In der aktuellen EMMA

Warum der Rücktritt?

Aktivistin Rona Duwe (li) wurde von Therapeutin Sabine Maur verklagt. Das erwies sich als Bumerang. © LPK Rheinland-Pfalz/dpa
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Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. In diesem Fall heißt das: Der Psychotherapeutin Sabine Maur blieb am Ende nichts anderes übrig, als von ihren Spitzenämtern zurückzutreten: als Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz und als Vizepräsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer. Was war passiert?

Die Mainzer Therapeutin ist seit Jahren eine zentrale Figur, wenn es darum geht, die Transideologie im Berufsstand der Psychotherapeuten zu verankern. So war Sabine Maur Mitglied der Kommission, die die umstrittenen neuen medizinischen Leitlinien zur Behandlung von „Kindern und Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie“ schrieben. Als solches trug sie maßgeblich dazu bei, dass die Behandlung von Kindern mit Pubertätsblockern zum Standard erklärt wurden, obwohl deren Langzeitwirkungen noch gar nicht erforscht sind. Die Altersgrenzen für die Gabe von Hormonen (16 Jahre) sind unter ihrer Ägide ebenso gefallen wie die für Mastektomien, also Brustamputationen. Letztere lagen vormals bei 18 Jahren, jetzt darf schon früher amputiert werden.

Schon Jahre bevor die Leitlinie im Juli 2025 in Kraft trat, ließ sich eine Patientin von Maur, Nick, mit 16 in einer Klinik entbrüsten. Ob Brüste, Gebärmutter und Eierstöcke entfernt bleiben. Die ARD-Doku „Planet Schule“ berichtete 2016 darüber. „Meine Mutter dreht sich am Rad“, sagt Nick da zwei Wochen vor der OP in der Therapiestunde. Therapeutin Sabine Maur lacht und beI der Pressetermine zur Vorstellung der medizinischen Leitlinien im März 2025 hatte Therapeutin Maur erklärt, man müsse die Kinder und Jugendlichen in ihrem Transitionswunsch bestärken, alles andere sei „unethisch“. Die von ihr gepushten Leitlinien sehen folglich nicht mehr vor, dass vor den Amputationen gesondert Körperteile eine Psychotherapie erforscht sei. Bei Minderjährigen! Andere Länder wie Schweden, England oder Australien sind angesichts der völlig unklaren Studienlage längst umgeschwenkt: Sie setzen wieder auf Psychotherapie als Mittel der Wahl.

Auch in Deutschland hagelte es Kritik: 15 renommierte Kinder- und Jugendpsychiater, allesamt Lehrstuhlinhaber, hatten die Leitlinie als „Gefährdung vulnerabler Minderjähriger“ bezeichnet. Die Bundesärztekammer hat vor einer „experimentellen Medizin an Kindern und Jugendlichen“ gewarnt. Doch Sabine Maur blieb auf Linie. Als Präsidentin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz sorgte sie beim Beispiel dafür, dass die Teilnahme von Therapeutinnen an Fortbildungen der „Deutschen Gesellschaft für Trans“- und Intergeschlechtlichkeit“ (dgti), eines Trans-Lobbyverbandes, mit Fortbildungspunkten belohnt wurde.

Doch am 23. März legte Maur ihre Ämter nieder. Denn nun war sie einen Schritt zu weit gegangen. In einer bundesweiten Online-Fortbildung hatte sie den teilnehmenden Therapeutinnen erklärt, wie sie die Krankenkassen austricksen könnten, wenn die „nichtbinäre“ Patientinnen haben. Denn das Bundessozialgericht hatte 2023 entschieden, dass Menschen, die sich als „nichtbinär“ identifizieren, kein Anrecht auf Finanzierung ihrer OP haben. 

Wenn „Transmenschen“ also ihren TherapeutInnen erklärten, dass sie „nonbinär“ seien, „dürfen Sie es aber nicht in Ihr Indikationsschreiben reinschreiben. Weil sonst automatisch die Ablehnung durch die Krankenkasse kommt“, erklärte die Vorsitzende der Bundespsychotherapeutenkammer ihren TeilnehmerInnen nun. Und sie erläuterte weiter, wie sie selbst das Problem löst: „Bei den binären Transmenschen habe ich ja auch nie ins Indikationsschreiben geschrieben, dass sie binär sind. (…) Und dann muss ich aber auch nicht bei den Non-Binären reinschreiben, dass sie nonbinär sind.“ Mit anderen Worten: Sie verschweigt die Information, die zur Ablehnung führen würde. Und empfahl dieses Vorgehen indirekt auch den TherapeutInnen: „Das ist mein Wink mit dem Zaunpfahl.“

