Alice in Tübingen und Heilbronn
"Hunderte kamen, um Alice Schwarzer in Tübingen zu sehen", titelte der Reutlinger Generalanzeiger schon am nächsten Morgen. "Aber die war nicht nur gekommen, um aus ihrem Buch zu lesen. Sie war gekommen, um mit ihren Zuhörerinnen und Zuhörern zu sprechen. Schnell musste der Raum aufgehellt werden. Sie wollte ihre Gesprächspartner sehen. 'Wir reden nicht mehr miteinander.' Das sei für sie eines der großen Probleme unserer Zeit. An diesem Abend sollte es anders sein.“
Draußen protestierte derweil das "Queere Zentum" mit etwa 50 Personen gegen die queere Alice Schwarzer. Warum, verstand die nicht so richtig. Aber das verstanden die Demonstranten vermutlich auch selber nicht richtig. "Für mich ist das Folklore", kommentierte Alice gelassen. "Aber man braucht inzwischen anscheinend Mut, mich einzuladen." Den Mut hatte Buchhändler Heinrich Riethmüller von Osiander, der zur Begrüßung resolut erklärte, er fände es "erschreckend, wie wir heute miteinander umgehen. Das beschädigt die Demokratie."
Auf das Gespräch mit Katharina Luther auf der Bühne folgte die sehr lebhafte Diskussion mit dem Publikum, den knapp 400 Menschen in dem Kinosaal, und zum Abschluss das Signieren, auch für auffallend viele Männer und Ehepaare.
Am nächsten Tag ging es die rund hundert Kilometer weiter nach Heilbronn. Da hatte die Volkshochschule eingeladen. Und auch da ein mit über 200 Menschen überfüllter Saal. Katrin Gilliar begrüßte und das Publikum, weit überwiegend Frauen, konnte es kaum erwarten, loszulegen. Es waren die Alltagssorgen der Frauen, die zur Sprache kamen. Beruf, Kinder. Aber auch, wie überall, die Probleme mit dem "Stadtbild". Jeder zweite Mensch in Heilbronn hat einen Migrationshintergrund. Und keineswegs alle sind so gut integriert wie die MitarbeiterInnen der Volkshochschule.
Nach den insgesamt ersten vier Lesungen mit ihrem neuen Buch sagt Alice: "Ich komme mir vor wie 1975 mit dem 'Kleinen Unterschied'. Überall ein großes Interesse, eine herzliche Zugewandheit und ein enormer Redebedarf. Nur dass gleichzeitig draußen auf der Straße gegen mich protestiert wird - und das wegen Unterstellungen, die gar nicht auf mich zutreffen. Das ist neu."
Hier die weiteren Termine der Lesereise.


