In der aktuellen EMMA

Feme Zana Ramadani: Geächtet!

Hier protestiert Zana Ramadani (li) gegen Schleierzwang und die Unterdrückung von Musliminnen. Foto: Thorsten Strasas/Demotix
Artikel teilen

Wer sich öffentlich mit entblößten Brüsten zeigt, bekommt in Europa mindestens so viel Aufmerksamkeit wie eine Frau unter der Burka. Wir, die deutschen Aktivistinnen von Femen, taten bei unserer ersten Aktion beides gleichzeitig. Und das kam so:

Ich hatte die ukrainische Frauenrechtlerinnengruppe Femen schon länger im Blick. In Deutschland gab es zu diesem Zeitpunkt nur eine Facebook-Gruppe, die über die Aktionen der Ukrainerinnen berichtete. Ich wollte diese Gruppe unterstützen. Ich dachte nicht im Entferntesten daran, mich selbst auszuziehen. Mit meinem Job als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte und meiner Mitgliedschaft in der CDU erschien mir das unvereinbar.

Ich schrieb also eine E-Mail, und es stellte sich heraus, dass Irina, die deutsche Verwalterin der Facebook-Gruppe, ganz allein war. Gemeinsam fragten wir die Ukrainerinnen, ob wir auch in Deutschland etwas unternehmen könnten. Ihre Antwort: Macht und zeigt mal, was ihr könnt.

Und so entstand die Idee, am so genannten Slutwalk in Berlin teilzunehmen, dem Schlampenmarsch. Das Bild der Schlampe besteht nicht nur in der west­lichen Welt, sondern auch in der islamischen. Und es ist unter gläubigen Muslimen in der hiesigen islamischen Community besonders ausgeprägt. Hier gelten Frauen, die sich nicht verhüllen, als Schlampen und Huren, die für alle verfügbar und unrein sind. Deshalb zogen wir uns am 15. September 2012 aus, bemalten Oberkörper und Gesicht mit Ausnahme der Augenpartie mit schwarzer Bodypainting-Farbe und marschierten beim Berliner Slutwalk gegen sexuelle Gewalt mit, „gekleidet“ in aufgemalter Körperburka bzw. Niqab.

Die Botschaft war eindeutig: Es war eine Solidaritätsbekundung mit muslimischen Frauen und sollte auf deren Probleme aufmerksam machen, die auf unseren Plakaten benannt waren: „Fight for women’s liberation from religious oppression“, „Unveil women’s right to unveil“ und „There is war on women“. Es gibt Krieg gegen Frauen.

Ein paar Tage später begann die Hexenjagd der weißen Genderfeministinnen, zunächst im Internet. In Blogs warfen uns Gruppen wie „People of Color“ und „Critical Whiteness“ vor, uns „eine andere Kultur angeeignet“ und „eine ganz neue rassistische Qualität entwickelt“ zu haben. Wir hätten „Blackfacing“ betrieben (eine historische, rassistisch konnotierte Form des Theaters, bei der sich weiße Schauspieler schwarz anmalten, um Stereotype von Schwarzen zu verkörpern).

Die Organisatorinnen des Slutwalks antworteten zunächst so: „keine von uns hatte diese aktion vorort als ‚blackfacing‘ aufgefasst. mensch kann darüber verschiedener meinung sein. wir denken, dass die frauen, die die aktion gemacht haben, einen ‚arabischen hintergrund‘ haben.“ Und sie formulierten die Bitte, „nicht immer gleich mit der ‚rassismus-keule‘ zu kommen“. Auch Terre des Femmes habe es gut gefunden, „wie öffentlichkeitswirksam diese aktivistinnen gegen die weltweite unterdrückung von frauen protestiert haben“.

Leider schlossen sich diese Organisatorinnen des Slutwalks unter dem Druck der Political Correctness später der Meinung an, unsere Aktion sei doch „rassistisch“ gewesen.

Ich entstamme der islamischen Welt, aber anders als die Frauen in Saudi-Arabien kann ich mich zu Wort melden und gegen Verschleierung und Unterdrückung auftreten, ohne mit Bestrafung bis hin zum Tod rechnen zu müssen. Diese Bedrohung schwebte über der Tunesierin Amina Tyler, die sich einige Monate nach dem Slutwalk barbusig fotografieren ließ. Auf ihrem Oberkörper stand in schwarzer Farbe geschrieben: „Fuck your morals“. Das Foto verbreitete sie auf Facebook und schrieb dazu: „Mein Körper gehört mir und ist nicht die Quelle von irgendjemandes Ehre.“ Daraufhin verlangte der islamische Prediger Adel Almi im Fernsehen, Amina Tyler müsse ausgepeitscht und gesteinigt werden.

