Preis für Schauspielkunst an Frier

Schauspielerin Annette Frier hat sich an ein heißes Eisen gewagt: Die Wechseljahre. © Valeria Mitelman
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Seit Jahren hieß es in der EMMA-Konferenz: „Wir sollten mal mit Annette Frier sprechen! Schließlich ist die eine der witzigsten Frauen im deutschen Fernsehen – und wohnt um die Ecke. In „Switch“ und der „Wochenshow“ war sie in den 1990ern noch allein unter Männern, in der Impro-Show „Schillerstraße“ gab es schon eine 50 : 50-Quote. Inzwischen sind bei ihrer ZDF-Serie „Queens of Comedy“ die Mädels unter sich. Ihren Durchbruch hatte Frier 2010 als anarchische Anwältin Danni Lowinski. Überhaupt sind ihre Frauenfiguren immer eigenwillig, sogar auf dem ZDF-„Herzkino“-Platz am Sonntagabend. Da war sie die reichlich sperrige autistische Juristin Ella Schön. Und auch als Anna Merz macht sie in „Merz gegen Merz“ im Scheidungskrieg gegen ihren zukünftigen Ex-Mann (Christoph Maria Herbst) keine Gefangenen. Aber Annette Frier kann auch ernst, zum Beispiel, als sie für das Projekt „Unvergesslich“ einen Demenz-Chor gründete. Jetzt hat sich Frier an ein heißes Thema gewagt: die Wechseljahre. In der von ihr selbst entwickelten und produzierten Serie „Frier und Fünfzig – Das Ende meiner Tage“ spielt Annette Frier, 52, konsequenterweise auch sich selbst. Die acht Folgen sind „zum Schreien komisch“ (Süddeutsche), aber auch „mutig“ (Stern). Da steht sie also endlich: Annette Frier in der EMMA-Redaktion! Und schon geht’s los mit der Wahrheit über die Wechseljahre.

Annette, in deiner Serie spielst du die Schauspielerin Annette Frier in einer veritablen Lebenskrise: Die Tochter schwanger, die Mutter dement, der Mann auf Abwegen mit der Fitness-Trainerin. Die Rollenangebote bleiben aus, die Produktionsfirma schickt Botox-Gutscheine. Wie ging das bei dir wirklich los mit den Wechseljahren?
Bei den Dreharbeiten zum neuen Film von „Merz gegen Merz“ hatte Ralf Husmann (der Erfinder von „Stromberg“, Anm. d. Red.) mir eine Hitzewallung ins Drehbuch geschrieben. Da hab ich ihn gefragt: „Hast du sie noch alle? Wie früh soll die Scheiße denn losgehen? Such dir doch eine Schauspielerin, die im passenden Alter ist!“ Alle räusperten sich und sagten: „Annette, du bist Mitte 40 …“ Gut, ich habe das dann gespielt. Und einen Tag nach den Dreharbeiten habe ich die erste klassische Hitzewallung gekriegt!

Annette Frier als rabiate Menopausierende in der Serie "Frier & Fünfzig".
Annette Frier als rabiate Menopausierende in der Serie "Frier & Fünfzig".

Und dann?
Ich habe das zunächst für ein Missverständnis gehalten. Dann habe ich aber gedacht: Es könnte sinnvoll sein, sich mal durchzulesen, was hier gerade alles so passiert, und habe mich intensiv mit der Menopause beschäftigt. Ganz nebenbei hat das eine Räumungs­aktion in meinem eigenen Leben ausgelöst. Und offensichtlich machen das ganz viele Frauen in den Wechseljahren. Ich sehe nur noch Frauen um die fünfzig im Aufbruch! 