Dummerweise wurde diese Aufforderung zur Täuschung der Krankenkassen von einem Teilnehmer der Fortbildung aufgezeichnet und das Video geleakt. Es landete im September 2025 auf den Social-Media-Kanälen und sorgte sofort für heftige Kritik an Maur. Dort teilte auch Rona Duwe auf X. Die Grafikdesignerin aus Hamm ist eine der rührigsten feministischen Aktivistinnen, die mit Netz Kampagnen wie „Was ist eine Frau?“ oder „Grund gesetz schützen!“ gegen die Auswüchse der Transideologie kämpft. Inzwischen hatte die Sache Kreise bis in die Medien gezogen. Die Welt berichtete über das skandalöse Verhalten der Kammer-Präsidentin.

Was tat Sabine Maur? Sie ließ ihre Anwälte Abmahnungen schicken. Auch an Rona Duwe, obwohl die das Video erst im Januar 2026 repostet hatte, also fünf Monate nach der ersten Veröffentlichung und es, so Duwe, „kaum Reichweite hatte“. Das (heimlich aufgezeichnete) Video solle gelöscht werden, ebenso die dazugehörigen Tweets und weitere Berichterstattung unterbleiben. Außerdem solle Duwe die Anwaltskosten tragen.

Doch da war Sabine Maur bei Rona Duwe an die Falsche geraten. Denn die hat Übung darin, die Angriffe von Transaktivisten abzuwehren, die immer wieder versuchen, die unerschrockene Feministin mit Anzeigen und Drohungen zum Schweigen zu bringen. Bisher erfolglos. 

Auch dies mal hielt Rona Duwe gegen. „Weil ich es für wichtig halte, dass diese Informationen über die Äußerungen einer führenden Kammerfunktionärin öffentlich diskutiert werden, habe ich die Abmahnung nicht unterzeichnet.“ Unterstützt wurde Duwe dabei von dem Verein „Frauenheldinnen“, die via Crowd funding 15.000 Euro für Anwalts- und Gerichtskosten einsammelten. Beim Berliner Landgericht fühlte sich die Therapeutin und Trans-Lobbyistin Maur, der bei ihrem jah relangen Durchmarsch bis dato noch niemand Einhalt geboten hatte, offenbar immer noch so sicher, dass sie den vom Gericht angebotenen Vergleich ablehnte und ein Urteil verlangte. 

Das bekam sie. Es fiel anders aus, als sie sich das vorgestellt hatte. Das Video darf bleiben, entschieden die drei Richter. Es sei ein „Zeugnis der Zeitgeschichte“. Denn: „Dass die Antragstellerin als in mehrfacher Hinsicht herausgehobene Repräsentantin ihres Berufstandes einerseits die Einhaltung der Berufspflichten überwacht und ahndet, während sie sich selbst (berufs-)rechtswidrig verhält, indem sie den Kostenträgern psychotherapeutischer Leistungen wesentliche Informationen vorenthält und den Mitgliedern ihres Berufsstandes zudem auf internen Veranstaltungen ein nicht gesetzeskonformes Abrechnungsverhalten nahelegt, ist für die Allge meinheit von besonders hohem Interesse.“ 

Es dauerte dann noch zehn Tage, bis der Krug, der schon so oft zum Brunnen gegangen war, schließlich brach: Am 23. März 2026 erklärte Sabine Maur „mit sofortiger Wirkung“ ihren Rücktritt von beiden Ämtern: als Vorsitzende der Landespsychotherapeu tenkammer Rheinland-Pfalz und als Vize-Vorsitzende der Bundespsychotherapeutenkammer. 

„Wenn ich mich missverständlich äußere, übernehme ich dafür die Verantwortung“, erklärte sie. Missverständlich? Postwendend beklagten die Transaktivisten, denen nun eine ihrer wichtigsten Türöffnerinnen in die Medizin abhanden gekommen war, etwas von einer „transfeindlichen Hasskampagne“. 

„Dabei ist genau das Gegenteil der Fall“, sagt Rona Duwe. „Frau Maur hat mich vor Gericht gebracht.“ Unmissverständlich klar ist aber Folgendes: „In Deutschland bestimmen nur wenige Akteure den transaktivistischen Kurs“, sagt Rona Duwe. „Viele von ihnen sitzen aber an Schlüsselpositionen, sind sehr gut vernetzt und können seit Jahren Medien und Politik zu ihren Gunsten beeinflussen. Meine Weigerung zu schweigen, hat nun zum Rücktritt einer Schlüsselfigur geführt.“ Der Durchmarsch der Transideologen wurde zum ersten Mal ausgebremst. Aber sicher nicht zum letzten.

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