Das war für uns Anlass für eine Aktion zum von Femen ausgerufenen internationalen „Topless Jihad Day“. Wir schrieben „Fuck your morals“, „Fuck Islamism“ und „Arab Women Against Islamism“ auf unsere Haut und kletterten auf den Zaun der Ahmadiyya-Moschee in Berlin.

Dieses Mal kam die Kritik von muslimischen Frauen, die sich als Feministinnen verstehen. Die muslimische Bloggerin und Rechtsreferendarin Betül Ulusoy stellte sich vor die Moschee und hielt ein Schild in die Luft, auf dem stand: „Kämpfe für mich! Lass mich so sein, wie ich es will, nicht so, wie du es für richtig hältst.“ Auf Facebook, Twitter und anderen sozialen Medien protestieren Musliminnen mit Sprüchen wie: „Du brauchst mich nicht befreien, ich bin schon frei“ oder „Das Kopftuch ist meine Wahl“.

Die ebenfalls muslimische Bloggerin Kübra Gümüsay fiel durch zwei Hashtags auf: Mit #SchauHin wollte sie auf die Alltagsdiskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund aufmerksam machen, in ihrem Fall eine bekopftuchte Muslimin. Mit #Ausnahmslos behauptete Gümüsay mit „biodeutschen“ Mädchen, die Übergriffe gegen Frauen während der Silvesternacht 2015/16 würden „von Populist_innen instrumentalisiert“, um „gegen einzelne Bevölkerungsgruppen zu hetzen“.

Es ist paradox: Während die Genderfeministinnen generell alle Männer als Täter verdächtigen und anklagen, darf ausgerechnet über muslimische Täter nicht gesprochen werden. Es ist mir unbegreiflich, dass sie ausgerechnet dem muslimischen Mann Rabatt gewähren wollen. Gleichzeitig betonen sie kategorisch die Opferrolle aller Frauen.

Die muslimischen Täter von Köln zu schonen, macht diese Welt nicht besser, schon gar nicht für Frauen. Es muss erlaubt sein, auch über die Herkunft dieser Männer und deren Religion zu diskutieren. Gümüsay aber behauptete bezüglich des Femen-Beitrags zum „Topless Jihad Day“ in der taz: „Letztlich reiten die Femen- Frauen aber nur erfolgreich auf antiislamischen Ressentiments, gebrauchen rassistische und islamophobe Stereotype.“

Antiislamische Ressentiments. Rassismus. Islamophobie. Das sind die üblichen Totschlagargumente, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die Fragwürdiges kritisieren, das mit dem Islam zu tun hat. Demokratisch ist das nicht, Meinungsfreiheit und Diskurs stärkt das auch nicht. Aber vielleicht entspricht das ja dem Demokratieverständnis der Gümüsays und Ulusoys, dessen Qualität sich 2016 nach dem Putsch in der Türkei offenbarte.

Kübra Gümüsay weilte in der Nacht jenes 15. Juli im Land ihrer Vorfahren. Auf Facebook postete sie: „Wir sind in Sicherheit. Schockiert und ungläubig staunend. Bete für die Demokratie.“ Doch die wurde gerade in der Türkei zu Grabe getragen. Der türkische Präsident nannte den Putsch ein „Geschenk Allahs“ und nahm ihn zum Vorwand und Anlass, um nicht nur gegen die (vermeintlich) Verantwortlichen und Beteiligten vorzugehen, sondern gleich allen den Krieg zu erklären, die ihm nicht bedingungslos ergeben folgten, sondern auf demokratische Rechte pochten.

Die Juristin Betül Ulusoy hatte Schlagzeilen gemacht, als sie im Juni 2015 erzwingen wollte, als Referendarin im Bezirksamt Berlin-Neukölln ein Kopftuch tragen zu dürfen. Weil ihr das verwehrt worden war, sprach sie von „Diskriminierung“. In Berlin müssen jedoch alle Beschäftigten im Öffentlichen Dienst (LehrerInnen, PolizistInnen, RichterInnen) am Arbeitsplatz und im Dienst auf jegliche religiöse Symbole verzichten. 13 Monate später machte die „Kopftuchjuristin“ Ulusoy erneut Schlagzeilen. Nach Erdoğans „Gegen-Putsch“ schrieb sie auf Facebook einen Kommentar, der folgendermaßen übersetzt wurde: „Alles hat einen Segen. Jetzt können wir ein wenig Dreck säubern. Jeder kriegt seine Strafe.“

Ulusoy arbeitete damals in der Senatsgesundheitsverwaltung. Hatte ihr menschenverachtender Post Konsequenzen für sie? Meines Wissens nicht. Etliche „Biodeutsche“ verloren in den vergangenen Monaten ihren Arbeitsplatz wegen ähnlicher volksverhetzender Parolen. Zu Recht. Betül Ulusoy aber, die Diskriminierte, durfte weitermachen.

