen, die sich von den Männermedien systematisch pro Pornographie einspannen ließen. "Feministischer Volkszorn, der sich dieser Art kundtut", tönte Rutschky damals auf einem Hearing der Grünen zur PorNO-Kampagne, "ist genauso abzulehnen wie jede andere organisierte Dummheit." Die Pornofreundin tingelte von Podium zu Podium und von Talkshow zu Talkshow. Als es stiller wurde um die Kampagne, wurde es auch stiller um Katharina Rutschky.

Bald jedoch tat sich für die Rutschkys dieser Nation ein neues Betätigungsfeld auf: der sexuelle Missbrauch von Kindern. Seit 15 Jahren klären Feministinnen darüber auf und kämpfen dagegen an. Zehn Jahre hat es gedauert, bis die Öffentlichkeit das "Phänomen Inzest" zur Kenntnis nahm. Notgedrungen wird immer mehr darüber berichtet. Schließlich werden die Medien auch von Frauen gelesen und gesehen und die wissen als Ex-Opfer Bescheid. Doch auch im Bereich Sexualität ist der Rückschlag schneller als die Aufklärung. Kaum hat das öffentliche Bewusstsein den Skandal zur Kenntnis genommen, da rollt auch schon der "Backlash": Das Schlagwort vom "Missbrauch des Missbrauchs" macht die Runde.

Da schließt sich der Kreis - doch wer ist darin gefangen?

Seine lauteste Propagandistin ist Katharina Rutschky. Im Frühjahr 1992 veröffentlicht sie in dem linken (und personell früher Konkret verbundenen) Hamburger Klein-Verlag ihre kleine Schrift 'Erregte Aufklärung'. Es geht Rutschky darin nicht etwa um die Aufklärung über das Verbrechen sexueller Missbrauch. Es geht ihr um die Erregung darüber um Feministinnen, die von "Wahnbildung" und "dogmatischer Männerfeindlichkeit" befallen sind. Laut Rutschky haben Organisationen wie 'Wildwasser' und 'Zartbitter', die missbrauchten Kindern Zuflucht bieten, nur das Ziel, sich selber zu bereichern: "Es muss also ein neuer Bedarf produziert werden, auf den mit Geldern, Planstellen, Beratungseinrichtungen und Fortbildungsmaßnahmen reagiert werden kann."

Bei 'Wildwasser' und 'Zartbitter', die sich für die Opfer einsetzen, arbeiten die meisten Frauen ehrenamtlich. Katharina Rutschky, die die Täter verteidigt, arbeitet für Geld. Sie verdient am sexuellen Missbrauch. Sie tingelt wieder, denn ihr Buch kommt gut an.

"Ein kluger Beitrag", applaudiert die konservative FAZ. "Faszinierend und wichtig", schwärmt der alternative Psychoanalytiker Paul Parin in der Basler Zeitung. "Erfrischend respektlos", freut sich das pädagogische Fachblatt Jugendhilfe. "Brillant und mit bewundernswerter Klarheit", urteilt ZEGG-Gast Ernest Borneman in päd.extra. "Für Kinderschützer eine empfehlenswerte Lektüre", lobt Heinrich Kupfer vom 'Kinderschutzbund'. "Katharina Rutschky haut alle Epigonen von Missbrauchsmythen und Dunkelziffer-Hysterie in die Pfanne", begeistert sich die "Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität" (AHS).

Bei dem Kinderschützer und Alt-68er Wolff geht die Schwäche für die Dame sogar so weit, dass er sie zu ihrem Büchlein inspirierte. Im Nachwort dankt Rutschky: "Die Anregung bekam ich von Reinhart Wolff." So schließt sich der Kreis. Nur: Wer ist darin gefangen?

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