Und was sagen deren Männer dazu?
Verschiedenes. Die meisten Männer agieren sehr reaktiv. Ich sehe selten, dass ein Mann von sich aus zu seiner Frau sagt: „Hör mal, wir müssen mal richtig ran an unsere Ehe!“ Die Männer hauen entweder ab, oder sie zucken mit den Schultern oder tun so, als ob sie das Thema gar nicht bemerken. Ich glaube nicht, dass Männer generell zu doof sind. Sie haben einfach selber einen Riesenschiss, mit ihren gelernten Mustern nicht weiterzukommen. Wenn die Männer ihre eigenen Unsicherheiten wirklich preisgäben, würde echte Kommunikation entstehen. Eigenverantwortung. So weit kommt es leider nur selten. Stattdessen hört man dann oft von Frauen: „Ich hab mich die letzten zwanzig Jahre um unsere Kinder gekümmert, den Haushalt gemacht, unsere Freundschaften aufrecht erhalten und überhaupt alles am Laufen gehalten – und jetzt sagst du mir, du hast ne Lebenskrise? Und wie heißt die? Astrid? Leck mich am Arsch!“ 

Die Wechseljahre bedeuten immer noch eine krasse Abwertung von Frauen. 
Ja, natürlich! Deshalb bedeuten die Wechseljahre ja für viele Frauen eine Identitätskrise. Und gesellschaftlich sind wir überhaupt nicht an dem Punkt, dass sich da viel verbessert hätte. 

Und dann hast du dir gesagt: Das ist doch ein Thema, daraus mache ich eine Serie!
Mit der Autorin Sonja Schönemann war ich gerade zu einem anderen Projekt im Gespräch, aber irgendwie kamen wir immer wieder auf diese, wie wir sagten, „dusseligen Wechseljahre“ zu sprechen. Und dabei hatten wir den Spaß unseres Lebens! Denn wenn man einen Schritt zurücktritt, sind ja gerade die schlimmen Dinge furchtbar lustig. Man kann ja auch kreativ mit einer Krise umgehen und bei mir führt das natürlich zwingend zu Humor. Das ist meine Waffe.

Rosenkrieg bei "Merz gegen Merz" mit Christoph Herbst.
Rosenkrieg bei "Merz gegen Merz" mit Christoph Maria Herbst.

Diese Waffe hast du schon früh gezogen. Als junge Schauspielerin hast du sehr schnell Comedy gemacht. Zuerst warst du bei „Switch“, dann bei der „Wochenshow“.
Ich habe das mit der Comedy zunächst für ein Riesen-Missverständnis gehalten. Ich wollte ja ans Theater und habe mich als große Tragödin am Schauspielhaus gesehen. 

Ach?
Ja, doch. Wir hatten in der Schauspielschule extrem lustige Frauen. Die waren für mich ganz klar die Komödiantinnen – und ich eher die Minna und das Gretchen. Und ich dachte: Na gut, machst du jetzt halt ein paar Sketche im Fernsehen. Bei „Switch“ kann ich ja jetzt erstmal Geld verdienen und mich dann in Ruhe am Theater bewerben. 

Was man sich heute kaum vorstellen kann: Du hast als Kind bis zur Grundschule überhaupt nicht gesprochen. Wie kam das?
Ich war ein Frühchen und habe lange gebraucht, um in der Welt anzukommen. Ich war sehr in meiner Innenwelt versunken. Aber als ich dann einmal angefangen habe, war kein Halten mehr! Dann war ich da, das ging von null auf hundert! Ich bin dann konsequenterweise gleich Klassensprecherin geworden. 

Wie waren denn deine Eltern?
Meine Eltern haben eine sehr moderne Ehe geführt. Meine Mutter war schon Lehrerin, als mein Vater noch studiert hat. Sie ist drei oder vier Wochen nach der Geburt direkt wieder in die Schule gegangen und mein Vater hat die ersten Jahre mit meiner älteren Schwester Sabine und mir zu Hause den Laden geschmissen. Und ich erinnere mich, dass ich mit 17, 18 dachte: Was haben die denn alle? Für mich war ja Gleichberechtigung total selbstverständlich! Ich habe ja zu Hause auch immer nur mit Frauen diskutiert. Und meine Mutter ging eigentlich immer in Opposition. Das war damals nicht frauentypisch, aber darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht. Bis ich bei anderen sah: Wenn die Männer am Tisch Witze erzählen, hören die Frauen zu und sind nur so eine Art supporting acts. Das war für mich gänzlich neu.