In der Debatte um Frauenrechte im Islam zeigen nicht nur hiesige Genderfeministinnen, sondern auch selbst ernannte muslimische Feministinnen ein bemerkenswertes Maß an Ignoranz und Kurzsichtigkeit. Sie alle führen ein sehr westliches Leben. Mag sein, dass ihre Wandlung – auch die in der Kleiderwahl – unter den gegebenen Voraussetzungen einer freiwilligen Entscheidung entsprang. Aber wie viele „Freiwillige“ sind das im Verhältnis zur islamischen Gemeinschaft weltweit, in der sich kaum jemand, am wenigsten eine Frau, auf Menschenrechte, Demokratie, Gleichberechtigung berufen kann?

Wieso setzen sich diese Wendehals-Kopftuchfrauen nicht dafür ein, dass Frauen, die dieses Zeichen eines politischen Bekenntnisses nicht mehr tragen wollen und deren Leben deshalb bedroht ist, ein Recht auf Asyl erhalten? Sie verweigern bedrohten Frauen die Solidarität. Das ist der tatsächliche Verrat unter Frauen. Und der kann bereits damit beginnen, dass man schweigt.

Am 25. Oktober 2014 wurde Reyhaneh Jabbari im Iran hingerichtet. Sie wurde 26 Jahre alt und verbrachte die letzten sieben Jahre ihres Lebens im Gefängnis. 2009 hatte ein Gericht sie zum Tode verurteilt, weil sie den Mann erstochen hatte, der sie vergewaltigen wollte; es handelte sich dabei um einen ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter. Mit Femen demonstrierte ich daraufhin am 27. Oktober vor der iranischen Botschaft in Berlin. Wir trugen ein Kopftuch oder eine Henkerskutte, und auf unsere Oberkörper hatten wir „Fuck Sharia“, „Murder“ und den Namen der Hingerichteten geschrieben.
Dies war die emotionalste Aktion, an der ich je beteiligt war. Auch ein Onkel von Reyhaneh Jabbari war gekommen und schubste mit Tränen in den Augen einen Polizisten von mir weg. Er wollte sich bedanken, dass wir seine Nichte und die anderen Hingerichteten nicht vergessen hatten.

Wo aber waren die kopftuchtragenden Frauen, die sich als muslimische Feministinnen verstehen? Während ich etliche Hämatome und Schürfwunden davon­trug, mit den anderen Aktivistinnen sechs Stunden in der Zelle saß (weil angeblich die Erfassung unserer Personalien so lange dauerte) und an den folgenden Tagen mit etlichen Gewaltandrohungen bis hin zu Bildern von abgetrennten Köpfen leben musste, blieben die Kopftuch-Aktivistinnen inaktiv. Sie versteckten sich, sie drückten sich vor ihrer Verantwortung als Feministin, die sie doch sein wollen.

Und als im Iran Models verhaftet wurden, die auf Instagram Fotos gepostet hatten, auf denen sie kein Kopftuch trugen? Kein Wort von den „feministischen“ Kopftuchmuslimas. Nicht ein einziges. Ignorieren sie die vielen Berichte im Netz und in den Zeitungen, wonach Frauen im Iran, in Afghanistan, Saudi-Arabien und Pakistan verprügelt, gesteinigt, vergewaltigt, missbraucht werden, weil sie gegen irgendeine vorgestrige Bestimmung verstoßen haben?

Wenn sich im Iran inzwischen Frauen den Schädel rasieren, um damit auch gegen den Zwang zur Verhüllung ihres Haars zu demonstrieren, wie kann eine Frau wie Khola Maryam Hübsch, muslimische Bloggerin, Journalistin und Tochter eines deutschen zum Islam konvertierten Schriftstellers, behaupten, Muslimas trügen den „Schleier der Freiheit“? Hidschab und Chimar (ein langes Kopftuch, das Schulter und Oberkörper bedeckt) sollen freiwillig getragen werden? Auch der Tschador im Iran? Aus Überzeugung? Der Niqab in Saudi-Arabien und im Irak? Die Burka in Afghanistan, Pakistan und in den vom selbst ernannten Islamischen Staat (IS) besetzten Gebieten?

