In der aktuellen EMMA

Stefanie Hubig: Startet durch

In rasantem Tempo unterwegs gegen Männergewalt: Ministerin Hubig. © Bernd von Jutrczenka/dpa
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Es war nicht ihr erster Auftritt in einer Talkshow. Aber ihr bedeutendster. Der, für den sie nachhaltig in Erinnerung bleiben wird – nicht als Ministerin, nicht als Amtsträgerin, sondern als eine Frau, die sexualisierter Gewalt den Kampf ansagt. Man ist geneigt zu sagen: als Feministin. 

„Ich habe mir auf meine Agenda geschrieben, dass ich insgesamt gegen Gewalt gegen Frauen, und zwar digital wie analog, vorgehen möchte“, sagt Stefanie Hubig Ende März bei Caren Miosga und schaut entschlossen in die Kameras. Ihr Blick ist wie ihre Sprache: ruhig, aber bestimmt. Dazu ein rosafarbenes Sakko, eine streng geschnittene Kurzhaarfrisur. Ihr Äußeres ist Programm, denn es steht für eine Politikerin, die ein ungewöhnliches Profil hat: das der pragmatischen Idealistin. Das soll ein Widerspruch sein? Bei Stefanie Hubig ist es das keineswegs. 

Stefanie Hubig: Gerade Frauenpolitik ist mir wirklich ein Anliegen

Die gebürtige Frankfurterin ist 57 Jahre alt, SPD-Politikerin und seit April 2025 „Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz“. In ihrer einjährigen Amtszeit hat sie bereits eine Menge angestoßen. Im Mai 2026 brachte Hubig ein Gesetz zum Schutz vor häuslicher Gewalt und Stalking ein. Fortan sollen Gerichte die sogenannte elektronische Fußfessel anordnen können, ein Werkzeug, mit dem Täter überwacht und betroffene Frauen gewarnt werden können. Außerdem erfüllt sie eine Forderung, die Frauennotrufe und Frauenhäuser schon seit Jahrzehnten stellen: Endlich soll Männern, die ihre Frauen misshandelt haben, das Umgangsrecht für ihre Kinder entzogen werden können. Ein weiterer Gesetzentwurf aus dem Hause Hubig: Täter, die ihre Opfer mit K.o.-Tropfen handlungsunfähig machen, werden künftig härter bestraft. 

Hubigs bisheriger – fraglos medialer – Höhepunkt der aktuellen Legislatur ist wohl das Gesetz gegen sexualisierte Gewalt im digitalen Raum, das das Ministerium im April vorlegte. Dies will Frauen vor sexualisierten Deepfakes und deren Verbreitung im Internet schützen. 

Und nun der jüngste Vorstoß der Justizministerin: Femizide sollen strafrechtlich als Mord anerkannt werden. Hubigs Politikkurs hat eine klare inhaltliche Stoßrichtung: Strafrecht als Mittel feministischer Gesellschaftspolitik. 

Dabei liest sich ihre Biografie eher wie die einer karriereorientierten Staatsbeamtin. Auf ein Studium der Rechtswissenschaften in Regensburg folgte eine vierjährige Tätigkeit als Richterin und Staatsanwältin in Ingolstadt. Hubig arbeitete sich durch verschiedenste Stellen der öffentlichen Verwaltung. Nach ihrer Position als Staatssekretärin im Justizministerium unter Heiko Maas folgt schließlich der Sprung ins Politische: 2016 wird Hubig Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz. 

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In diesem Profil der kühlen Verwaltungsbeamtin findet das Private offenbar kaum Platz. Ihr Beziehungsstatus ist nicht bekannt, die Person hinter der Amtsträgerin Hubig bleibt der Öffentlichkeit weitestgehend verborgen. Lange wirkte sie für den Wähler wenig greifbar, ihre Karriere verlief geräuschlos durch Ministerien und Behörden. 

Doch in den letzten Monaten wird immer deutlicher: Hubig kann nicht nur Beamtin, sie kann auch Politikerin. In einem Interview erzählt sie der taz, wie sie als Richterin „viele Sexualstraftaten verhandelt“ hat. „Die Vulnerabilität von Mädchen und Frauen und die strukturelle Ungleichheit zwischen den Geschlechtern war da deutlich zu erfahren.“ Was uns zurück zur Diskussionsrunde bei Miosga bringt. Stefanie Hubig teilt sich den Tisch mit Journalist Ronen Steinke und Aktivistin Theresia Crone, die selbst Opfer von Deepfakes geworden war. Zuvor saß dort Collien Fernandes. Als Hubig die geplanten Reformen gegen digitale Gewalt vorträgt, nickt Crone zustimmend. Der Schulterschluss mit Aktivistinnen scheint für Hubig selbstverständlich, gleichzeitig verschafft ihr die „hubigsche Sachlichkeit“ die nötige Seriosität. „Gerade Frauenpolitik ist mir wirklich ein Anliegen“, hatte die Ministerin im Herbst 2025 erklärt, „und ich will da in dieser Legislatur einiges bewirken“. Diese Ankündigung hat Ministerin Hubig schon jetzt eingelöst. 

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