Anette Frier (zweite von links, sitzend) in der Impro-Comedy "Schillerstraße".
Anette Frier (zweite von links, sitzend) in der Impro-Comedy "Schillerstraße".

Das gibt einem als Tochter wahrscheinlich ein ganz gutes Standing: Zu sehen, dass man nicht dazugehören muss, sondern sich außerhalb stellen darf.
Das würde ich gern so behaupten. Aber ich arbeite immer noch sehr stark daran, dass ich nicht liebgehabt werden muss.

Und dein Vater?
Der war die größte Glucke von allen. Der war immer am liebsten mit uns zusammen und wollte auch sonntags immer nur was mit der Familie machen. Meine Mutter war diejenige, die sagte: Ich hab keinen Bock! 

Habt ihr drei Frier-Schwestern durch eure Mutter auch etwas von der Frauenbewegung mitbekommen? 
Meine Mutter hat das mit der Gleichberechtigung nicht theoretisch, sondern praktisch durchgezogen, die hat das einfach gelebt – und sie lebt das auch immer noch. 

Du hast mit deinem Mann, dem Drehbuchautor Johannes Wünsche, zwei Kinder. Hast du das Modell deiner Eltern übernommen?
Ja. Wenn ich früher gefragt wurde: „Unterstützt Ihr Mann Sie mit den Kindern?“ habe ich immer geantwortet: „Ja, ich unterstütze meinen Mann!“ 

Die beiden Kinder, eine Tochter und ein Sohn, sind jetzt fast volljährig. Wie sprichst du mit denen über diese Themen?
Vorleben scheint mir wichtiger zu sein, als darüber zu reden! Die Kinder sehen ja jeden Tag, wie wir so leben. Mein Sohn geht allerdings zur Zeit in Opposition, wenn ich was sage: „Mama, du und dein Scheiß-Feminismus immer!“ Aber wenn der woanders ist, zum Beispiel in seinem Philosophie-Kurs, dann gibt er da gerne mal den Feministen. Aber von mir fühlt er sich in seiner Männlichkeit nicht ernst genommen. Wenn ich manchmal Männer belächle, dann sagt er: „Für dich sind alle Männer Scheiße. Das nervt!“ Ich sag dann: „Es sind halt viele Männer Scheiße!“ 

Annette mit Schwester Caroline bei den "Queens of Comedy".
Annette mit Schwester Caroline bei den "Queens of Comedy".

Und dann?
Dann muss mein Mann ran. Wenn der merkt, dass es bei unserem Sohn ein bisschen viel wird mit dem Gym und den maskulinen Posen, dann schnappt er ihn sich und sagt: „Pass auf, Großer, genug Machismo für heute!“ Das hat mehr Wirkung. Ich gehe zur Zeit wirklich besser mit meinem Sohn Tennis spielen. 

Nochmal zurück zu deinem Start in der Comedy-Welt. Bei „Switch“ und in der „Wochenshow“ warst du die einzige Frau – wie vor dir Anke Engelke. Wie behauptet man sich da?
Also, erstmal war da wieder große Verwunderung bei mir: Warum sind denn hier nur Männer? Ach so, weil das immer so war. Da war ich richtig baff. Ich bin nach Hause gekommen und habe gesagt: Hör mal, da sind nur Männer! Das waren glücklicherweise fast nur Gentle­men, aber mit dem Wissen von heute, hätte ich damals sagen müssen: Leute, ihr müsst zusehen, dass hier ein paar mehr Frauen sitzen! Denn diese Zusammensetzung bildet die Gesellschaft nicht ab. Und das ist gar nichts gegen euch – das ist was für uns! Aber ich bin damals nicht auf die Idee gekommen. In diesem Sinne war ich also eigentlich keine Pionierin. Auch da war ich wieder ein Spätzünder.