Nachdem kurdische Soldaten im August 2016 die Terroristen des IS aus Manbidsch in Nordsyrien vertrieben hatten, gingen Bilder von lachenden Männern um die Welt, die sich den Bart abrasierten, und von freudigen Frauen, die sich eilig des Niqabs entledigten. Sie alle waren offensichtlich glücklich darüber, sich nicht mehr dem mit brutaler Gewalt durchgesetzten religiösen Zwang beugen zu müssen. Gibt es einen schreienderen Gegenbeweis für die Behauptung, Frauen verhüllten sich freiwillig?

Der Zwang ist offensichtlich. Und wenn die stolzen Kopftuchträgerinnen hierzulande sich das endlich eingestehen könnten, dann müssten sie sagen: Ich nehme das Ding ab, als Feministin kann ich gar nicht anders. Und wie kann es eine Muslimin, die ihren Glauben so sehr liebt, ertragen, dass das religiöse Symbol mit Zwang durchgesetzt wird? Hat das noch etwas mit Religion zu tun?

Diese ignoranten Kopftuchfrauen sind Teil einer Islamistenlobby, der es gelungen ist, die Solidarität nicht nur linker Feministinnen zu erschleichen. Alle sind sie den muslimischen Fake-Feministinnen von Gümüsay bis Ulusoy auf den Leim gegangen.

Es ist erstaunlich, was heute alles als Feminismus durchgeht: Sogar Mohammed soll Feminist gewesen sein, der eine Aufgabenverteilung als rechtens erklärte, die vielleicht damals sinnvoll war, die aber Feministinnen heute bekämpfen: Der Mann versorgt die Frau finanziell, im Gegenzug bedienet sie Papi, wenn er nach Hause kommt.

Die heiligen Texte seien ein Quell für Gendergerechtigkeit, heißt es unbeirrt, aber dieser Geist sei den patriarchalischen Interpretationen alter Männer zum Opfer gefallen. Die gleichberechtigte Rolle der Frau zu Lebzeiten des Propheten sei durch die vorwiegend männliche Erzähltradition unsichtbar gemacht worden. Die Ideale des Propheten hätten sich deshalb verflüchtigt.

Deshalb ist zwischen Islam und Feminismus eine Wahl erforderlich. Stattdessen springen die weißen Genderfeministinnen denen bei, die am schnellsten und lautesten „Rassismus!“ rufen. Sie lassen die Ewiggestrigen mit ihrem Beharren auf die überhaupt nicht feministische Tradition durchkommen.

Schon das Laissez-faire der Fürsprecher von Multikulti in den Achtzigerjahren war ein Fehler, weil man damit auch abgeschottete Parallelgesellschaften zuließ. Nebenbei pflegte dieses Multikulti-­Verständnis eine irritierende Form des „positiven“ Rassismus, zum Beispiel diese: Linke Autonome brechen das Markenzeichen von der Kühlerhaube eines bekannten Kapitalistenfahrzeugs. Der Besitzer des Mercedes beklagt sich lautstark, er fühle sich diskriminiert – als Türke. Die Täter entschuldigen sich, bringen den Stern zurück.

Die Ungleichheit in muslimischen Gesellschaften als kulturelle Freiheit oder Folk­lore zu dulden ist nicht nur eine ­falsche Toleranz, sondern in Wahrheit Gleichgültigkeit. „Türkinnen tragen Kopftücher“, behauptet der Fernsehsender Pro7 in einem gemeinsamen Werbespot mit der deutschen Sektion der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO). Dann wendet sich eine Blondine, die Ex-Moderatorin Charlotte Würdig, in einer Art Hidschab der Kamera zu, zeigt Haar, Gesicht, Hals und Beine und sagt: „Ich auch. Ist doch hübsch.“ Und weil’s international sein soll, folgt noch der Satz: „Enjoy difference. Start tolerance.“

Wie weltoffen! Wie liberal! Aber für welches Lebensmodell fordert die verkleidete TV-Blondine noch gleich Toleranz? Für das bereits hinreichend beschriebene Leben, das sich hinter Kopftuch und Schleier verbirgt? Verbergen muss.

Hübsch ist das nicht, das Leben der Frauen in einer muslimischen Familie, das offenbar weder die verkleidete Moderatorin noch die jungen Genderfeministinnen kennen. Das liegt daran, dass sie nicht unter die Menschen gehen, für die zu sprechen sie vorgeben. Es ist, als trügen sie Scheuklappen. Weil sie nur zu Hause sitzen, wo sie bloggen und sehr viel Hass verbreiten. Ihr beliebtestes und wirksamstes Mittel ist der Vorwurf des Rassismus, mit dem sie alle Menschen etikettieren, die wie ich die islamische Welt auch nur ansatzweise hinterfragen oder Probleme ansprechen. Das Wort Nazi ist in diesem Zusammenhang übrigens ebenfalls oft zu hören.

