Wenn Frauen Männer bezahlen

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Seine Protagonistin, die Wienerin Teresa, Anfang 50, Alleinerziehende – bedrückend überzeugend gespielt von Margarethe Tiesel – macht Urlaub in Kenia. Dort lernt sie, dass sie Männer dafür bezahlen kann, „tatschi, tatschi“ zu machen. Bezahlen. Aber nicht kaufen.

Begehren lässt sich nicht kaufen. Egal, welches Geschlecht der oder die Bezahlte hat. Aber Frauen haben gelernt, Begehren vorzuspielen. Männer hatten das nie nötig. Auch wenn sie so arme Schweine sind wie diese Schwarzen, die sich für ihren Lebensunterhalt für weiße Frauen prostituieren müssen. Die gekauften Männer verachten ihre Käuferinnen dafür. Die gekauften Frauen werden von ihren Käufern dafür verachtet.

Seidls Film ist mitfühlend und erbarmungslos zugleich. Er entschuldigt die Sextouristinnen nicht. Er versteht sie. Ganz wie die Objekte ihrer Begierde. In seinem Film ist das ersehnte Paradies in Wahrheit die Hölle.

"Paradies: Liebe" läuft heute um 22.40 Uhr auf arte. Mehr über Seidls Trilogie: "Drei Filme über die Sehnsucht der Frauen"

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