Wie war denn die Zusammenarbeit mit den Männern?
Du musstest als Frau einen mega Arsch in der Hose haben. Ich hatte ja keinen Support durch andere Frauen. Wenn ich Sonja Schönemann auf dem Flur getroffen habe, haben wir uns zugenickt, aber wir sind nicht auf die Idee gekommen, darüber zu sprechen, wie das ist: Ich als einzige Spielerin, sie als einzige Autorin. Ich war einfach im Survival-Modus. Die Comedy der Nuller Jahre war ja: Auf die zwölf! Wer hat den schnellsten Witz? Raus damit! Ich war immer unter Stress. Da musste ich das Thema „Frau im Dschungel“ erstmal liegenlassen

Aber mit der „Schillerstraße“ warst du ganz klar eine Pionierin. Zwei Frauen machen Impro-Comedy im Fernsehen und sind damit total erfolgreich! 
Ja, das stimmt. Aber da hab ich es einfach gemacht. Cordula und ich haben uns diesen Raum einfach genommen. Cordula ist eine Granate! Ich vergleiche das immer mit einem Fußballfeld: Cordula schießt Tore, die verwandelt. Ich bin eher im Mittelfeld und verteile Bälle.

Gab es nicht die Sorge: Wenn wir scheitern, scheitern nicht die beiden Individuen Annette Frier und Cordula Stratmann, sondern die beiden Frauen – und dann heißt es wieder, dass Frauen das mit dem Humor halt nicht können? Frauen scheitern ja nie alleine, sondern immer für ihr ganzes Geschlecht.
Das stimmt. Aber wenn ich mir das immer vergegenwärtigen würde, könnte ich mich gar nicht vor eine Kamera stellen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich scheitere, weil ich dann gleich zu Hause bleiben müsste. Mein Spieltrieb ist einfach größer. Die Neugier besiegt die Angst.

Anette Frier mit ihrem Ehemann Johannes.
Anette Frier mit ihrem Ehemann Johannes.

Deinen Durchbruch hattest du 2010 mit „Danni Lowinski“.
Das war mein Glücksbringer, nachdem die Kinder zur Welt gekommen sind. Das wusste ich auch sofort, als ich das Drehbuch gelesen habe. Sie hatten noch andere Frauen zum Casting eingeladen, aber ich dachte: Die brauchen gar nicht zu kommen! Ich wusste einfach von der ersten Sekunde an, dass das meins ist. 

Danni Lowinski ist Friseurin, die auf dem zweiten ­Bildungsweg Jura studiert hat. Als niemand sie als Rechtsanwältin einstellen will, setzt sie sich mit einem Klapptisch in ein Einkaufszentrum und vertritt kleine Leute für wenig Honorar.
Danni Lowinski ist kein ‚Gutmensch‘, vertritt ihre Fälle mit Street-credibility, aber hochmoralisch. Ich hatte mir immer eine Rolle gewünscht, die alle Genres bespielt. In einem Moment denkst du: Das ist ne Tragödie, im nächsten denkst du: Ist die Lowinski verrückt? Was macht die denn da? Keine Regeln. Das war toll! Über ein Rollenangebot für eine etwas weniger kraftvolle Frau würde ich mich mittlerweile auch freuen. Aber typmäßig scheine ich das nicht auszustrahlen. Naja, inzwischen mache ich mir meine Rollen ja auch selbst, hier und dort.

Mit „Frier und Fünfzig“ bist du zum ersten Mal in der Rolle der Produzentin.
Ausflüge jenseits meiner Rolle als Schauspielerin hatte ich ja 2020 schon mit dem Projekt „Unvergesslich – der Demenz-Chor“ gemacht. Und dann gemeinsam mit selbiger Produzentin, Dietlinde Stroh, im Lockdown das kleine Interview-Format: „Warum bist du hier?“ realisiert.

Da hast du Menschen sehr grundsätzliche Fragen gestellt: „Was macht dich glücklich? Was ist deine Rolle in deiner Familie? Wem hast du etwas zu vergeben?“ 
Genau. Mich interessieren sinnstiftende Dinge inzwischen mehr als das reine Spielen. Das nennt man wohl Lebenserfahrung, sich bei Projekten immer öfter die Frage zu stellen: Habe ich eigentlich etwas zu sagen? Und mittlerweile habe ich auch das Selbstbewusstsein zu sagen: Ja, habe ich! Das hatte ich mit 25 so noch nicht. Und bei diesem Interview-Projekt habe ich die Erfahrung gemacht, so was kriege ich selber hin. Das waren die ersten Gehversuche. Und dann habe ich bei „Frier und Fünfzig“ gedacht: Okay, dann machst du das jetzt mal ne Nummer größer!