Damit decken sie, die doch vorgeblich für Freiheit, Gleichheit und Gleichberechtigung kämpfen, gerade jene, die für Unfreiheit und Ungleichheit sorgen und Frauenrechte missachten. Sie verraten Frauen in islam(ist)ischen Ländern ebenso wie in Europa, die sich nicht selbst für ihre Befreiung einsetzen können. Indem sie Gepflogenheiten und Sitten dulden, denen sie selbst sich niemals unterwerfen würden und die nicht nur mit unserer Gesellschaftsordnung, sondern mit universellen Menschenrechten nicht vereinbar sind. Ihre moralische Eitelkeit und überheb­liche Arroganz sind stärker als die Empathie mit den Opfern des Islamismus.

Genderfeministinnen kämpfen für die Rechte von Menschen aller denkbaren sexuellen Orientierungen (sogar Extra­toiletten in öffentlichen Einrichtungen für Transgender sind einen Streit wert), verschließen aber vor der Unterdrückung muslimischer Frauen die Augen.

Genderfeministinnen tragen eine Mitverantwortung dafür, dass Opfer von ­sexuellen Übergriffen schweigen, weil sie den Rassismusvorwurf und die Nazikeule fürchten. Zum Beispiel in Kassel: Über mehrere Wochen in der ersten Jahreshälfte 2016 hatten Männer arabischer Herkunft Mädchen auf dem Weg zur Schule in der Tram oder im Bus bedrängt und an Po, Brust und in den Schritt gefasst. Dann, endlich, vertrauten sich drei der Jugendlichen ihrer Lehrerin an. Auf ihre Frage, warum sie so lange geschwiegen hatten, erhielt sie folgende Antwort: „Wir möchten nicht, dass Flüchtlinge diskriminiert werden. Wir möchten keine Menschen pauschal beschuldigen und auf keinen Fall böses Blut schüren.“ Das ist eine falsch verstandene Political Correctness, die junge Frauen auch bei weißen Genderfeministinnen lernen, die zu viel Verständnis für „kulturelle Eigenheiten“ aufbringen. Wieso sollten wir den Taten dieser Männer nachsichtiger begegnen als üblicherweise? Feminismus geht anders.

Weil sie bei muslimischen Männern so viel Verständnis aufbringen, sind die Gender- und die Kopftuch-„Feministinnen“ auch mitverantwortlich für die wachsende Zahl von Anhängern der Rechtspopulisten. Otto Normalverbraucher wagt es nicht mehr, seine Sorgen und Ängste zu formulieren oder gar eine eigene Meinung zu vertreten, weil er fürchtet, als Nazi oder Rassist beschimpft zu werden. Warum aber soll man in Deutschland nicht der Meinung sein dürfen, nicht leben zu wollen wie Muslime in den Staaten, in denen der Islam Staatsreligion ist und die Scharia Recht ist? Warum soll man sich nicht Sorgen machen um Frau und Töchter, wenn junge arabische Flüchtlinge an der Kaufhalle herumlungern und anzügliche Bemerkungen von sich geben? Damit ist ja nicht gesagt, dass alle Muslime Vergewaltiger sind. Und es ist auch nicht gesagt, dass es unter Deutschen keine solchen gäbe.

Für mich gehört zum Feminismus, alle Probleme offen anzusprechen. In Deutschland ist es erlaubt, darüber zu streiten, wie wir leben wollen und wie nicht. Wir, Frauen und Männer, müssen die Bevormundung durch die Political Correctness brechen. Wir müssen uns davon befreien und uns trauen, Wahrheiten auszusprechen, ohne vorher das Bekenntnis ablegen zu müssen, kein Nazi zu sein, nicht xenophob und für offene Grenzen. Wir müssen das Eindeutige unzweideutig aussprechen. Und das beginnt bei Kopftuch und Verschleierung: Sie sind kein Ausdruck von Freiheit, sondern von Unfreiheit! Weil eine Frau sich verstecken soll, um als Mensch wahrgenommen zu werden und nicht als sexueller Reiz, als fleischgewordene Versuchung. Wer das nicht verstehen will, gehört nicht hierher; wer es nicht verstehen will, betreibt ein gegen unsere freie Gesellschaft gerichtetes Spiel – und eines gegen die Interessen der Frauen.

Zana Ramadani

Der Text ist ein ­gekürzter Auszug: "Die verschleierte Gefahr – Die Macht der muslimischen Mütter und der ­Toleranzwahn der Deutschen" (Europa Verlag, 18.90 €).

Ausgabe bestellen