Männerrechtler: Lila Pudel

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Herr Rosowski, wir Frauen haben mit Verbänden, die sich „Männer- und Väterrechte“ auf die Fahnen geschrieben haben, recht gemischte Erfahrungen gemacht.
Aber Sie brauchen sich ja nur unsere Plattform anzuschauen, um zu sehen, dass wir mit Organisationen wie MANNdat oder Agens nichts zu tun haben – auch wenn die gerade massenhaft Mitgliedsanträge stellen.

Stimmt. Da steht zum Beispiel, dass Sie Jungen „Handlungsoptionen und Zukunftsperspektiven jenseits patriarchaler und einengender Rollenvorstellungen ermöglichen“ wollen. Sie wollen Gewalt und Dominanzstrukturen in Beziehungen bekämpfen und Opferschutz und Täterarbeit verbessern. Kein Wunder, dass Sie auf Maskulisten-Seiten im Internet als „neues Ärgernis“ im Kampf gegen den „Feministinnenwahn“ beschimpft werden.
Wir werden auch gern als „lila Pudel“ bezeichnet. Das ist allerdings noch harmlos. Da wird eine unglaubliche Frauenfeindlichkeit verbreitet, die sich jetzt auch gegen uns gleichstellungsorientierte Männer richtet. Was da zum Teil geschrieben wird, ist menschenverachtend, ja gewalttätig. Und es hat uns maßlos geärgert, dass die Medien, seit das Männerthema hochkocht, nicht zur Kenntnis genommen haben, dass es auch Männer wie uns gibt. Stattdessen kommen immer nur die Altmeister der biologistischen Männertheorie wie Gerhard Amendt oder Walter Hollstein zu Wort. Dabei ist es doch ganz einfach: Es gibt ein Recht aller – Frauen und Männer – auf volle, freie, ganzheitliche Lebensentfaltung. Und es gibt eine Verantwortung von Politik und Gesellschaft, darauf zu achten, an welchen Stellen diese Lebensentfaltung behindert und infrage gestellt wird. Und wir möchten den Männerblick in diese Gleichstellungspolitik einbringen.

Auf Ihrer Startseite erklären Sie sich zur „Lobby für Männer in Deutschland“. Für was möchten Sie sich einsetzen?
Im Bereich „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ zum Beispiel haben Männer in einem Betrieb mit anderen Hemmnissen zu kämpfen als Frauen, wenn sie Elternzeit nehmen möchten. Allerdings tut sich auf diesem ¬Gebiet glücklicherweise schon einiges, weil die aktive Vaterschaft inzwischen politisch gewollt ist und auch die Wirtschaft unter Zugzwang gerät. Viel schwieriger sieht das im Bereich der Pflege aus. Es ist sowieso schon schwierig, bei einem Arbeitgeber Pflegezeiten durchzusetzen, weil man seine Mutter oder seinen Vater pflegen möchte. Aber versuchen Sie das mal als Mann! Ein Drittel aller älteren Pflegenden sind immerhin schon Männer. Aber der Anteil der jungen pflegenden Männer ist äußerst gering. Die wollen wir ermutigen, die brauchen Unterstützung.

Eins Ihrer Mitglieder, die „Stiftung Männergesundheit“, hat im Oktober 2010 den ersten deutschen Männergesundheitsbericht herausgegeben.
Ja. Zum Beispiel wünschen wir uns eine ähnlich systematische Vorsorge für Prostatakrebs wie es ihn für die sehr gute Brustkrebsvorsorge gibt. Und natürlich nutzen Männer Vorsorgeuntersuchungen seltener als Frauen. Der Bericht fragt auch ganz grundsätzlich nach männlichem Rollenverhalten, das krank macht. Männer haben zum Beispiel ein anderes Risikoverhalten und ein anderes Suchtverhalten.

Gender Mainstreaming, also ein geschlechterbewusster Blick auf gesellschaftliche Probleme, kann also für Männer genauso nützlich sein wie für Frauen?
Ja! Und wenn diese Hasstiraden von MANNdat & Co. gegen Gender Mainstreaming gefahren werden, kann ich nur sagen: Leute, erkennt endlich, dass Gender Mainstreaming für uns ein Super-Instrumentarium ist, um genau solche Dinge aufzuzeigen. Nämlich Behinderungen, Hemmnisse und Blockaden für einen ganzheitlichen Lebensentwurf auch von Männern.

Zur Zeit wird viel über „Benachteiligung von Jungen“ in der Schule geredet. Aber wenn nur der Super-Fußballer cool ist und einer mit guten Noten ein Weichei, ist das eine bedeutende Ursache für schlechte Schulleistungen. Dito die Tatsache, dass Jungen fünfmal so viel Zeit mit Ballerspielen verbringen.
Das ist ja nicht das einzige Problem, da müssten wir natürlich auch einmal über die stark weiblich konnotierten Kommunikationsformen in Bildung und Erziehung sprechen. Aber klar, wir Männer müssen uns an die Nase fassen und fragen: Was sind wir denn für Vorbilder? Auch deshalb brauchen wir mehr Männer in Kindergärten und Schulen. Nicht aus biologistischen Gründen, sondern damit diese Männer den Jungen andere Lebensentwürfe vorleben und ihnen zeigen können: Männer können auch fürsorglich sein. Es ist wichtig zu lernen und gute Noten sind auch cool. Allerdings wäre es zielführend, wenn dann auch die Mädchen nicht nur den Fußballer toll fänden, sondern auch den Bücherleser.

Wir arbeiten dran.
Wunderbar.

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www.bundesforum-maenner.de

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