"Faschisten des 21. Jahrhunderts"
Herr Büscher, was glauben Sie, bedeutet die Wahl in Berlin für die Arche?
Dass sich die Situation noch verschärfen wird, wenn Rot-Rot-Grün an die Macht kommt und Elif Eralp Berlins neue Bürgermeisterin wird. Der Ton unter Kindern von Geflüchteten in unseren Einrichtungen wird bereits rauer, der Hass auf Juden und „Ungläubige“ immer offener formuliert. Schon kleine Kinder tönen: ‚Die Juden haben uns unser Land weggenommen. Tod dem Volk Israel!‘ Einmal hatte ich, von einer jüdischen Feier kommend, einen Anstecker mit der Flagge Israels an der Jacke. Da sagten mir Jungs im Grundschulalter: „Jetzt hassen wir dich, Wolfgang. Man sollte dich abstechen!“
Starker Tobak.
Aber Realität. Ich höre Jugendliche sagen: „Im Koran steht, dass ich mit Ungläubigen alles machen kann.“ Wenn solche Sätze fallen, haben wir ein Problem. Natürlich sehe ich, dass die Kinder auch selbst unter Druck stehen. Sie werden indoktriniert und sollen Druck auf andere Kinder ausüben, islamisch zu leben. Mädchen sollen ein Kopftuch tragen, sich den Jungen unterordnen. Das Essen muss halal sein, in der Schule zu singen ist haram, Sünde. Viele Kinder erleben zuhause körperliche Gewalt. Fragen Sie mal Ärzte einer Notaufnahme im Viertel, wie viele blaugeschlagene Kinder und Frauen dort regelmäßig eingeliefert werden. Wir sehen die Gewalt vor allem bei Kindern, deren Eltern oder Großeltern aus Palästina, dem Gaza-Streifen, Syrien, dem Irak und dem Westjordanland kommen. Wir haben ein Mädchen, eine Jesidin, die als Kleinkind in Afghanistan dabei war, als Menschen ihrer Familie geköpft wurden. Sie ist vor diesen Menschen geflohen. Heute lebt sie mit Menschen, deren Religionsgemeinschaft für diese Verbrechen verantwortlich ist, in Hellersdorf zusammen.
Herr Büscher, wie sieht die Armut aus, die Ihnen begegnet?
Ich sehe Kinder, die keine Teilhabe haben. Sie fahren nie in Urlaub, gehen nie in ein Restaurant, nie ins Kino, auf die Kirmes oder schwimmen. Viele bekommen zu Hause kein Frühstück. Von den deutschen Kindern leben besonders die von alleinerziehenden Müttern in Armut. Es reicht nicht für Kleidung, oft auch nicht für ausreichend Essen. Ich sehe viele Mütter, die innerlich aufgeben, weil sie nicht mehr können. Die Not in Deutschland wird größer. Sie beginnt unter den Frauen. Wir tun, was wir können.
Wie erleben Sie die geflüchteten Mädchen?
Es kommen immer weniger zu uns. Sie sollen zuhause bleiben. Zu uns hier in Berlin kommen ca. zu 80 Prozent Jungen und 20 Prozent Mädchen. Die Betreuerinnen lassen nie ein Mädchen allein in einem Raum mit Jungen. Das Frauenbild, das viele der Jungen haben, ist unterirdisch. Den Weg von der Burka zum Bikini haben sie nicht geschafft. Auch die Mitarbeiterinnen der Arche müssen sich erst mühsam Respekt erkämpfen. Es wundert mich gar nicht, dass es in anderen Jugendhilfe-Einrichtungen in Berlin zu Gruppenvergewaltigungen gekommen ist. Was mich empört, ist, dass sie so lange totgeschwiegen wurden. Aus Angst davor, als Rassisten bezeichnet zu werden, ducken sich Sozialarbeiter weg. Auf Kosten der Mädchen. Wer sich in einem Arche-Haus frauenfeindlich äußert oder Gewaltfantasien hat, muss gehen.
Sind Zwangsheiraten ein Thema der Arche?
Ja, natürlich. Die gehören ja schon fast zur Normalität in Deutschland. Wir versuchen bei Verdacht, die Mädchen aus den Familien rauszuholen und im Frauenhaus unterzubringen. Bei uns sind es oft Mädchen aus Syrien, die mit alten Männern in der Heimat verheiratet werden sollen. Mitarbeiterinnen wurden schon mit dem Tode bedroht und Koranverse an Arche-Häuser gesprüht. Doch weder gegen Zwangsheiraten noch gegen Viel-Ehen wird etwas unternommen. Gegen dieses politische und gesamtgesellschaftliche Wegsehen kommen wir nicht an.
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