Streep: Königin von Hollywood
Lange war es ein ungeschriebenes Gesetz für Frauen in Hollywood: Wer den vierzigsten Geburtstag feiert, verschwindet von der Leinwand. Die attraktiven Rollenangebote blieben aus, nur als grimmige Alte konnte man noch auftreten. Meryl Streep kennt noch diese Zeit. „Im Jahr meines vierzigsten Geburtstags bot man mir gleich drei Mal eine Rolle als Hexe an“, erinnerte sie sich unlängst in einer Fernsehrunde. „Das hat mir einen Wink gegeben, wie Hollywood tickt und was es von Frauen über vierzig hält.“
Immer wieder hat Streep diesen Missstand angeprangert, ebenso die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen im Filmgeschäft. Aber sie selbst ließ sich von solchen Hindernissen nicht beirren. Sie machte auch nach ihrem vierzigsten Geburtstag einfach weiter, ja sogar nach ihrem siebzigsten, wie jetzt, mit 77, als Star in „Der Teufel trägt Prada 2“. Ein Vorbild, nicht nur für die Generationen junger Darstellerinnen, die nach ihr kamen. Auch ihre Altersgenossinnen lassen sich von so viel Energie ermutigen. (...)
Bis zu ihrem vierzigsten Geburtstag 1989 sammelte Streep sieben Oscarnominierungen und hatte bereits zwei Oscars für ihre Leistungen erhalten. Sie war ein Star, das Publikum liebte sie. Trotzdem schlug das Altersstigma zu: Ab Beginn der Neunzigerjahre blieben auch bei ihr die hochkarätigen Rollenangebote aus. Die drei Hexenrollen hatte sie ausgeschlagen.
Streep machte aus der Not eine Tugend: Sie erweiterte ihr Repertoire um Komödien, probierte Nischen aus und steckte in jeden Auftritt die gleiche Disziplin wie zuvor in ihre Dramen. 2006 zahlte sich das aus, als sie die Rolle als strenge Chefredakteurin Miranda Priestly in der leichten Modekomödie „Der Teufel trägt Prada“ angeboten bekam.
Sie war nun 56 Jahre alt und hatte nicht nur schauspielerisch viel dazugelernt. Auch in Verhandlungsdingen war sie selbstsicherer geworden. Das Drehbuch von „Der Teufel trägt Prada“ begeisterte sie sofort, aber sie wollte wissen, wie viel sie den Produzenten wert war: „Ich wusste, ich hab da einen Hit in den Händen“, erinnerte sie sich später. „Aber ich wollte wissen, ob sie mich wirklich wollen."


