Freiheit für Cecilia!

©PGS/GAP 2016
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Seit dem Tod ihrer Gefährten Charlie und Xuxa sitzt die Menschenäffin Cecilia allein hinter Gittern im Zoo von Mendoza, Argentinien. Die 35-jährige Schimpansin wurde zunehmend trübselig. Jetzt entschied eine Richterin, dass ihre Lebensbedingungen schnellstmöglich geändert werden müssen. Denn die Menschenäffin habe das "ihrer Spezies zukommende Recht auf Selbstentfaltung und auf ein Leben in ihrem natürlichen Umfeld". Sie sei keine "Sache", sondern ein "Rechtssubjekt", also eine "nichtmenschliche Person".

Hintergrund der gerade veröffentlichten und rechtskräftigen Entscheidung ist eine Klage, die zwei Jahre zuvor von der argentinischen Tierrechtsorganisation Association of Officials and Lawyers for Animal Rights (AFADA) eingereicht wurde. In Zusammenwirken mit dem internationalen Great Ape Project argumentierten die AktivistInnen, die Umstände der Haltung Cecilias im Zoo seien nicht nur gesetzeswidrig, sondern auch Ursache ihres sich rapide verschlechternden Gesundheitszustandes.

Auch nicht-menschliche Tiere haben Rechte, urteilte die Richterin

AFADA hatte bereits Ende 2015 Grundrechte für die im Zoo von Buenos Aires einsitzende Orang-Utan-Dame Sandra erstritten. Die aktuelle Entscheidung in Sachen Cecilia reicht sogar noch weit darüber hinaus: Richterin Mauricio betonte, auch nicht-menschliche Tiere besäßen abgestufte Rechte: „Wir sprechen dabei nicht über Bürgerrechte, wie sie im Bürgerlichen Gesetzbuch niedergelegt sind, sondern über die der jeweiligen Spezies zukommenden Rechte auf Selbstentfaltung und auf Leben in ihrem natürlichen Lebensumfeld.“ Die Richterin verfügte die sofortige Freilassung der Schimpansin. Sie soll schnellstmöglichst in das Menschenaffenrefugium des Great Ape Project im brasilianischen Sorocaba umziehen.

Das Urteil umfasst außerdem eine Aufforderung an die Behörden der Provinzhauptstadt Mendoza, notwendige Maßnahmen zu ergreifen, die Lebensbedingungen all jener Tiere nachhaltig zu verbessern, die nach dem Wegzug Cecilias im örtlichen Zoo verbleiben müssten. Im Schlusswort ihres Urteils zitierte die argentinische Richterin Mauricio den deutschen Philosophen Immanuel Kant: „Wir können das Herz eines Menschen danach beurteilen, wie er Tiere behandelt.“

Colin Goldner

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Ich bin wie du: Gib mir Rechte!

© Animal Press/Arthur Xanthopoulos
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„Würden Sie das auch mit Ihrem Hund machen?“ Nein, natürlich nicht. Denn der hat ja einen Namen. Und ist keine Nummer. Auch Jane Goodall gab den von ihr beobachteten Affen einen Namen – und verdankte es diesem Ernstnehmen der Tiere, dass sie entdeckte, wie ähnlich sie uns sind.

Ja, Tiere haben Gefühle und eine Persönlichkeit. Und sie können kommunizieren.

In der Juli/August-EMMA geht es diesmal um Nähe und Gleichheit zwischen den menschlichen und den tierischen Tieren. Wir selber haben gestaunt über das, was wir heutzutage alles schon wissen können – wenn wir nur wollen. Ja, Tiere haben Gefühle. Ja, Tiere haben eine Persönlichkeit (selbst die Maus im Labor). Ja, Tiere können kommunizieren. Und, ja, Tiere sind nicht nur nett, sie können auch gemein sein. Ganz wie wir, die menschlichen Tiere.

Katze Lilli pinkelte Alice Schwarzer im Schlaf auf den Kopf – zur Strafe, dass die drei Wochen verreist war. Papagei Ara tyrannisiert die Seinen, die ihn mit dem Spielchen „Fliegender Teppich“ bespaßen müssen. Aber es gibt auch Löwen und Delphine, die kleine Mädchen oder unvorsichtige Abenteurer vor bösen Menschen und Haien schützen.

Sie sind wie wir, die Tiere. Mal gut, mal böse; mal klug, mal dumm; mal lustig, mal langweilig. An dem Punkt ist selbst die fortschrittliche Verhaltensforschung jetzt angelangt: Der Unterschied zwischen Tieren und Menschen ist nicht grundsätzlich, sondern graduell.

Welche Schlüsse müssen wir daraus ziehen? Was können wir tun, um tierliches Leid und Unrecht gegen Tiere zu mildern, ja zu verhindern?!

Die aktuelle EMMA schlägt einen großen Bogen. Von einer Bestandsaufnahme der Erkenntnisse der Forschung sowie der Erfolge der Tierrechtsbewegung bis hin zu ganz neuen Ansätzen (von Tieren lernen!) und Lösungen: die Zoos auflösen! die Massentierhaltung und Tierexperimente verhindern! unsere Mitgeschöpfe ernst nehmen! Jede und jeder kann etwas tun.

Warum nicht auch die Lage der nicht-menschlichen Tiere ändern?

Übrigens: Wusstet ihr, dass man noch vor hundert Jahren auch Menschen in Zoos ausgestellt hat? Schwarze Menschen, importiert aus Afrika. "Vor ihren Hütten kauern halbnackt mehrere braune Gestalten, in ihrer Körperentwicklung, dieser Umgebung und der Draperie stark an das Affengeschlecht erinnernd“, schrieben 1887 die Basler Nachrichten über einen vergnügten Zoobesuch.

Nun, wenn sich die Lage der nicht-weißen Menschen ändern kann – warum sollte sich dann nicht auch die Lage der nicht-menschlichen Tiere ändern können? Packen wir es an.

Alles über Tiere und Menschen - und ein Einblick in die Tiere der EMMAs - in der Juli/August EMMA!

Das ganze Heft mit dem Dossier über Tierrechte für nur 2,99 Euro (statt 5 Euro) als eMagazin lesen.

 

Alle Artikel aus dem Tierrechte-Dossier in der Juli/August-EMMA 2016:

Haben Tiere Gefühle?
Ja, weiß Alice Schwarzer aus eigener Erfahrung.

Der Kampf um die Tierrechte
Nicht nur Sina Walden kämpft seit Jahrzehnten.

Krankheiten: Von Tieren lernen
Tiere ticken wie wir, sagt diese Kardiologin.

Dein Tier spiegelt dich...
Diese Therapeutin erkennt daran deine Probleme.

Wider die Natur?
Homosexualität ist bei Tieren weit verbreitet.

Schließt die Zoos!
Denn sie sind Gefängnisse - aber überflüssig.

Mäuse haben Charakter
Neue Forschung über Tier-Persönlichkeit.

Frauen & Katzen: Eine Symbiose
Die enge Verbundenheit ist alt, sehr alt.

Tiere im Recht
Wie lange sind Ausbeutung & Gewalt noch legal?

Geschichte von Mensch & Tier
Diese Historikerin erforscht die Zusammenhänge.

So begann der Kampf um Tierrechte
Mit einem Denkmal für einen Terrier in London.

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Fünf mutige Tierrechtlerinnen im Porträt.

Franziska Becker: Ein Herz für Menschen
So sieht sie aus, die "artgerechte Menschenhaltung".

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