Und wie genau hast du das gemacht?
Meine Rolle war, gemeinsam mit dem anderen Produzenten, Stephan Denzer, bei den Sendern für das Projekt zu werben und damit eine Finanzierung zu bekommen. Selbst finanzieren kann man sowas nicht. Du kannst nicht 40 Leute einstellen, ohne zu wissen, ob das jemand bezahlt. Wir haben knapp zwei Jahre damit verbracht, das Projekt weiterzuentwickeln und mit Leuten zu sprechen.

Mehr EMMA lesen! Die März/April-Ausgabe gibt es als Printheft oder eMagazin im www.emma.de/shop
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Lief es dann bei „Frier und Fünfzig“ real so, wie es in der fiktiven Serie erzählt wird? Kein öffentlich-rechtlicher Sender wollte diese Serie über die Wechseljahre haben?
Ich hatte das Thema natürlich bei den Öffentlich-Rechtlichen gesehen. Aber das ZDF wusste nicht, auf welchem Sendeplatz sie es senden sollten. Zielgruppen-Problematik. Da habe ich gedacht: Junge Zielgruppe? Echt jetzt? Find ich richtig lustig. Und insgesamt mahlen die Mühlen bei den Öffentlich-Rechtlichen wahnsinnig langsam, das ist ein Riesen-Apparat mit zig Gremien. Ich will da niemanden in die Scheiße reiten, jeder hat seine Zwänge. Aber Sat.1 war dann einfach schneller. 

Wie waren denn die Reaktionen auf „Frier und Fünfzig“?
Zunächst mal musst du die Kollegen überzeugen, mitzumachen. Das war teilweise nicht so einfach und manchmal stand ich auch selbst mit Fragen und Zweifeln vor dem Spiegel und habe geschlottert. Aber als ich dann das fertige Ergebnis gesehen habe, wusste ich gleich: Puh, das ist richtig gut geworden!

Die Medien haben breit berichtet und die Resonanz war sehr positiv. Hast du den Eindruck, dass das Thema Wechseljahre jetzt da ist?
Ich habe das Gefühl, dass es in der Gesellschaft angekommen ist. Dazu habe ich vielleicht einen kleinen Beitrag geleistet, aber der ist nur Teil einer großen Bewegung. Das Buch „Women on Fire“ von Sheila de Liz (EMMA 1/24) war auch so ein Beschleuniger. Und das Interesse ist gewaltig: Wir machen im März bei der lit.cologne einen gemeinsamen Abend zum Thema Wechseljahre, der war innerhalb einer halben Stunde ausverkauft. Inzwischen ist auch der Verband der Gynäkologen aufgerüttelt, der begriffen hat, dass hier mal nachgerüstet werden muss. Mein Eindruck ist: Das Thema wird nicht mehr belächelt, sondern endlich ernst genommen. 

Du zeigst dich in der Serie ohne jeden Versuch, deine Falten zu kaschieren. Dabei ist die Branche ja mit alternden Frauen sehr ungnädig.
Das hat schon Mut erfordert. Natürlich kann ich mich so schminken und so leuchten lassen, dass ich anders aussehe. Und wenn das so gebraucht wird – gerne! Aber hier ist eine Frau in einer Krise, findet sich gerade selbst nicht so super und hat auch noch die ganze Nacht durchgesoffen. Als ich bei der Premiere mein Gesicht auf der Riesen-Leinwand vom Cinedom gesehen habe, dachte ich trotzdem: Wow, bin ich das? Aber das war dann auch schon wieder lustig. Und es gibt da für mich nur drei Worte: Komm drüber weg! Isso. Bei der nächsten Staffel werden es noch ein paar Falten mehr sein. Und dann ist man irgendwann 80 und hat richtig viel Glück gehabt!   

Das Gespräch führte Chantal Louis.

 

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